Tierschutz

Schweizer machen lockere Nasenriemen auf Turnieren ab 2020 zur Pflicht

Ein Artikel von Pamela Sladky | 18.12.2018 - 10:59
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Viel zu eng: Bilder wie diese sollen dank der Neuregelung auf Schweizer Turnieren ab 2020 nicht mehr zu sehen sein.  

Ab Jänner 2020 müssen Nasenriemen auf Schweizer Turnieren mindestens zwei Zentimeter Abstand zur Pferdenase haben. Das entspricht einem Abstand von etwa eineinhalb Fingern – je nach Größe der Hand und Stärke der Finger – und gewährt den Pferden im internationalen Reglementsvergleich bislang den großzügigsten Freiraum. Überprüft werden soll dieser Mindestabstand künftig mithilfe eines speziellen Messgerätes, das Reglement gilt ab 2020 für alle Disziplinen.

Bis zu diesem Zeitpunkt soll für die unterschiedlichen Sparten auch eine alters- und stufengerechte Liste der bewilligten Gebisse erarbeitet und eingeführt werden. Davon abgesehen will sich der SVPS in Zukunft verstärkt im Bereich der Forschung engagieren, insbesondere im Zusammenhang mit der Verwendung von Zäumungen und Gebissen in der Schweiz und deren Auswirkungen auf die Pferde. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen unter anderem dazu genutzt werden um Prüfungsmethoden für neue Zäumungen und Gebissen zu entwickeln.
 

Beispiel Dänemark

Mit diesen Maßnahmen folgt die Schweiz dem Beispiel Dänemarks. Dort ist seit 1. Jänner 2018 ein Abstand von 1,5 cm zwischen Nasenrücken und Lederzeug auf Turnieren vorgeschrieben. Beide Verbände stützen sich bei ihren Maßnahmen auf die Forschungsergebnisse einer Studie von Mette Uldahl. Gemeinsam mit ihrem Team untersuchte die dänische FEI-Tierärztin über 3000 bewerbsmäßig vorgestellte Pferden auf Verletzungen im Maulbereich. Dabei zeigte sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Enge des Nasenriemens und Wunden in der Maulhöhle des Pferdes. Je enger das Pferdemaul zugeschnürt war, desto häufiger und mehr Läsionen fand man darin, wobei Dressurpferde am öftesten betroffen waren. Auch das Niveau, auf dem geritten wurde machte einen Unterschied: bei Pferden höherer Klassen fand das Forscherteam deutlich mehr Verletzungen im Maul als bei jenen, die in niedrigeren Klassen vorgestellt wurden. 

Die Idee, eine Regelung zur Lockerung des Nasenriemens einzuführen, traf in Dänemark auf gemischte Reaktionen. Während sie bei Amateurreiten mehrheitlich auf große Zustimmung stieß, reagierten Profireiter aus dem Spitzensport mit Protesten. Das berichtete Studienleiterin und FEI-Tierärztin Mette Uldahl im Rahmen eines SVPS Themennachmittages mit namhaften Experten. Die 1,5 cm seien deshalb eine Kompromisslösung, ein zögerlicher erster Schritt in der Hoffnung, zu einem späteren Zeitpunk eine weitere Lockerung des Nasenbandes fordern zu können.

Trotz dieser Minimalvariante seien positive Auswirkungen bereits jetzt zu erkennen: „Auf den Abreiteplätzen sind schon deutliche Verbesserungen sichtbar. Die Ponys und Pferde gehen sichtbar losgelassener“, bestätigte Uldahl.