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04.06.2018

Wie zuverlässig sind Kotprobenergebnisse?

Immer häufiger wird das Entwurmen von dem Ergebnis einer vorangegangenen Kotprobe abhängig gemacht. Doch wie sicher sind die Ergebnisse einer solchen Untersuchung eigentlich?

Ein einzelnes Kotuntersuchungsergebnis ist mit Vorsicht zu interpretieren. © www.slawik.com
Ein einzelnes Kotuntersuchungsergebnis ist mit Vorsicht zu interpretieren.
© www.slawik.com
Kotuntersuchungen sind ein wichtiges Hilfsmittel, um sich eine Orientierung über den Parasitenbefall eines Pferdes zu beschaffen. Doch die Aussagekraft dieses diagnostischen Verfahrens hat auch ihre Grenzen, wie der deutsche Bundesverband für Tiergesundheit jüngst in seiner Aussendung zum Thema Entwurmung beim Pferd klarstellte.

Zum einen liegt dies in der Biologie der Parasiten begründet. Wurmeier werden von den weiblichen Würmern nicht permanent, sondern schubweise und unregelmäßig ausgeschieden. Zudem werden nicht alle Entwicklungsstadien erfasst. Beides hat zur Folge, dass Pferde trotz geringer Zahlen von Parasiteneiern im Kot hochgradig verwurmt sein können. Ein einzelnes Kotuntersuchungsergebnis ist daher mit Vorsicht zu interpretieren.

Bessere Ergebnisse liefern lt. BfT Sammelkotproben von mehreren Tagen. Aber auch durch wiederholte Kotuntersuchungen steigt die Aussagekraft der Ergebnisse. Die Tendenz, mehr oder weniger Eier auszuscheiden, ist möglicherweise von Pferd zu Pferd verschieden. Nach neueren Untersuchungen zu kleinen Strongyliden scheint dies eine tiertypische individuelle Eigenschaft zu sein, die über viele Jahre und oftmals lebenslang konstant bleibt.

Welche Informationen liefern Kotuntersuchungen?

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Typen der Kotuntersuchung.

Qualitative Untersuchung
Sie gibt Hinweise darauf, ob und in welchem Grad (gering-, mittel- oder hochgradig) ein Pferd von bestimmten Parasiten befallen ist. Einschränkend gilt, dass ein evt. Wurmbefall bei frühen Entwicklungsstadien oder auch bei intermittierender (d.h. nicht kontinuierlicher) Eiausscheidung nicht erfasst wird. Man spricht dann von einem falsch-negativen Ergebnis.

Semi-quantitative Kotuntersuchung
Hierbei wird die Zahl der Eier pro Gramm Kot (abgekürzt: EpG) ermittelt. Dadurch entsteht ein exakter Wert, der bei späteren Untersuchungen mit früheren Werten verglichen werden kann. In der Regel gelten 200 Eier pro Gramm Kot (abgekürzt: 200 EpG) als Grenzwert dafür, dass ein Pferd entwurmt werden muss. Stark verwurmte Pferde haben mitunter 800, 1.200 oder noch mehr Eier pro Gramm Kot. Eine Entwurmung ist dann ganz dringend erforderlich. Wichtig zu beachten: Der Grenzwert von 200 EpG gilt nur für kleine Strongyliden und auch nur für erwachsene Pferde. Bei Spulwürmern muss auch bei geringen Nachweisraten entwurmt werden. Im Falle eines Nachweises von Bandwürmern wird die Behandlung des gesamten Bestandes empfohlen.
Im Zweifelsfall rät der BfT lieber einmal mehr als einmal zu wenig zu entwurmen. Denn Entwurmungspräparate gelten im Allgemeinen als sehr sicher in der Anwendung. Als ärztliches Arzneimittel, das einem behördlichen Zulassungsprozess unterliegt und exakt nach Vorgabe verabreicht werden muss, liegt für jedes Produkte Sicherheitsstudien vor, mit denen die Verträglichkeit belegt ist.

Nichts desto trotz können in seltenen Fällen individuelle Überempfindlichkeitsreaktionen entstehen, eine – wenn auch geringe Gefahr – birgt jede Medikamentengabe. Solche Reaktionen sollte man dem Tierarzt mitteilen.  

Negativ kann aber auch eine mangelhafte Parasitenprophylaxe sein. Werden hochgradig verwurmte Pferde - womöglich nach langer Zeit wieder - behandelt, sterben plötzlich große Mengen an Würmern zeitgleich ab. Dadurch können vergiftungsartige Magen-Darm-Symptome mit starken Koliken auftreten. Auch deshalb ist rechtzeitiges und auf den Bedarf abgestimmtes Entwurmen wichtig.
In der Praxis kommt häufig nicht ausreichend Wurmpaste ins Pferd. Das hat nicht nur negative folgen für das betroffene Tier, sondern trägt auch maßgeblich zur Entstehung von Resistenzen bei. © www.slawik.com
In der Praxis kommt häufig nicht ausreichend Wurmpaste ins Pferd. Das hat nicht nur negative folgen für das betroffene Tier, sondern trägt auch maßgeblich zur Entstehung von Resistenzen bei.
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Resistenzen vermeiden

Wenn Pferdehalter den Verdacht haben, ein Entwurmungspräparat habe bei ihren Pferden nicht oder nicht vollständig gewirkt, vermuten sie schnell eine Resistenzsituation. Oft liege der Fehler aber in einer nicht ausreichenden Dosierung des Medikaments, so der BfT. 

Die Praxis zeigt, dass das Gewicht der Pferde oftmals unterschätzt wird. Warmblüter zum Beispiel wiegen nach den eindeutigen Ergebnissen der Betreiber mobiler Pferdewaagen in der Mehrzahl 600 bis 700 Kilogramm, viele Norweger und Haflinger bringen es auf fast 500 Kilo, und sogar die kleinen Islandpferde liegen oft bei einem Gewicht von 350 bis 400 Kilogramm. Häufiger Fehler: Das Pferd spuckt - manchmal unbemerkt – einen Teil der Paste wieder aus. Dann muss unbedingt noch etwas Paste nachgegeben werden. Wer zu niedrig dosiert riskiert nämlich nicht nur, dass die Würmer im Organismus des betroffenen Pferdes nicht ausreichend abgetötet werden. Erwiesenermaßen liegt in der Unterdosierung von Anthelminthika auch das Hauptrisiko für die Entwicklung von Resistenzen.

BfT/ps
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