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Soring: Repräsentantenhaus stimmt mit überwältigender Mehrheit gegen Pferde-Tortur

Ein Artikel von Pamela Sladky | 31.07.2019 - 13:54
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Der Big Lick  - das hohe und weite Ausgreifen der Vorhand des Pferdes - gilt als Schönheitsideal bei Tennessee Walking Horses und sorgt bei Shows für gute Bewertungen und begeisterte Fans.  

Tennessee Walking Horses sind in den USA beliebte Showpferde. Ihre „Spezialität“ ist der sogenannte Big Lick, eine weit ausholende, exaltierte Aktion der Vorhand. Was amerikanische Fans zu Begeisterungsstürmen hinreißt, trifft außerhalb der USA weitläufig auf Unverständnis. Die übertriebenen Bewegungen wirken unnatürlich, konstruiert und entartet. Dass von Menschenhand extra nachgeholfen werden muss, um Pferden einen derartigen Bewegungslauf abzufordern, ist wenig überraschend. Tatsächlich wird im Training tief in die Trickkiste gegriffen, damit das Strampeln möglichst spektakuläre Ausmaße annimmt. Und vielfach sind die Methoden der Trainer hochgradig tierquälerisch.

So werden etwa Pferdebeine und –hufe durch mechanische und chemische Anwendungen bewusst bis aufs Äußerste schmerzlich gereizt, mit dem Ziel, noch übertriebenere Bewegungen zu erzwingen. Horse-Soring heißt diese Art der missbräuchlichen Manipulation, die seit Jahren scharf kritisiert wird und die Pferde nach jahrelanger Tortur häufig als Krüppel zurücklässt.

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Monströse, keilförmigen Holzplatten an den Pferdehufen gehören ebenso wie Metallketten an den Fesseln weithin zur Standardausrüstung von Tennessee Walking Horses, die auf Shows vorgestellt werden. Utensilien wie diese sollen bewirken, dass die Pferde ihre Vorderbeine noch höher werfen.   © APHIS/Todd Behre

Leiden für ein Schönheitsideal

Dr. John Haffner war als Tierarzt jahrzehntelang Teil der Tennesse Walking Horse Szene. Als er während seiner Tätigkeit immer wieder Zeuge der missbräuchlichen Methoden wurde, kehrte er dem Sport den Rücken. Heute widmet er sich dem öffentlichen Kampf gegen Soring. Für Haffner ist klar, dass hinter dem Big Lick immer schmerzhafte Manipulation steckt. „Es ist eine Tatsache, dass der Big Lick nur durch Wunden erreicht werden kann. Wenn eine Wundbehandlung erkennbar wird, wendet man einfach eine andere an. Der Big Lick ist eine gelernte Reaktion auf Schmerzen. Ohne Schmerz lernt ein Pferd so etwas nicht.“

Zwar wurde Soring 1970 durch den sogenannten Horse Protection Act verboten, dennoch wird die hochgradig tierquälerischer mit grausamer Brutalität bis heute angewendet, wie verdeckte Ermittlungen der Humane Society of the United States (HSUS)  ergaben.

Doch nun scheint es, als stünde ein Durchbruch im Kampf gegen Horse Soring unmittelbar bevor. Am 24. Juli stimmte das US-Repräsentantenhaus dem vom US-amerikanischen Senator Joseph D. Tydings eingereichten (PAST) Act (H.R. 693) zu. Dieser soll die Lücken des Horse Protection Acts schließen. Horse Soring könnte damit schon bald endgültig der Vergangenheit angehören.

Wie Kitty Block, Präsidentin und Geschäftsführerin der Humane Society (HSUS) erklärt, soll der Gesetzesentwurf „das gescheiterte und von Konflikten geprägte System der Selbstkontrolle der Industrie beenden, indem es durch unabhängige Inspektoren ersetzt wird.“ Anders als bisher würden diese Inspektoren vom US-Landwirtschaftsministerium geschult, lizenziert und beauftragt – und müssten auch Rechenschaft vor der Behörde ablegen.

Der PAST-Act soll aber nicht nur das fehlgeschlagene Kontrollsystem auf den rechten Weg bringen, auch sämtliche Hilfsmittel, die ein wesentlicher Bestandteil des Horse-Sorings sind, sollen mit dem neuen Gesetzesentwurf verboten, Strafen bei Verstößen verschärft und die Täter zur Verantwortung gezogen werden – Dinge, die in der Vergangenheit nur unzureichend umgesetzt wurden.

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Das natürliche Gangbild eines Tennessee Walking Horses.

„Wir freuen uns über diesen historischen Erfolg“, sagte Block über die große Zustimmung, die der PAST-Act im Repräsentantenhaus erzielen konnte. „Wir haben lange Zeit Anklage erhoben um das Leiden zu beenden, verdeckte Ermittlungen durchgeführt, versucht, das Problem in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und für mehr Unterstützung an allen Fronten gekämpft – und nun werden wir alles daransetzen gemeinsam mit Kongressabgeordneten und Koalitionspartnern diesen wichtigen Meilenstein für die Pferde zu erreichen. Wir werden zielstrebig voranschreiten, um die Verabschiedung des PAST-Gesetzes durch den Senat zu fordern. Die Tiere haben lange genug gelitten.“

Jetzt ist es am Senat, den PAST Act ebdgültig über die Ziellinie zu bringen.