HUFE GESUNDREITEN

Der Reiter formt den Huf

Ein Artikel von Pamela Sladky | 02.05.2022 - 12:50
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Wie, wieviel und wo man reitet, beeinflusst die Hufgesundheit maßgeblich. © www.slawik.com

Gutes Reiten ist schön. Schön für das Auge des Betrachters, schön vor allem aber auch für das Pferd. Unter einem guten, einfühlsamen Reiter wird es beweglicher, stärker, bildet eine harmonische Bemuskelung aus und kann sein Gangpotenzial seinen natürlichen Veranlagungen entsprechend entfalten. Mental sorgt gutes Reiten für ausgeglichene Pferde, die sich ihres Körpers und ihrer Bewegungen bewusst sind und in der Zusammenarbeit mit dem Menschen zufrieden, freudig und selbstbewusst auftreten.

Dass eine gelungene Arbeit unter dem Sattel auch positive Auswirkungen auf die Hufgesundheit hat, ist hingegen nur wenigen Pferdebesitzer:innen bekannt. Dabei hat die Art und Weise, wie sich ein Pferd bewegt – und damit natürlich auch, wie es geritten wird – maßgeblichen Einfluss auf seine Hufe. Das hat Burkhard Rau, Autor des viel beachteten Buches „Hufe gesund reiten“, schon früh gelernt. Das erste Mal richtig bewusst wurde dem gelernten Hufbeschlagsmeister und -orthopäden die unvermeidliche Wechselwirkung zwischen Bewegungsqualität und Hufgesundheit bereits in seiner Jugend.

Ein Freund hatte sich ein Pferd gekauft, ein Warmblut, zwölfjährig, geritten, brav. Ein Kopper, aber sonst gesund mit unauffälligem Körperbau und ebensolchen Hufen. Nur wenige Monate nach seiner Anschaffung bot sich dem jungen Burkhard Rau bei einem Besuch seines Freundes ein überraschendes und leider sehr unerfreuliches Bild: Nicht nur das Verhalten und der körperliche Zustand des Wallachs hatten sich deutlich verschlechtert, auch dessen Vorderhufe waren kaum wiederzuerkennen. Der eine war spitz zulaufend und schnabelförmig gewachsen, der andere in Form eines Bockhufes. Während sein Freund vermutete, dass er vom Pferdehändler tüchtig übers Ohr gehauen worden war, ahnte Rau bereits, wo die Wurzel des Übels zu suchen war. Als Folge einer Polioerkrankung (Kinderlähmung) hatte sein Freund eine leichte körperliche Beeinträchtigung. Auf dem Pferderücken machte sich diese durch eine ausgeprägte Schiefe im Sattel bemerkbar, die sich zunehmend auf das Pferd übertrug – auf dessen Bewegungen, sein Verhalten und schließlich auch auf das Hufwachstum.
 

Der Huf als Zeigeorgan

Aus der Art, wie Hufe geformt sind, wie sie sich verändern, ließe sich viel über den Zustand des Pferdes herauslesen, meint Burkhard Rau. Er bezeichnet die Horngebilde deshalb gerne als Zeigeorgan. „Man kann an Veränderungen der Hufe ganz schnell sehen, wenn im System irgendetwas nicht funktioniert.“ Ist ein Huf krumm und schief, liegt das ursächliche Problem dafür oft an ganz anderer Stelle. Und häufig am Reiter selbst. „Früher gab es ganz viele Dinge, wo ich in der Hufbearbeitung an Grenzen gestoßen bin. Auf der Suche nach Lösungen habe ich viele Dinge ausprobiert. Ich habe mir die Haltung angesehen, die Fütterung, das Equipment und irgendwann auch den Reiter selbst und wie er das Pferd bewegt. In ganz vielen Fällen bin ich bei den letzten beiden Punkten hängengeblieben.“

Dabei stehen drei Problemfaktoren im Vordergrund:

  • die Schiefe von Pferd und/oder Reiter:in
  • falsches Reiten und
  • Müßiggang.

Wie diese Punkte Pferdehufe negativ beeinflussen können und wie Reiter:innen ihren Pferden durch das richtige Training zu besseren Hufen verhelfen können, lesen Sie in der Maiausgabe der Pferderevue.

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