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25.04.2018

Hier können Sie punkten: Tipps und Tricks für ein paar Extrapunkte im Protokoll

Es gibt Dinge, auf die Richter besonderen Wert legen. Welche das sind, und wie man durch geschicktes Reiten noch das ein oder andere Pünktchen aus seiner Prüfung herausholen kann, verrät Dressurausbilderin und -richterin Dr. Britta Schöffmann.

Die Grußaufstellung ist die Visitenkarte eines jeden Reiters. © Fotoagentur Dill
Die Grußaufstellung ist die Visitenkarte eines jeden Reiters.
© Fotoagentur Dill

Einreiten und Grußaufstellung

Die Grußaufstellung wird auch oft als Visitenkarte des Reiters bezeichnet. Sie bestimmt den ersten und den letzten Eindruck, den die Richter vom Reiter-Pferd- Paar haben. Eine gelungene erste Grußaufstellung stimmt die Jury bereits zum Start positiv auf den kommenden Ritt ein. Sitzt die Abschlussaufstellung, geht der Richter, vor allem beim gemeinsamen Richten, vielleicht ebenso etwas wohlwollend gestimmt in seine Notenfindung – vorausgesetzt, der Rest des Rittes war keine Katastrophe.

Was der Richter sehen will
  • Abwenden in sicherer Anlehnung (kein Engwerden, kein Abkippen)
  • eine schnurgerade (Mittel)-Linie
  • eine durchlässige Parade am vorgegebenen Punkt (umgehendes Halten, sichere Anlehnung)
  • geschlossenes, ruhiges Stehen
  • sichere Anlehnung während des Grußes
  • beim Beginn der Aufgabe sicheres, schnurgerades Anreiten/Antraben vom Fleck weg
  • nach dem Schlussgruß losgelassenes Anreiten, entspanntes Herandehnen des Pferdes an den langen Zügel

Tipps & Tricks

Es empfiehlt sich, die Grußaufstellung zu Hause eingehend zu üben, dabei aber nicht immer an derselben Stelle anzuhalten, sonst stockt das Pferd schon in Erwartung der kommenden Parade. Wer noch Probleme hat, die Mittellinie immer sicher zu treffen, sollte besser etwas zu früh als zu spät abwenden. Beim „zu früh“ kann man den Bogen unauffällig größer reiten, bis man die Mittellinie erreicht hat, das fällt nicht weiter auf. Wendet man dagegen zu spät ab und reitet im Bogen über die Mittellinie hinaus, muss man korrigierend zurückreiten – und das gibt einen Abzug.

Bewährt hat sich, vor dem Abwenden A im Blick zu behalten und bereits mit dem Abwenden ganz konzentriert auf C zu fokussieren. Das hilft, auf der Linie zu bleiben. Wer trotzdem ein leichtes Schwanken spürt, sollte nicht gegenlenken, denn das führt zu noch mehr Schwanken! Dafür kann der Gedanke helfen, minimal zulegen zu wollen.

Im Stehen selbst sollte man nicht in Versuchung geraten, großartig korrigieren zu wollen, damit verschlimmbessert man die Situation meist. Wer beim Grüßen die Zügelhand gegebenenfalls auf dem Widerrist fixiert, kann damit kleine Anlehnungsprobleme kaschieren. Will das Pferd beim Zügelaufnehmen schon antreten, hat es sich bewährt, flugs loszureiten. Eine Korrektur würde hier nur zu Unruhe führen
Wer Verstärkungen geschickt vorbereitet, kann auch ein begrenztes Gangvermögen nach mehr aussehen lassen. © Fotoagentur Dill
Wer Verstärkungen geschickt vorbereitet, kann auch ein begrenztes Gangvermögen nach mehr aussehen lassen.
© Fotoagentur Dill

Verstärkungen

Glücklich, wer ein Pferd mit guten Grundgangarten hat, damit fallen Verstärkungen per se schon etwas leichter. Aber auch bei Pferden mit etwas knappem Schritt, Trab oder Galopp lässt sich möglicherweise noch der eine oder andere Extrapunkt herausholen. Der Trick dabei ist, die Übergänge besonders deutlich zu markieren.

Was der Richter sehen will
  • Einhalten der geforderten Linie, Durchhalten von Punkt zu Punkt
  • Erhalt des Taktes und Gleichmaßes in der Verstärkung
  • mehr Raumgriff, mehr Übertritt bzw. Schub statt eiliger Schritte, Tritte oder Sprünge
  • eine deutlich erkennbare Erweiterung des Rahmens bei sicherer Anlehnung
  • deutlich erkennbare Übergänge in die Verstärkung hinein und auch bei der Rücknahme

Tipps & Tricks

Ohne halbe Paraden geht nichts, auch keine Verstärkung. Die Vorbereitung auf Letztere geschieht spätestens beim Durchreiten der Ecke. Je mehr sich das Pferd hier aufnehmen, also innerhalb der Gangart parieren lässt, desto mehr kann es sich aus der dabei entstehenden Winkelung der Hanken in die Verstärkung abdrücken und Schub und Raumgriff entwickeln. Macht ihm dabei seine Anatomie mit steiler Schulter und steiler Hinterhand einen Strich durch die Rechnung, kann der Reiter versuchen, das Ganze zumindest optisch nach mehr aussehen zu lassen.

Den Übergang vom Mittelschritt in den starken Schritt leitet man dann zum Beispiel ein, indem man am vorgegebenen Punkt unauffällig pariert und dann – soweit es das natürliche Gangmaß erlaubt – wieder deutlich nach vorn reitet.

Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch die Rücknahme: Der starke Schritt wird am Punkt sehr bewusst und auch sichtbar pariert – und dann das Pferd wieder vorgelassen. Beides lässt den Schritt selbst besser aussehen als er ist und gaukelt auch den Tempounterschied vor.

Dieses kleine Täuschungsmanöver klappt zwar nicht immer, aber einen Versuch ist es wert. Auch der Mitteltrab eines Pferdes mit begrenztem Gangpotenzial lässt sich optisch aufpeppen, wenn der Reiter das Pferd vorher etwas mehr als normal zurücknimmt, dann die Verstärkung reitet und es am Punkt wieder ganz bewusst und deutlich zurücknimmt. Auf diese Weise gewinnt das, was dazwischen liegt, ganz automatisch.
Im Mittelschritt soll das Pferd in leichter Dehnung an die Reiterhand herantreten. © Fotoagentur Dill
Im Mittelschritt soll das Pferd in leichter Dehnung an die Reiterhand herantreten.
© Fotoagentur Dill

Halten und Schritt

Unbeweglichkeit ist ein Kriterium guten Haltens. Manche Pferde neigen aber zur Ungeduld und bleiben nicht gern stehen. Und auch beim Schrittreiten während der Aufgabe zeigen manche Pferde Übereifer, werden eilig oder wollen anzackeln – alles Dinge, die sich in der Benotung negativ auswirken.

Was der Richter sehen will
  • Halten möglichst geschlossen
  • das Gewicht gleichmäßig auf alle vier Beine verteilt
  • sichere Anlehnung, kein Kopfschlagen oder Herumhampeln
  • (Mittel-)Schritt taktsicher, losgelassen, raumgreifend mit erkennbarem Übertritt und entsprechend fallengelassenem Hals in leichter Dehnung an die Reiterhand heran

Tipps & Tricks

Sowohl im Halten als auch im Schritt (bei anderen Gangarten eher schwierig durchzuführen) kann es helfen, dem Pferd mit einer Hand unauffällig Hals und Widerrist zu kraulen und zu kratzen. Diese Aktion kommt dem Fellkraulen nahe und führt bei vielen Pferden zur Entspannung.
Uta Gräf und Damon Jerome zeigen ein vorbildliches Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen. © Barbara Schnell
Uta Gräf und Damon Jerome zeigen ein vorbildliches Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen.
© Barbara Schnell

Zügel aus der Hand kauen lassen

Diese Lektion überprüft die Losgelassenheit und auch die Dehnungsbereitschaft, die Rückentätigkeit und die vorherige Anlehnung des Pferdes. Und gerade auf dem Turnier kann es hier schon mal zu kleinen Problemen kommen.

Was der Richter sehen will
  • ein Pferd, das sich bei gleichbleibendem Takt und Rhythmus im Arbeitstempo vertrauensvoll an die länger werdenden Zügel herandehnt und sich auch ohne Widerstand beim Verkürzen der Zügel wieder an die Hilfen stellen lässt

Tipps & Tricks

Zu Hause klappt es vielleicht schon ganz gut, aber in der ungewohnten Umgebung eines Turnierplatzes lässt sich so manches Pferd ablenken. Viele Reiter deuten das Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen deshalb nur an, was die Richter im Protokoll prompt kritisieren. Damit es gar nicht erst soweit kommt, kann es bisweilen helfen, dem Pferd mit ein wenig mehr Innenstellung als üblich den Weg in die Tiefe schmackhaft zu machen. Und beim Zügel-Aufnehmen am besten einen Moment wählen, in dem man die Richter im Rücken hat. Kleine Unsicherheiten werden dann nicht gesehen.
Ganz gleich, wie viel man in der Prüfung durch kleine Tricks und geschicktes Reiten noch herausholen kann: zu Hause ist Trickserei absolut fehl am Platz! Hier gilt es stattdessen, konsequent an der grundsätzlichen Verbesserung von Durchlässigkeit und Lektionen zu arbeiten. Wenn diese Dinge sicher sitzen, klappt’s auch mit den guten Noten auf dem Turnier.

Dr. Britta Schöffmann
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