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23.04.2018

Wunderhengst der Eisenzeit Urvater fast aller heutigen Hengste

Weltweit gibt es gegenwärtig etwa 60 Millionen Pferde, 12 Millionen davon sind Hengste. Und fast alle von ihnen gehen auf ein und denselben Vererber zurück: einen Urhengst, der während der Eisenzeit lebte und der Zucht nachhaltig seinen Stempel aufdrückte.

Die Römer stellten bei der Pferdezucht erstmals die Hengste in den Fokus. © www.slawik.com
Die Römer stellten bei der Pferdezucht erstmals die Hengste in den Fokus - eine Strategieänderung die dazu führte, dass das Y-Chromosom der Hauspferde einen Großteil seiner genetischen Variabilität verlor.
© www.slawik.com
Ein internationales Wissenschaftsteam unter Leitung des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung und der Universität Potsdam untersuchte die Domestikation des Pferdes aus Sicht der Hengste. Bereits bekannt war, dass es viele Stutenlinien, aber nur sehr wenige Hengstlinien in den modernen Pferden gibt, obgleich kürzlich gezeigt wurde, dass die Y-chromosomale Diversität bei Hauspferden bis zur Eisenzeit deutlich höher war. Bisher war unklar, wann und warum alle Hengstlinien bis auf eine verschwanden.

Die jetzt vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass das Verschwinden der meisten Hengstlinien auf künstliche Selektion zurückzuführen ist - zunächst in der Eisenzeit durch Nomaden der Eurasischen Steppe und später aufgrund der straff organisierten Tierzucht im Römischen Reich.

Die aktuelle Studie zeigt, dass die Hengstlinien von Przewalski- und Hauspferd zumindest bis zum Beginn des Mittelalters (6. bis 7. Jahrhundert) parallel existierten, was in Übereinstimmung mit den Erkenntnissen steht, die zeigen, dass zuerst das Przewalskipferd und später die Ahnen unserer modernen Hauspferde in den Haustierstand überführt wurden.

Gezielte Züchtung

Schon bei Beginn der Domestikation setzten Pferdehalter auf gezielte Züchtung. Allerdings stand bis um 1.000 v. Chr. die Zucht der Stuten im Vordergrund. In der Eisenzeit wurden Europa und angrenzende Gebiete in Asien und Nordafrika vom Römischen Reich regiert. Die Römer änderten die Zucht von Nutztieren grundlegend, indem sie die Zucht auf männliche Tiere fokussierten. Schließlich lassen sich Zuchtziele wesentlich leichter und schneller durch einen gezielten Einsatz individuell ausgesuchter Hengste erreichen, zumal Stuten durch die lange Tragezeit in der Zahl ihrer Nachkommen stark limitiert sind. Ein Hengst kann dagegen viele Nachkommen in relativ kurzer Zeit zeugen.

Dieses geänderte Vorgehen führte dazu, dass sich mit der Zeit eine einzige Hengstlinie durchsetzte – und zwar jene, die noch bis heute noch Bestand hat . Gleichzeitig verlor das Y-Chromosom der Hauspferde einen Großteil seiner genetischen Variabilität.

Die Studie "Decline of genetic diversity in ancient domestic stallions in Europe" von Wutke S, Sandoval-Castellanos E, Benecke N, Döhle HJ, Friederich S, Gonzalez J, Hofreiter M, Lõugas L, Magnell O, Malaspinas AS, Morales-Muniz A, Orlando L, Reissmann M, Trinks A, Ludwig A wurde in Science Advances veröffentlicht.

PM/ps
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