|
|
Home Meldungen Sauberer Pferdesport
 Kaderreiter mit Auflagen: L. Beerbaum DOSB-Kommission Reiten legt Abschlussbericht vor: „Im
deutschen Pferdesport gibt es keinen Flächenbrand, sondern nur einzelne
Brandherde." So lautete eine der Kernaussagen einer unabhängigen
Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), die in den
letzten Monaten Reiter und Funktionäre hinsichtlich ihrer Einstellung
und ihres Verhaltens befragt und die Situation im Spitzensport
analysiert hat. Grund waren die Manipulationsvorwürfe im
Pferdespitzensport seit den Olympischen Spielen in Hongkong. Heute
stellte die Kommission ihren Abschlussbericht im Rahmen einer
Pressekonferenz in Warendorf vor.
Der Vorsitzende der DOSB-Kommission, Professor Dr. em. Udo Steiner,
begrüßte die bereits von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN)
bei ihrer Präsidiumssitzung am 2. September definierten Maßnahmen für
einen sauberen Sport. Dabei betonte er, dass der deutsche Reitsport im
Kaderbereich nicht strukturell unredlich sei. Deshalb empfahl die
Kommission in vier Fällen - Ludger Beerbaum (Riesenbeck), Marco
Kutscher (Riesenbeck), Daniel Deußer (Valkenswaard/NED) und Rene Tebbel
(Emsbüren) - die Aufnahme der angehörten Personen in einen Kader mit
Auflagen.
Im Fall Isabell Werth empfahl die Kommssion eine einjährige Kadersperre
beginnend ab ihrer Suspendierung am 23. Juni 2009. In der Begründung
heißt es: „Für die Kommission war dabei ausschlaggebend, dass das Pferd
von Frau Werth gedopt wurde, und dies mit einem Mittel, dessen
Anwendung nach medizinischer Einschätzung des FEI-Tribunals für das
Pferd mit gesundheitlichen Gefahren verbunden war. Die Empfehlung steht
unter dem Vorbehalt, dass die Entscheidung des Tribunals der FEI
bestandskräftig wird." FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach
kommentierte die Empfehlung wie folgt: „Wir haben gesagt, dass wir die
Kaderempfehlung der Kommission beherzigen werden. Und das tun wir jetzt
auch."
Die bereits vom FN-Präsidium definierten Maßnahmen wie
· Einführung eines Anti-Doping-Codes-Pferd basierend auf dem
NADA-Rechtssystem
· Verschärfung des Strafrahmens bei Dopingverstößen
· Verschärfung der Kader- und Championatsbestimmungen
· Einführung einer Schiedsvereinbarung für Spitzenreiter
· Unterwerfung der Tierärzte unter Regelwerk und Rechtssystem
· Automatische Sperre von Pferden bei Dopingverstößen
· Einführung von Trainingskontrollen für Kaderpferde
· Einführung eines Stallbuches für Kaderpferde
· Verbesserung nationaler Wettkampfkontrollen durch Schaffung von
Kontrollteams
· Erhöhung der Zahl nationaler Wettkampfkontrollen
· Ausbau des Schulungsprogramms zur Dopingprävention
· Änderung der Zuständigkeit bei Kaderausschluss aus
nichtsportlichen
Gründen: bisher DOKR-Disziplinausschuss, zukünftig
DOKR-Vorstand
ergänzte die Kommission vor allem um folgende Punkte:
· Grundsätzlicher Erhalt der Null-Toleranz-Lösung, das heißt, im Wettkampf
muss das Pferd frei von Substanzen sein.
· Einführung von Wirksamkeitsgrenzen für ausgesuchte Substanzen.
Dies ist
mit einem hohen Forschungsaufwand verbunden und deshalb nur
schrittweise umzusetzen.
· Möglichkeit zur Durchführung von turniernahen Schnelltests aufzulistende
Stoffe in akkreditierten und zertifizierten
Analyselaboratorien.
· Einführung einer FN-Abteilung „Sicherheit und Ordnung", die neben
den
Trainingskontrollen auch die gesamte Ermittlungstätigkeit im
Doping-,
Manipulations- und Ordnungsbereich übernehmen soll.
FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau begrüßte, dass die eingeleiteten
Maßnahmen des Verbandes und die Empfehlungen der DOSB-Kommission
weitgehend übereinstimmen: „Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg
sind." Zu den zusätzlichen Empfehlungen sagte er: „Die vorgeschlagene
Null-Tolleranz-Lösung kommt unserer Vorstellung von gesunden und
unmanipulierten Pferden im Wettkampf entgegen. Nichtsdestotrotz ist
unser Ziel eine Harmonisierung des nationalen und internationalen
Regelwerks, aber nicht um jeden Preis." Die FN wird daher zunächst die
Vorschläge zum FEI-Regelwerk abwarten, bevor das eigene Regelwerk für
2010 endgültig verabschiedet wird. „Natürlich bieten wir der FEI
weiterhin unsere volle Unterstützung bei der Erarbeitung der neuen
Regeln an", so Soenke Lauterbach.
„Die Empfehlung zur Einführung einer FN-Abteilung ‚Sicherheit und
Ordnung' und die damit verbundenen strukturellen Änderungen bedürfen
noch einer intensiven Beratung und Abstimmung innerhalb des
Gesamtverbandes", kennzeichnete der FN-Präsident das weitere Vorgehen.
(FN Press 20 vom 22. September)
|
|
|
|
Aktuelles Heft |
|
|
Pferdesport- & -zuchtverbände |
|
|
|