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10.03.2017

Zu oft geschlagen: Deutschlands Rennsport steht vor richtungsweisendem Urteil

Der Galopprennsport in Deutschland steht vor einem wegweisenden Urteil. Anders als bisher könnte übertriebener Peitscheneinsatz während des Rennens zur Disqualifikation führen. Eine Entscheidung, die weitreichende Folgen hätte.

Galopprennen Rennsport Peitsche © Cheryl Ann Quigley
© Cheryl Ann Quigley
Fünfmal ist im Rahmen, neunmal zu viel. Das deutsche Galopprennsportreglement gibt hinsichtlich des Peitschengebrauchs ganz genau vor was erlaubt ist und was nicht. Doch derlei Verstöße haben in der Vergangenheit kaum große Wellen geschlagen. Das könnte sich künftig ändern. Denn das Obere Renngericht des Galopper-Dachverbandes ist drauf und dran ein Urteil zu fällen, das den deutschen Rennsport nachhaltig verändern könnte.

Im Zentrum der Diskussionen steht der umjubelte Sieger des vergangenen Hamburger Derbys. Der von Andreas Wöhler trainierte Isfahan mit Jockey Dario Vargiu im Sattel, hatte nach einem spannenden Duell mit dem irischen Galopper Savoir Vivre unter Frederik Tylicki Platz eins mit einer Kopflänge Vorsprung errungen. Nur eine Halslänge dahinter war Dschingis Secret unter Martin Seidl auf dem unglücklichen Dritten Rang gelandet. Unglücklich vor allem deshalb, weil sich Seidl als einziger des Top-Trios an die Rennordnung gehalten und innerhalb des erlaubten Peitschengebrauchs geblieben war.

Protest bringt Stein ins Rollen

Auf Protest des Drittplatzieren Teams kam die Angelegenheit schließlich vors Renngericht. Dort schloss man sich in erster Instanz dem Urteil der Hamburger Rennleitung an, keine Disqualifikation auszusprechen. Isfahan behielt den Derbysieg, sein Besitzer die 390.000 Euro Siegprämie. Lediglich Jockey Dario Vargiu, der viermal öfter als erlaubt mit der Peitsche zugelangt hatte, wurde mit zweiwöchigem Reitverbot und einer Geldstrafe in Höhe von 16.625 Euro belegt. Vargiu nahm das Urteil gelassen. Der Sieg im Derby sei fürs Renommee wertvoller, als die zu zahlende Strafe schlimm.

Verstoß gegen die Rennordnung

Weniger unaufgeregt dürfte der Italiener dem kürzlich veröffentlichten Urteil des Oberen Renngerichtes gegenüberstehen. Denn dort entschied man, dass übermäßiger Peitschengebrauch als Verstoß gegen die Rennordnung zu werten sei. Die Konsequenz ist unmissverständlich: Wer die Peitsche öfter als die zulässigen fünf Schläge gebraucht, ist zu disqualifizieren.  

Nun liegt die Sache zur weiteren Verhandlung erneut beim Renngericht. Dort soll entschieden werden, ob Isfahan disqualifiziert oder (lediglich) auf Rang zwei zurückgestuft wird. Was schon jetzt feststeht: Aberkannt wird ihm der Titel in jedem Fall.

Für Bernhard Matusche, Anwalt der klageführenden Partei, könnte Deutschland mit einer Entscheidung pro Disqualifikation bei Peitschenmissbrauch zum Vorreiter für fairen Sport innerhalb der Galopp-Welt werden. Auf einen derartigen Ausgang hoffen auch Tierschützer.  
Anders sehen Funktionäre, Trainer und Jockeys die Sache. Unter ihnen Jan Antony Vogel, Geschäftsführer des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen (DVR). Er fürchtet, dass ein derartiges Urteil die Grundfesten der Rennordnung erschüttern könnte. „Sie stellt uns vor Probleme und hat deshalb bei uns zu erheblichen, auch emotionalen Reaktionen geführt“, so Vogel im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. „Wir machen uns mit diesem Riesenzirkus lächerlich“, empörte sich darüber hinaus Jockey-Sprecher Alexander Pietsch.

Protestwelle befürchtet

Und so wird der finalen Entscheidung des Renngerichts, das in einigen Wochen erwartet wird,  mit großer (An-)Spannung entgegengefiebert. Es könnte ein wegweisendes Urteil für den Galoppsport in Deutschland sein, mit erheblichen Auswirkungen auf die Zukunft, aber auch auf die Vergangenheit. Denn die allgemeine Protestfrist beträgt im Galopprennsport fünf Jahre. Kommt es zu einer Disqualifikation wegen übertriebenen Peitscheneinsatzes, müsste das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen eine Lawine nachträglicher Proteste befürchten.

ps