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27.04.2017

Wirbel um Prater Ponys geht weiter

Das lange Zeit umstrittene Pony-Karussell im Wiener Prater ist seit Herbst Geschichte. Trotzdem halten die Diskussionen um seine ehemaligen vierbeinigen Mitarbeiter weiter an.

Für sechs der ehemaligen Karussellponys geht der Dienst im Prater auf der benachbarten Reitbahn weiter. Der 20-jährige Maxi (Foto) ist eines von ihnen. © VIER PFOTEN
Für sechs der ehemaligen Karussellponys geht der Dienst im Prater auf der benachbarten Reitbahn weiter. Der 20-jährige Maxi (Foto) ist eines von ihnen.
© VIER PFOTEN
Es hätte alles so schön sein können. Nach Jahren des treuen Dienstes im 1. Wiener Ponny-Caroussell sollten die braven Vierbeiner mit Ende der Saison 2016 ihren wohlverdienten Ruhestand antreten. So zumindest wollte man das bei der Tierschutzorganisation vier Pfoten sehen. Am Ende wurde nichts daraus. Zumindest nicht für alle. Sechs der Tiere werden weiterhin im Prater eingesetzt. Nicht mehr im Karussell, dafür in der benachbarten Reitbahn, die, wie das Pony-Karussell auch, im Besitz der Familie Reinprecht steht.

Dass auf die Tiere anstelle des in Aussicht gestellten Gnadenbrots nun neuerlich der Praterdienst wartet, findet man bei der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, die sich jahrelang für die Schließung des Wiener Traditionsbetriebes eingesetzt hat, völlig inakzeptabel. „Nach all den Jahren Arbeit wollen die Betreiber weiterhin Geld mit den Tieren machen – natürlich auf deren Rücken, nicht nur sprichwörtlich. Die alten Tiere wurden einfach umgeschult. Wir finden das schlicht unanständig“, hält Tierschützerin Indra Kley mit Kritik nicht hinterm Berg. „Wir konnten uns selbst bei einem Lokalaugenschein davon überzeugen, dass zum Beispiel Anka, Mani und Maxi, die jahrelang bei lauter Musik oft stundenlang im Kreis laufen mussten, weiterschuften müssen. Die Pferde sind teilweise fast 30 Jahre alt – ein wirklich unnötiger zusätzlicher Stress.“ Kley fordert eine „Hacklerregelung“ und damit endgültig den wohlverdienten Ruhestand für die Ponys.

Um diesen durchzusetzen geht man sogar auf die Straße. Am kommenden Freitagnachmittag will man im Prater Helium-Luftballons und Süßigkeiten an Passanten verteilen, um auf das Schicksal der Tiere aufmerksam zu machen.

Betreiber kontern

Gegen die Anschuldigung, man wolle sich auf Kosten betagter Tiere weiter bereichern, wehren sich die Besitzer vehement. Prokuristin Mag. Isabel Groschopf, die das Unternehmen vertritt, spricht im Interview mit der Pferderevue Klartext. „Ich habe den Eindruck, dass es den Vier Pfoten lediglich um Publicity geht. Das finde ich sehr schade. Im persönlichen Gespräch hat mir Frau Kley mehrmals bestätigt, dass es keinem einzigen Pferd bei uns schlecht geht. Auf die Frage, was man am Konzept der Reitbahn verändern sollte, damit es den Pferden dort besser geht bzw. was den Tieren auf der Reitbahn schaden könnte, wusste sie nichts zu sagen.“ Zudem habe man nie davon gesprochen, dass alle Ponys nach ihrer Karriere im Karussell in Pension gehen würden. „Eine derartige Zusage hat es zu keiner Zeit gegeben“, kontert Groschopf.

Den Tagesablauf, den die sechs ehemaligen Karussellponys - allesamt im Alter zwischen neun und maximal 21 Jahren - zusammen mit ihren vierbeinigen Kollegen auf der Reitbahn absolvieren, schildert die Prokuristin wie folgt: „Unsere Pferde werden in der Früh auf der Wiese hinter dem Schweizerhaus von unseren Mitarbeitern zum Grasen geführt. Danach werden sie zwischen zwei und vier Stunden auf der Reitbahn eingesetzt, wo sie von unseren Leuten pro Kind zwei Runden im ruhigen Schritt geführt werden. Dazwischen sind die Ponys und Pferde immer wieder auf der Koppel, werden geputzt und umsorgt.“ In puncto Ausrüstung gibt man sich minimalistisch. „Die Ponys sind wie schon Karussell nur mit Halfter, Strick und Sattel ausgerüstet. Dinge wie Gebisse oder Ausbinder gibt es bei uns nicht“, so Groschopf.

Dass man sich trotz aller Bemühungen zum Wohl der Ponys weiterhin der Kritik der Tierschützer ausgesetzt sieht, kann die Prokuristin nicht verstehen. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum man um Tiere, denen es sichtlich gut geht – was mir von Frau Kley ja auch persönlich bestätigt wurde –, so viel Wind macht. Die Spendengelder könnte man sicherlich an anderer Stelle, wo es um echtes Tierleid geht, besser einsetzen.“

ps