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17.02.2015

Zum Husten: Allergien auf dem Vormarsch

Aktuell wird in Österreichs Ställen wieder besonders viel gehustet und gerotzt. Zwar können die Ursachen dafür mannigfaltig sein, eines ist mittlerweile jedoch vielfach belegt: Immer häufiger ist es eine Allergie, die Pferde zum Husten bringt.

RAO – eine chronische Verengung der Atemwege, die mit hartnäckigem Husten einhergeht – ist auf allergische Reaktionen gegen Pilzsporen und Pollen zurückzuführen. © Rita Kochmarjova - fotolia.com
RAO – eine chronische Verengung der Atemwege, die mit hartnäckigem Husten einhergeht – ist auf allergische Reaktionen gegen Pilzsporen und Pollen zurückzuführen.
© Rita Kochmarjova - fotolia.com
Seit Wochen wütet die Grippewelle in Österreich. Die Arztpraxen quellen über mit schnupfenden und hustenden Patienten und täglich kommen mehr dazu. Doch nicht nur Menschen plagen sich dieser Tage mit Erkältungen herum, auch viele Pferde sind an Husten erkrankt. Wie ORF.at vor wenigen Tagen titelte, soll im Burgenland derzeit jedes zehnte Pferd an einer Atemwegserkrankung laborieren.

Warum derzeit so viele Pferde husten, ist noch nicht restlos geklärt. Es wird vermutet, dass ein Zusammenhang mit diversen Umwelteinflüssen wie Feinstaub, Ozon oder übermäßig warme Tage mitten im Winter besteht. „Durch Umweltbelastungen wie Ozon haben sich viele Pollen in ihrer Struktur verändert, was nachweisbar zu einem Anstieg der Pollenallergien bei Mensch und Tier führt“, so Veterinärmedizinerin Dr. Regina Wagner.

Mit einer Allergie zeigt der Körper eine Reaktion auf eine Substanz, mit der er auf irgendeine Art und Weise in Berührung kommt. Dies wäre an und für sich nicht verkehrt, würde die Reaktion geregelt und maßvoll ablaufen. Bei einem Allergiker kommt es jedoch zu einer überschießenden Reaktion gegen meist harmlose Stoffe, sodass der Körper selbst Schaden nimmt. Nur sehr selten verschwindet eine Allergie beim Menschen im Laufe des Lebens wieder, in den meisten Fällen – bei Tieren ist das die Regel – verschlimmern sich die Symptome, und es kommt zu chronischen Veränderungen im Organismus.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die RAO, die Recurrent Airway Obstruction, hierzulande als Dämpfigkeit bekannt. Obwohl die Entstehung der RAO bisher nicht vollständig geklärt ist, sprechen bereits einige Studienergebnisse dafür, dass diese chronische Atemwegserkrankung ihren Ursprung in einer allergischen Reaktion auf Schimmelpilze, Hausstaub- und Vorratsmilben und Gräserpollen hat. Vielfach wird die RAO als „Zivilisationskrankheit“ betrachtet, da sie bei Pferden in klassischer Stallhaltung weitaus öfter vorkommt als bei Offenstallpferden.
 
Atemwegserkrankungen gelten heute als die am meisten verbreitete Allergieform beim Pferd. Neigt ein Pferd zu Husten, lösen bestimmte Allergene, die über die Atmung in die Lunge gelangen und sich auf den Schleimhäuten von Nasenhöhle, Nasennebenhöhlen, Luftsäcken, Bronchien und Lungenbläschen verteilen, Reaktionen des Gewebes aus. Der Pferdeorganismus reagiert mit Husten, erschwerter Atmung und wässrigem Nasenausfluss - ähnliche Anfangssymptome wie bei einer infektiösen Atemwegserkrankung.

Allergie oder nicht?

Ob tatsächlich eine Allergie die Schuld am Pferdehusten trägt, lässt sich meist nicht so leicht feststellen. Nicht immer präsentiert sich eine Allergie eindeutig als solche, andere mögliche Erkrankungen müssen zunächst ausgeschlossen werden. Dann kann der Tierarzt aufgrund des klinischen Bildes und des genauen Vorberichts die klinische Diagnose „Allergie“ stellen. In nachfolgenden Tests werden dann die möglichen Auslöser (Allergene) festgestellt. Dabei sind Verfahren wie etwa der intradermale Hauttest, bei dem auf einer Hautstelle am Hals verschiedenen Allergie auslösende Stoffe in die Haut appliziert werden oder die Antikörper-Bestimmung mittels Bluttest häufig nicht so zuverlässig, wie benötigt. Die Diagnose „Allergie“ fußt deshalb letztendlich immer auf dem klinischen Bild, den Symptomen und der Anamnese.

Therapie mit unterschiedlichen Aussichten

Mit der Diagnose beginnt für viele Pferdebesitzer der oftmals von Frustration gezeichnete therapeutische Weg. Der Erfolg wird dabei ganz maßgeblich vom allgemeinen Management des Pferdes bestimmt. Dazu zählt vor allem die Vermeidung der auslösenden Faktoren. RAO Pferde finden ihre einzige Rettung oftmals im Offenstall und bei angefeuchtetem Heu. Dr. Regina Wagner weist die BesitzerInnen von Allergiepatienten immer darauf hin, „dass kein behandelter Allergiker 365 Tage im Jahr keine Beschwerden hat. Eskalationen, die durch Stress oder andere Umweltfaktoren ausgelöst werden, stehen beim Management eines Allergiepferdes auf der Tagesordnung. Als Besitzer muss man lernen, damit umzugehen.“

Allgemein gilt, dass jeder Allergiker ein ganz spezieller Fall für sich ist und dementsprechend behandelt werden muss. Mit guter Pflege und rechtzeitiger Intervention kann ein Allergiker trotz gelegentlichem Hustenreiz ein langes und gutes Leben führen.

Hilfe für gepeinigte Patienten

Mit der Hyposensibilisierung, auch als Allergieimpfung oder allergenspezifische Immuntherapie (ASIT) bezeichnet, gibt es ein vielversprechendes Instrument, um Allergien zu kontrollieren. Durch die Injektion von minimalen Allergenmengen wird die Abwehrkraft des Körpers über einen längeren Zeitraum in Richtung Toleranz gesteuert. Die klinischen Symptome können gänzlich verschwinden oder stark abnehmen und nur bei starker Allergenbelastung kurzfristig aufflammen. Hier gilt vor allem: Je jünger die Symptome beim Pferd sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Hyposensibilisierung erfolgreich ist. „Bei RAO kann sie bis zu 80 Prozent betragen, wenn die Hustenprobleme erst seit ein bis zwei Jahren bestehen“, so Dr. Regina Wagner.

Wie lange das Pferd geimpft werden muss, ist individuell verschieden. Wagner rät, den Erfolg nach einem Jahr Behandlungsdauer zu evaluieren. Gibt es danach keinen merkbaren Effekt, rät sie zum Abbruch und zum Umstieg auf eine symptomatische Therapie. Damit ist die Behandlung der Beschwerden, die durch die Allergie verursacht werden, und die Kontrolle der überschießenden Abwehrreaktion des Körpers gemeint. Diese Aufgabe erfüllt das bei Laien oft gefürchtete Cortison in durchaus zuverlässiger Weise. Angst sei vor diesem Wirkstoff nicht berechtigt, so Wagner: „Es kommt ganz darauf an, welches Präparat in welcher Konzentration eingesetzt wird. Eine regelmäßige Inhalationstherapie mit Cortison kann ein RAO-Pferd über belastende Zeiten hinwegretten.“