Array ( [2000] => Home [2005] => Nachrichten [1011] => Marktkurzinfos [1026] => Marktanalysen [1016] => Reportagen [1044] => Über Uns [1046] => Das Team [1045] => Mediadaten [2021] => Impressum [2022] => AGB )
Passier Skyscraper
  • Passier  Passier
  • www.horsefeed-box.com © Archiv
13.03.2017

FEI plant drastische Anhebung der Startgelder – Europa wehrt sich

Im Bestreben, ein international einheitliches System zu schaffen, plant der Weltreiterverband eine Harmonisierung der Nenngebühren auf Springturnieren. Für Europa würde das eine drastische Verteuerung bedeuten. Kritiker sehen den Sport ernsthaft in seiner Existenz bedroht.

Setzt die FEI die weltweite Harmonisierung der Nenngebühren wie geplant um, droht dem europäischen Springsport eine empfindliche Teuerung. © www.slawik.com
Setzt die FEI die weltweite Harmonisierung der Nenngebühren wie geplant um, droht dem europäischen Springsport eine empfindliche Teuerung.
© www.slawik.com
Geht es nach der FEI, soll das amerikanische System künftig weltweit Schule machen. Anders als in Europa, wo die Nenngebühren mehr oder weniger fixe Beträge sind, richten sich die Gebühren auf US-Turnieren nach dem ausgeschriebenen Preisgeld. Experten des Europäischen Reiterverbandes EEF haben nun errechnet, welche Auswirkungen die geplante Vereinheitlichung der Nenngebührensysteme hätte. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus, wie anhand folgenden Beispiels deutlich wird:

Aktuell müssen Teilnehmer eines Zwei-Sterne-Turniers mit rund 400 Euro Startgeld pro Pferd rechnen. Dieser Betrag würde sich bei einer maximalen Preisgeldausschüttung auf bis zu 1.200 Euro erhöhen, bei drei-Sterne-Turnieren sind gar Beträge bis zu 1.500 Euro pro Pferd möglich.

Nenngebühren für drei Pferde im Vergleich europäisches System vs. amerikanisches System

CSI Kategorie Gebühren in Summe 2016/2017 Gebühren in Summe 2022*
CSI1* EUR 1.606,50 EUR 1.681,00
CSI2* EUR 1.491,20 EUR 3.726,00
CSI3* EUR 1.789,00 EUR 4.069,00
CSI4* EUR 2.041,60 EUR 5.191,00
Angesichts dieser Zahlen ist es wenig verwunderlich, dass es von Seiten der nationalen Verbände Europas und des EEF harsche Kritik an den Plänen des Weltereiterverbandes hagelt. Es sei unverständlich, warum man ausgerechnet das europäische System, das sich seit Jahren bewährt und das als höchst erfolgreich gilt, durch ein weit weniger günstiges ersetzen sollte, meinte etwa Theo Ploegmakers, Präsident des Niederländischen Reitsportverbandes KNHS in einem offenen Brief. „Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Wir stellen uns nicht gegen eine Globalisierung unseres Sports, auch wir glauben dass die Globalisierung unseren Sport stärker macht und attraktiver für den TV-Zuseher. Allerdings scheint es, dass die FEI unter der Vorgabe der Globalisierung einen Weg sucht, den Einfluss Europas zu reduzieren.“

Europa gilt seit jeher als die Wiege des Reitsports. Daran hat sich auch in der vergangenen Jahren kaum etwas verändert, wie ein Blick auf aktuelle Statistiken offenbart. Gemäß einer Aufstellung des EEF werden 81 % der internationalen Springturniere auf europäischem Boden ausgetragen, 84 % der Springpferde sind in Europa registriert, das trifft auch auf 79 % der Springreiter zu. Dem sollte die FEI Rechnung tragen, indem sie „Europa zum Zentrum ihrer Strategie macht“, fordert Ploegmakers.

Die allgemeine Vormachtstellung Europas im Sport ist dabei nicht das einzige Argument, das der EEF in die Waagschale wirft. Das europäische System funktioniere von der Basis bis zu Spitze. Turniere dienten als wichtige Plattformen für Profireiter und Züchter, um junge Pferde für größere Aufgaben vorzubereiten und potenziellen Käufern vorzustellen. Hinzu komme, dass Turniere niedrigerer Klassen eine wichtige Bühne für junge Reiter seien, um Punkte zu sammeln und sich ihren nationalen Verbänden als Kaderreiter zu empfehlen. All dies sieht der EEF durch die geplante Teuerung massiv gefährdet.

Schon jetzt sei der Reitsport ohnehin sehr teuer. Es wäre naiv zu denken, dass Talent allein ausreiche, um hier zu bestehen. Die Reiter benötigten exzellente Pferde und Kontakte zu Besitzern, Züchtern und Sponsoren, um eine Chance auf eine erfolgreiche reiterliche Karriere zu haben. Sollte die FEI ihre Pläne wie angekündigt umsetzen, hätten nur noch wenige aufgrund der benötigten finanziellen Mittel die Möglichkeit, sich regelmäßige Starts zu leisten. Anstatt weniger gut Betuchten zusätzlich Steine in den Weg zu legen, sollte die FEI alles daransetzen, allen Reitern eine vernünftige Chance zu bieten, den Sprung in den Top-Sport zu schaffen.

"Der Entwurf der FEI steht völlig konträr zum Konzept des Breitensports. Er drängt Europas Reitsport in ein Dasein einer rein elitären Sportart zurück - mit unabsehbaren Folgen für die gesamte Branche und das Interesse der Medien", kritisiert EEF-Präsident Dr. Hanfried Haring, der eine Vergrößerung der Lücke zwischen Basis- und Hochleistungssport befürchtet.

Europa als Fundament des Sports

Dass das bestehende europäische System gut funktioniert, beweist auch die Tatsache der stetig steigenden Zahl der Turniere. Noch nie habe es derart viele Reitsportveranstaltungen wie heute gegeben, laufend fänden sich neue Veranstalter. Die Umsetzung der geplanten Vereinheitlichung würde diesen Trend nicht nur stoppen, sondern auch umkehren, ist die EEF überzeugt.

Für den Vorschlag der FEI zur Nenngebürenharmonisierung gibt es vonseiten des EEF und der europäischen Verbände eine klare Abfuhr. „Es wird Zeit, dass sich die FEI bewusst wird, dass es ohne Europa keine erfolgreiche Globalisierung geben kann. Europa ist das Fundament des Sports und wird es auch in Zukunft sein“, macht Ploegmakers den europäischen Standpunkt klar.

Auch in Österreich hält man wenig vom geplanten Vorstoß der FEI. „Der Österreichische Pferdesportverband schließt sich der Position des EEF in allen Punkten an. Wir möchten betonen, dass wir mit den vorgeschlagenen Nenngeldern nicht einverstanden sind und ersuchen das FEI Jumping Committe dringend um eine eingehende Prüfung seines Vorschlages“, heißt es von Seiten des OEPS.

ps