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01.09.2017

Mutter der Dressurnation Gerda Rankl gestorben

25 Jahre lang lenkte Gerda Rankl als ehrenamtliche Referentin die Geschicke des österreichischen Dressursportes. Am 24. August verstarb die national wie international hoch geschätzte Pferdefachfrau im Alter von 87 Jahren.

Fast vier Jahrzente lang hat Gerda Rankl, zunächst als Richterin, dann als Funktionärin, den Dressursport in Österreich gestaltet und nachhaltig geprägt. © Ursula Zahalka
Fast vier Jahrzente lang hat Gerda Rankl, zunächst als Richterin, dann als Funktionärin, den Dressursport in Österreich gestaltet und nachhaltig geprägt.
© Ursula Zahalka
Gerda Rank war die erste Frau in Österreich, die als Dressur- und Springrichterin fungierte. Auch international war die „Mutter der Dressurnation“ lange eine von nur fünf Frauen im Richteramt. Rankl genoss bis zuletzt einen ausgezeichneten Ruf, obwohl sie seit ihrem Abschied als Dressurreferentin im Jahr 2005 zunehmend das Interesse am Turniersport verloren hatte. In ihren letzten Jahren lebte Gerda Rankl mit ihrer Familie – ihrem Mann, ihrer Tochter Marlies sowie deren Mann und zwei Söhnen – in ihrem Geburtsort Leopoldsdorf im Marchfeld.

Dort hatte Gerda Rankl im Alter von zehn Jahren auch ihren ersten Kontakt mit Pferden – im Stall der damaligen Eigentümerin des Schlosses Leopoldsdorf, der Baronin Wiener-Welten, die ihr auch Unterricht erteilte. Dann kam der Krieg. Erst 1948, als sie bereits ihre Ausbildung zur Lehrerin in Wien abgeschlossen hatte, genoss sie wieder intensiven Reitunterricht, in der Reitschule in der Rasumovskygasse im dritten Wiener Gemeindebezirk. 1949 heiratete sie den Doktor der Rechts- und Staatswissenschaften Othmar Rankl, ein Jahr später kam Sohn Peter zur Welt, 1960 folgte Tochter Marlies.

1969 kam dann das erste eigene Pferd in die Familie, ein bis Grand Prix ausgebildeter Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule, Neapolitano Caprice. Der Hengst war ein großartiger Lehrmeister und ermöglichte Gerda Rankl und Sohn Peter den Einstieg in den Dressurreitsport. Unterricht erhielten beide von wahren Könnern ihres Fachs, von Kurt Albrecht und Georg Wahl. Gerda Rankl erreichte schließlich Grand-Prix-Reife. Auf Anregung von Kurt Albrecht schlug sie die Richeterlaufbahn ein, erst auf nationaler, 1977 auch auf internationaler Ebene.

Der nächste "Karriereschritt" folgte 1980: Am 15. September wurde Gerda Rankl mit Beschluss des Präsidiums des Bundesfachverbandes zur Dressurreferentin gewählt. Damit war sie die erste Frau, die einem Hauptreferat vorstand.

Ihr Führungsstil im Dressurreferat war von absoluter Korrektheit und einem harmonischen Ausgleich geprägt. Ihre Entscheidungen waren stets nachvollziehbar, für jeden Pferdesportler und jede Pferdesportlerin hatte sie ein offenes Ohr. Auf diese Weise gelang Gerda Rankl das Kunststück, aus Individualisten im Reitsport ein Team zu formen, das einander hilft, stützt und respektiert.

Unter diesen Voraussetzungen ließen die ersten großen Erfolge nicht lange auf sich warten. Den ersten Höhepunkt ihrer Referentinnentätigkeit erlebte Gerda Rank 1984. Ihre Schützlinge Elisabeth Max-Theurer, Peter Ebinger und Christa Winkl erreichten beim CHIO in Aachen den viel beachteten vierten Rang und qualifizierten sich so für die Olympischen Spiele in Los Angeles. Dort holte das junge Team schließlich unter zwölf Nationen den neunten Platz, Sissy Max-Theurer ritt zudem in der Einzelwertung auf Platz 11. 1992 gab es ein weiteres Spitzenergebnis bei Olympischen Spielen. Elisabeth Max-Theurer ritt in Barcelona auf Platz acht.

Im Jänner 2005, mit 75 Jahren, legte Gerda Rankl nach 25 Jahren im Dienste des österreichischen Dressursports schließlich ihr Amt zurück, nachdem sie noch ein zweites Mal ein Team zu Olympischen Spielen, den Sommerspielen in Athen 2004, begleitet hatte. „Einen schöneren Abschluss meiner Tätigkeit als das heurige Jahr kann ich mir nicht wünschen“, meinte sie damals. Die Mannschaft hatte den achten Platz erreicht, im Team war neben Nina Stadlinger, Peter Gmoser und Fritz Gaulhofer auch die jüngste Teilnehmerin in der Dressur bei Olympischen Spielen, die damals 18-jährige Victoria Max-Theurer, die das beste österreichische Einzelergebnis erritt (20. Platz).

"Gerda war nicht nur eine Perle für den österreichischen Pferdesport, sondern vor allem ein kostbarer, unersetzlicher Mensch für alle die ihr nahestanden – ganz besonders natürlich für ihre Familie", meint OEPS-Vizepräsident Klaus Haim. "Sie wird immer in unseren Herzen bleiben und uns weiterhin begleiten."

em/ps
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