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22.08.2012

Aus für LAG Austria

Der im Jahr 2006 gegründete Verein, der sich der artgerechten Haltung von Pferden verschrieben hatte, musste wegen völliger Überlastung seiner (zu) wenigen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen seine Auflösung bekanntgeben – ein schwerer Schlag für die artgerechte Haltung von Pferden in Österreich.

Victoria Maodus, Ernst Grabner und Eva Travnicek (v. l.) werfen nach Jahren  des vollen Einsatzes das Handtuch: zu viel Arbeit, zu wenig Unterstützung. © Rainer Thek
Victoria Maodus, Ernst Grabner und Eva Travnicek (v. l.) werfen nach Jahren des vollen Einsatzes das Handtuch: zu viel Arbeit, zu wenig Unterstützung.
© Rainer Thek
Die gute Nachricht zuerst: Immer mehr PferdestallbetreiberInnen in Österreich entscheiden sich für eine Gruppen- bzw. Laufstallhaltung, seit Jahren erhöhte sich die Zahl der Mitglieder und Mitgliedsbetriebe der LAG Austria kontinuierlich. Die schlechte Nachricht: Die damit verbundene Arbeit der LAG Austria – Beratung, Projektierung von Ställen, Begutachtung, Kontrolle, Öffentlichkeitsarbeit – nahm ebenso proportional zu. Was nicht zunahm, waren die Freiwilligen, die diese Arbeit schulterten. In den vergangenen zwei Jahren waren es im wesentlichen drei Idealisten – LAG-Obmann Ernst Grabner, Kassierin Victoria Maodus und Schriftführerin Eva Travnicek – die ihre gesamte Freizeit in das Projekt steckten. Bis sie nicht mehr konnten. Nach mehreren Hilferufen an die Mitglieder, die ohne Antwort blieben, hat die LAG Austria in ihrer letzten Generalversammlung im Juni die Auflösung des Vereins mit 31. Dezember 2012 beschlossen (mehr dazu hier).

Damit endet auch die Mitgliedschaft der österreichischen Vereinsmitglieder, diese können einen Mitgliedsantrag an die LAG Deutschland stellen (www.lag-online.de). Wenn keine Mitgliedschaft beim deutschen Schwesterverein geplant ist, müssen verliehene Stallplaketten bis zum 31. Jänner 2013 an die LG Austria retourniert werden, auch finden heuer keine Stallabnahmen mehr statt. Was diese Entscheidung, die den drei LAGlern sehr schwer gefallen ist, für die Pferdehaltung in Österreich bedeutet, haben wir mit Ernst Grabner besprochen.
Pferderevue: Die Auflösung des Vereins LAG Austria ist ein schwerer Schlag für die artgerechte Pferdehaltung in Österreich – wie kam es zu dieser drastischen Entscheidung?

Ernst Grabner: Wir haben diesen Schritt lange intern diskutiert und uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Es fehlt uns schlicht an Freiwilligen, die uns in unserer Arbeit unterstützen würden. Letztlich blieb alles an uns drei hängen – und irgendwann ist dann die Luft draußen. Wir haben ja alle drei einen Beruf, von dem wir leben, die LAG sollte ja ehrenamtlich geleitet und betreut werden.

Gerade in Österreich werden ja viele gesellschaftliche Funktionen und Leistungen von Freiwilligen getragen. Warum lassen sich die Menschen in diesem Bereich so wenig zur Mitarbeit motivieren?

Eine Teilerklärung ist vielleicht, dass viele, die am Anfang mitgezogen haben, mittlerweile selbst einen gut gefüllten Stall betreiben. Ich will das nicht verallgemeinern, aber es war doch relativ oft so, dass der eigene Stall die Hauptursache dafür war, mitzuarbeiten, um über die Funktionärstätigkeit bei der LAG den eigenen Stall zu füllen.

Möglicherweise werden neue Interessenten dann auch als Konkurrenten empfunden, denen man nicht helfen möchte, etwas aufzubauen.


Ganz richtig. Das war immer eine Gratwanderung, weil ich mit Nachdruck verfolgt habe, dass sich die Betriebe untereinander austauschen und die Kommunikation pflegen. Es besteht ein gewisser Trend von der klassischen Boxenhaltung hin zur Gruppenhaltung, und der Markt ist noch lange nicht gesättigt. Insofern ist Konkurrenzdenken hier fehl am Platz.

Wie viele Mitglieder hat die LAG Austria zur Zeit?


Mit der Nachricht von der Auflösung sind natürlich etliche ausgetreten, aber wir hatten zuletzt an die 120 Mitglieder und etwas über 30 LAG-Ställe.

Wie lange hat es die LAG gegeben?

Die LG Austria als Schwesterverein der deutschen LAG haben wir 2006 gegründet. Wir haben die österreichische Sektion mit sechs oder sieben Betrieben und 20 Mitgliedern übernommen. Und als die Zahl der Mitglieder und der Mitgliedsställe anstieg, hat auch die Arbeit zugenommen. Der Trend zur Gruppenhaltung ist unübersehbar, dadurch steigt auch der Bedarf an Beratung und Rohplanung – und das war nicht mehr zu bewältigen. Auch die Stallabnahmen und -kontrollen sind sehr zeitaufwendig, Wir mussten laufend Interessenten vertrösten, weil wir nur begrenzt Zeit zur Verfügung haben, und dadurch wuchs der Unmut bei neuen Mitgliedern und neue Ställen. Wenn man ein halbes oder dreiviertel Jahr auf die Abnahme warten muss, ist das auch verständlich.

Sie werden mit Ende des Jahres den Verein auflösen, und die Mitglieder können sich an den deutschen Verband wenden, wobei Sie anmerken, dass der dieselben Probleme hat. Ist zu befürchten, dass die deutsche LAG ebenfalls ihre Arbeit einstellt?


Ich hoffe nicht, sie haben natürlich mehr Mitgliedsbetriebe und im Verhältnis zu Österreich noch weniger Inspekteure, da kann es natürlich auch zu Wartezeiten kommen wie bei uns.

Was bedeutet es für die Laufstallhaltung in Österreich, wenn die LAG Austria nicht mehr existiert?

Ich denke, der Trend wird auf jeden Fall weiter bestehen. Was fehlen wird, ist eine objektive, neutrale Beratung. Die LAG fungierte vor allem auch als Bindeglied zwischen dem Stallbetreiber und der Wirtschaft, der Stallbauindustrie. Die Firmen Schauer, Mapletec oder HIT haben einen sehr guten Planungsapparat, aber natürlich immer auch das Interesse, die eigenen Produkte zu verkaufen und planen diese dementsprechend ein. Was nicht schlecht sein muss, aber nicht immer im Interesse des Stallbetreibers ist. Die neutrale Planung war daher Aufgabe der LAG, wir haben so planen können, wie es für den Betrieb optimal gewesen wäre. Bei Stallabnahmen haben wir häufig gesehen, dass Investitionen getätigt wurden, die eigentlich nicht notwendig gewesen wären.

Haben Sie sich mit Ihrer neutralen Beratung bei den Firmen beliebt gemacht?


Ich denke schon, weil die LAG die erste Anlaufstelle ist und wir dann auch unentgeltlich an die Firmen weitervermittelt haben. Es ist ja auch nicht so, dass jeder, der sich für diese Haltungsform interessiert, gleich zu bauen beginnt. Meist war es so, dass Interessenten zu mehreren Fachgesprächen gekommen sind, zu denen wir regelmäßig eingeladen haben, und sich erst eingehend informiert haben, bevor die Entscheidung gereift ist, die Haltung umzustellen.

Sie haben aber nicht nur zwischen Stallbetreibern und den Anbietern von Stallsystemen vermittelt, sondern auch zwischen den Anbietern von solchen Haltungen und Pferdebesitzern, die solche Haltungen suchen.

Das war ein Feature auf unserer Homepage, das immer mehr genutzt wurde und zu dem wir sehr positive Rückmeldungen hatten. Das war auch einer der Gründe, warum etliche Stallbetreiber zur LAG gekommen sind: damit sie uns als Werbeplattform nutzen können.

Neben der Beratung war ja eine Ihrer wichtigsten Aufgaben die laufende Qualitätskontrolle. Die fällt jetzt weg. Es gibt auch keine Gewähr mehr, dass überhaupt ein Qualitätsmaßstab angelegt wird.

Richtig, wobei das ja nicht ganz wegfällt, sondern weiter von Deutschland aus betreut wird. Das hoffe ich zumindest.

Wie viele Leute wären notwendig gewesen, um die Arbeit der LAG Austria auf eine tragfähige Basis zu stellen?

Das kommt immer darauf an, wie viel Zeit die Betreffenden zur Verfügung haben oder sich für die LAG nehmen würden, aber mit sechs bis sieben Leuten wäre das schon zu bewältigen gewesen.

Sie haben vor dem endgültigen Entschluss ja noch eine Aussendung gemacht…


Ja, wir haben auch innerhalb der Mitglieder relativ viel versucht, etwas zu bewegen und auch immer wieder die Rute ins Fenster gestellt, wir können nicht mehr, wir brauchen Unterstützung, aber da hat sich überhaupt nichts getan.

Sollten sich jetzt doch noch Freiwillige melden – ist Ihre Entscheidung unwiderruflich?

Wenn sich wirklich Personen melden sollten, würden wir das noch einmal überdenken. Allerdings kann man kaum aus dem Stand voll in die Vereinsarbeit einsteigen. Allein die Inspekteursausbildung dauert zwei Jahre, dazu muss man auch immer wieder nach Deutschland reisen. Und auch danach sind immer wieder Fortbildungen notwendig. Das ist doch alles sehr zeitintensiv. Aber die Arbeit in der LAG Austria hat mir auch viel Positives gebracht: Ich durfte interessante Leute kennenlernen und habe mein Know-how enorm erweitert. Das würde ich nicht missen wollen.

Die Arbeit hatte also auch für Sie persönlich positive Aspekte?

Auf jeden Fall. Es war mir immer schon ein persönliches Anliegen, die Gruppenhaltung bekannter zu machen. Wenn in Zukunft Fragen aufkommen, werde ich daher nach wie vor gerne zur Verfügung stehen.

Herr Grabner, wir danken für dieses Gespräch.

Das Interview mit Ernst Grabner führte Eva Morawetz.