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25.07.2017

Wieder ein Pferd Opfer der ansteckenden Blutarmut

Am Montag wurde erstmals in Schleswig-Holstein der Ausbruch der Ansteckenden Blutarmut der Einhufer amtlich festgestellt. Es ist bereits der 16. Fall der gefürchteten Seuche in sieben Wochen.

Der aktuelle Ausbruch der Equinen Infektiösen Anämie hat nun auch Schleswig-Holstein erreicht. © Castenoid - fotolia.com
Der aktuelle Ausbruch der Equinen Infektiösen Anämie hat nun auch Schleswig-Holstein erreicht.
© Castenoid - fotolia.com
Die betroffene Pferdehaltung im Kreis Pinneberg war untersucht worden, weil die aktuell laufenden epidemiologische Ermittlungen einen Kontakt mit einem erkrankten Pferd in Hamburg ergeben hatten. Der Betrieb, es handelt sich dabei um das Pologestüt Gut Aspern in Groß Offenseth-Aspern, wurde zunächst gesperrt und die eingestellten Pferde amtlich beprobt. Hierbei wurden bei einem Pferd Antikörper gegen das Virus nachgewiesen. Der Befund des Landeslabors Neumünster wurde bereits durch das nationale Referenzlabor für Ansteckende Blutarmut der Einhufer am Friedrich-Loeffler-Institut bestätigt.

Das infizierte Pferd wurde gemäß der Rechtsvorschrift „Verordnung zum Schutz gegen die Ansteckende Blutarmut der Einhufer“ eingeschläfert. Ein weiteres Pferd des Bestandes zeigte sich in der labordiagnostischen Untersuchung als nicht eindeutig negativ. Es wird in zwei bis drei Wochen erneut beprobt und untersucht. Davon abgesehen werden sämtliche Pferde des Ausbruchsbetriebes nach frühestens 90 Tagen nach dem letzten positiven Nachweis erneut untersucht.

Der Kreis Pinneberg hat um den Ausbruchsbetrieb einen Sperrbezirk mit einem Radius von mindestens einem Kilometer errichtet.

Verschärfte Auflagen für Poloturniere

Am 7. Juni war das erste Pferd im Landkreis Verden positiv auf EIA getestet worden war, seither wurden noch 15 weitere Infektionsfälle festgestellt, darunter auch in den Niederlanden und in der Schweiz. Inwieweit diese Fälle epidemiologisch zusammenhängen, wird derzeit mit Beteiligung des Friedrich-Loeffler-Instituts untersucht. Auffällig ist jedoch, dass bislang ausschließlich Polopferde betroffen waren. In einem Erlass hat des Landwirtschaftsministerium deshalb nun verfügt, dass Poloturniere nur noch unter dann abgehalten werden dürfen, wenn für alle teilnehmenden Pferde ein negatives Untersuchungsergebnis vorliegt.

Mit HIV-Virus verwandt

Bei der Equinen Infektiösen Anämie (EIA), gemeinhin auch als „Pferdeseuche“ bezeichnet, handelt es sich um eine ansteckende Blutarmut die ausschließlich Einhufer wie Pferde, Esel und Mulis betrifft. Der Erreger, der mit dem menschlichen HIV-Virus verwandt ist, wird laut der österreichischen Agentur für Gesundheit und Verbraucherschutz AGES durch nicht sterile Injektionsnadeln oder chirurgische Instrumente übertragen, kann aber auch im Zuge des Fortpflanzungsaktes, bei trächtigen Stuten über die Plazenta auf den Fötus, die Muttermilch sowie über Exkretion von Speichel und Urin erfolgen. Auch eine Übertragung durch mit Blut und Sekreten kontaminierte Pflegeutensilien bzw. durch Maulgatter sei möglich, heißt es im Merkblatt der AGES.

Eine besonders wichtige Rolle bei der Verbreitung der Erkrankung spielen jedoch Insekten und hier vor allem große Arten wie Bremsen und Stechfliegen. Damit eine Bremse zum Überträger wird, muss sie eine Blutmahlzeit an einem infizierten Tier unterbrechen und das an ihren Mundwerkzeugen haftende infektiöse Blut auf kurzer Distanz (bis 200 m) innerhalb von etwa 30 Minuten an ein benachbartes, noch nicht infiziertes Tier weitergeben.

Die Erkrankung kann akut oder chronisch verlaufen. Im akuten Zustand steigt die Körpertemperatur für mehrere Tage auf über 40 Grad Celsius an, die Pferde wirken matt und apathisch. Mitunter ist der Krankheitsausbruch von Bewegungsstörungen und Ödemen an Brust, Bauch und Gliedmaßen begleitet. Der Tod kann innerhalb weniger Tage eintreten – muss er aber nicht. In manchen Fällen erholen sich die Tiere wieder, bevor einige Wochen später ein neuer Krankheitsschub auftritt. Mit zunehmender Dauer werden die Tiere schwach und magern stark ab. Anhand dieser Symptome ist EIA recht gut feststellbar. Schwieriger gestaltet sich die Diagnose bei sogenannten „stummen“ Virusträgern. Schätzungen zufolge machen sie etwa 30 bis 90 Prozent der infizierten Tiere aus. Solche „Carrier“ sind symptomlos und erscheinen völlig gesund, stellen für die Verbreitung der Erkrankung aber eine große Gefahr dar, zumal einmal infizierte Tiere ein Leben lang Virusträger und potentielle Virusausscheider bleiben.

Obwohl für den Menschen ungefährlich, ist EIA eine anzeigepflichtige Tierseuche, die staatlich rigoros bekämpft wird. Impfungen, Maßnahmen diagnostischer Art und Heilversuche bei erkrankten Pferden sind ausdrücklich verboten. Eine Behandlung ist weder möglich noch zulässig. Bis vor einigen Jahren wurde bei einem infizierten Tier noch der gesamte Bestand gekeult. Davon ist man inzwischen glücklicherweise abgekommen. Heute muss „nur“ noch das betroffene Tier getötet werden. Bitter genug für dessen Besitzer – insbesondere bei einem Tier, das dem äußeren Anschein nach kerngesund ist. Davon abgesehen sieht die Bekämpfungsstrategie Sperr- und Quarantänemaßnahmen des betroffenen Pferdebestandes sowie von Kontaktbeständen und gezielte Blutuntersuchungen vor.

Kein Fall in Österreich seit 15 Jahren

EIA ist weltweit verbreitet. Seit 2010 werden aus mehreren Mitgliedsstaaten der EU immer wieder Fälle der ansteckenden Blutarmut gemeldet. In Österreich gab es bislang nur zwei infizierte Pferde, beide reichen in das Jahr 2002 zurück. Danach wurde die Seuche nicht mehr diagnostiziert. Anders stellt sich die Situation in Rumänien dar, wo die Erkrankung als endemisch gilt. Der Transport lebender Pferde aus Rumänien ist deshalb an besonders strenge Regeln gebunden, etwa an die Vorlage eines Coggins-Tests. Dieser gilt als Standard für den Nachweis von EIA-spezifischen Antikörpern.

PM/ps