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29.07.2011

Zivilcourage ist ein seltenes Phänomen auf Turnierplätzen

Und das nicht ganz ohne Grund, wie sich jetzt an einem konkreten Beispiel aus der Steiermark zeigte.

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der Juliausgabe war auf Seite 10 eine Bekanntmachung von Mag. Verena Edelsbrunner, Tierärztin und Springreiterin aus der Steiermark, abgedruckt (in Form einer bezahlten Anzeige). Neugierig wie wir sind, haben wir nachgefragt und eine für die Protagonistin sehr bedauerliche Geschichte zu hören bekommen.

Die junge Tierärztin wollte Missstände, die sie auf steirischen Turnieren wahrzunehmen glaubte, aufzeigen – durch ungeklärte Umstände fand ihr vertrauliches Schreiben an den Österreichischen Pferdesportverband aber den Weg zu just all jenen Personen, die sie als für die Missstände verantwortlich bezeichnet hatte. Und plötzlich war die engagierte Tierärztin mit einer Unterlassungsklage konfrontiert… Monatelange gerichtliche und außergerichtliche Auseinandersetzungen folgten. Außerdem wurde nicht nur sie selbst, sondern auch ihr Lebensgefährte von diversen Turnieren ausgeladen, in manchen Betrieben erhielt sie Stallverbot, was eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung ihrer beruflichen Tätigkeit bedeutet. Anbetracht der existenzbedrohenden Folgen des couragierten Eintretens für Fairness gegenüber dem Pferd bzw. für die Einhaltung der Bestimmungen der ÖTO nimmt es nicht wunder, dass Zivilcourage ein so seltenes Phänomen auf Turnierplätzen ist.

Und noch etwas ist aus den Gesprächen, die wir in Folge mit mehreren Funktionären führten, klar geworden: Die Praxis, dass der Turnierveranstalter die RichterInnen einlädt und nicht – wie in anderen Sportarten üblich – die Dachorganisation die Richter zu den einzelnen Turnieren entsendet, birgt die Gefahr, dass eine Nähe von Veranstaltern, Aktiven und RichterInnen entsteht, die Spekulationen über Objektivität und Unbefangenheit nährt. Immer wieder wird von den RichterInnen selbst beklagt, dass bei missliebigem, allzu kritischem Richten die Einladungen ausbleiben würden. Auch wenn es sich in der Realität nicht so verhalten sollte – allein die Befürchtung, dass sie vom Veranstalter abgestraft werden könnten, bremst manche RichterInnen offenbar in ihrem Tatendrang. Eine unparteiische Entsendung könnte hier für eine größere Unabhängigkeit der RichterInnen sorgen.

OEPS-Sportdirektor Ing. Franz Kager hat in der Vergangenheit bereits mehrere Vorschläge zu einer Reform des Richterwesens unterbreitet, die sich bislang allerdings nicht umsetzen ließen. Doch die Diskussion wird weitergehen – Vorfälle wie jener in der Steiermark zeigen, dass im Turnierwesen durchaus einiges an Reformpotenzial steckt.

Herzlichst,

Eva Morawetz