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10.07.2017

Wiederkehrer Wolf: Fachleute fordern Maßnahmen zum Schutz von Herdentieren

Der Wolf breitet sich in Europa immer weiter aus. Auch in Österreich ist er seit Kurzem wieder heimisch und sorgt bei Landwirten und Tierhaltern zunehmend für Besorgnis.

Die Wiederansiedelung des Wolfes in Österreich wird zunehmend kritisch gesehen. Landwirtschaftsvertreter fordern ein praktikables Wolfsmanagement zum Schutz von Nutztieren und deren Haltern. © hkuchera - fotolia.com
Die Wiederansiedelung des Wolfes in Österreich wird zunehmend kritisch gesehen. Landwirtschaftsvertreter fordern ein praktikables Wolfsmanagement zum Schutz von Nutztieren und deren Haltern.
© hkuchera - fotolia.com
In Frankreich, der Schweiz und in Bayern ist die Rückkehr des Wolfes schon seit einigen Jahren ein Thema, in Österreich wird sie es zunehmend. Seit im Juni 2015 der erste Wolf im Waldviertel rund um den Truppenübungsplatz in Allensteig bestätigt wurde, ist der Bestand inzwischen auf sieben Tiere angewachsen. Expertenschätzungen zufolge wird dieses Rudel heuer zwischen sieben und zehn Tonnen Futter benötigen. Und die findet es nicht nur Wildtierbestand. Erst im Mai wurden in Bad Traunstein im niederösterreichischen Waldviertel sieben Schafe von einem oder mehreren Wölfen gerissen. Das bestätigt die Untersuchung der entnommenen genetischen Proben.

In Deutschland sind derzeit über 40 Rudel wieder heimisch, bis Wölfe über die Grenze nach Österreich einwandern, ist es nur eine Frage der Zeit, sind Ökologen überzeugt. Was Naturschützer freut, sorgt bei Landwirten und Tierhaltern für Sorgenfalten. Schon jetzt gibt es in Salzburg zunehmend Fälle von Wolfsübergriffen auf Nutztiere. Insgesamt hat das Land 2015 Entschädigung für 102 getötete Schafe gezahlt. In Tirol und Vorarlberg sieht die Lage ähnlich aus.

Die steigenden Ambitionen des Beutegreifers österreichische Almen zur Jagd zu nutzen bleibt nicht ohne Folgen. Einige Bauern sollen die Alpung bereits aufgegeben haben, heißt es aus der Landwirtschaftskammer Salzburg. „Wölfe sind hocheffiziente Raubtiere. Wenn sie fähig sind, Elche und Büffel zur Strecke zu bringen, so wird es ein Kleines sein, auch Rinder und Pferde als Beute zu wählen“, meint Franz Lanschützer von der Abteilung Forst der Landwirtschaftskammer Salzburg im Gespräch mit TopAgrar. Das Problem aus Sicht der Landwirte: Wölfe bevorzugen leichte Beute. Sie würden deshalb nicht nur gerne bei kranken und schwachen Wildtieren zulangen, sondern auch bei einfach zu erreichenden Nutztieren.

Für Experten ist klar: Soll eine friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Wolf funktionieren, führt an Herdenschutz-Maßnahmen kein Weg vorbei. In benachbarten Regionen der Schweiz und Italien aber auch in Frankreich hat man damit bereits gute Erfahrungen gemacht. Ein positives Beispiel für Herdenschutz gibt es aber auch in Österreich. Auf der Ochsenalm in Kals am Großglockner werden seit 2014 in einem Modellprojekt Hunde zum Schutz der weidenden Herden eingesetzt. Bislang mit Erfolg. Doch Herdenschutz ist teuer und Unterstützung durch die öffentliche Hand derzeit nicht in Sicht. "Wir stehen vor einem schweren Wolfs-Konflikt in Österreich. Weil die Politik sich tot stellt und so gut wie nichts tut", sagte der bekannte österreichische Wolfsforscher Kurt Kotrschal gegenüber dem Kurier. Das sieht man auch beim WWF so. „Der Wolf kehrt in seine ursprünglichen Gebiete zurück. Es braucht also Aufklärungsarbeit, Finanzierungsmodelle für den Herdenschutz und eine bessere Schadensabgeltung. Hier ist die Politik gefordert, und es müssen nun endlich konkrete Schritte in diese Richtung gesetzt werden“, meint etwa Christian Pichler, Artenschutz-Experte beim WWF Österreich.

Darauf, dass die Politik in dieser Angelegenheit endlich in die Gänge kommt, wollen Landwirtschaftsvertreter nicht warten. „Wenn der Wolf kommt, geht wichtiges Kulturland verloren“, ist Lanschützer überzeugt. Mit dieser Einschätzung steht der Forstdirektor nicht alleine da. In einer jüngst abgehaltenen Besprechung haben sich politische Vertreter aus Bayern, Südtirol, Kärnten, Vorarlberg und Tirol deshalb auf die Forderung nach einem wolffreien Ostalpenraum verständigt. Um diesen durchzusetzen will man gemeinsam Strategien entwickeln und deren Umsetzung vorantreiben.

Eine davon ist die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie so abzuändern, dass der aktuell streng geschützte Wolf in Zentraleuropa als nicht mehr vom Aussterben bedroht angesehen wird und entsprechend „in ein wirksames Management genommen werden muss.“

Die Forderung nach einem praktikablem Wolfsmanagement kommt auch aus der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Betroffenen Grundeigentümer sollen bei Herdenschutzmaßnahmen und Wolfsrissen gezielt unterstützt werden sowie erforderlichenfalls entsprechende Maßnahmen zur Bestandsregulierung ermöglich werden, erklärte Kammerrat Daniel Heindl. Eine eigene Arbeitsgemeinschaft soll in den kommenden Monaten Informationen sammeln und Strategien im Umgang mit dem Raubtier entwickeln. Jäger, Land- und Forstwirte sowie der WWF sollen hierei ihre Expertise einbringen.

ps
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