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01.02.2012

Deutschland: Diskussion um Schenkelbrand geht weiter

Während in Österreich Brennen als alternative Kennzeichnung für Pferde längst zugelassen ist, ringen unsere Nachbarn noch immer um die Abwendung eines endgültigen Brennverbotes durch die Bundesregierung. Zur Untermauerung ihrer Argumente legen Schenkelbrandbefürworter aus Schleswig-Holstein nun ein neues Gutachten vor.

Laut einem neuen Gutachten ist die Pferdekennzeichnung mittels Brennen "gesünder" als Chippen. © FotoLL - Fotolia.com
Laut einem neuen Gutachten ist die Pferdekennzeichnung mittels Brennen "gesünder" als Chippen.
© FotoLL - Fotolia.com
Wenig überraschend kommt das Gutachten, durchgeführt von Veterinärmediziner Prof. Dr. Urs Schatzmann von der Universität Bern, zu dem Ergebnis, dass „der Heißbrand als eine dauerhafte Kennzeichnungsmethode gewertet werden muss, die der Transponder-Implantation überlegen ist.“ Die Ergebnisse einer Studie an 70 Pferde-Hautproben, durchgeführt von Dr. Volker Steinkrauss, Professor für Dermatologie an der Universität Hamburg, seien Beleg dafür, dass „die Kennzeichnung mittels Heißbrand gegenüber der Transponder-Implantation vorzuziehen ist, da die Komplikationsrate gegen Null geht und die Traumatisierung des Gewebes qualitativ deutlich geringer ausfällt, als dies bei der Transponder-Implantation der Fall zu sein scheint. Bei den möglichen Komplikationen einer Transponder-Implantation handelt es sich unphysiologische Vorgänge, an denen ein Pferd unter Umständen dauerhaft leidet und die damit einer artgerechten Haltung, welche Leidensfreiheit bzw. Abwesenheit von Schmerzen und uneingeschränkte Bewegungsfreiheit voraussetzt, entgegenstehen.“ Das gesamte Gutachten können sie hier nachlesen.
 
Vor wenigen Monaten war auch schon ein Forscherteam rund um Prof. Dr. Christine Aurich von der Veterinärmedizinischen Universität Wien der Frage auf den Grund gegangen, welche Kennzeichnungsmethode den Pferden mehr zu schaffen mache. Anders als im aktuellen Gutachten von Prof. Dr. Schatzmann kam man dabei allerdings zu dem Schluss, dass zwar beide Markierungsmethoden den Tieren nahezu gleich viel akuten Stress verursachten, dass die Kennzeichnung mittels Heißbrand im Gegensatz zum Chippen jedoch längerfristige Veränderungen bewirke. Aurich dazu: „Das Fohlenbrennen, jedoch nicht die Implantation des Chips, verursacht eine nekrotische Verbrennungswunde und einen allgemeinen Anstieg der Hauttemperatur an der Oberfläche, beides weist auf eine deutliche Schädigung des Gewebes hin. Studien, die nur die akute Stressantwort betrachten, führen zu einer Unterbewertung der Auswirkung des Fohlenbrennens auf das Wohlbefinden der Tiere.“ Die Schäden am Hautgewebe, die durch das Brennen entstehen, seien den Ergebnissen nach deutlich schwerer, als bisher vermutet.
 
Wer hat nun Recht? Was ist tatsächlich weniger schädlich, brennen oder chippen? Die Diskussion um den Schenkelbrand zeigt wieder einmal überdeutlich das Dilemma mit Studien und Gutachten auf: Je nachdem, wer sie in Auftrag gibt und welcher Standpunkt vertreten wird – es wird immer mindestens zwei verschiedene Bewertungen ein und derselben Sache geben. Über jeden Zweifel erhaben ist dagegen zumindest eine Erkenntnis aus dem Schatzmannschen Gutachten: „Eindeutig ist, dass klare und fundierte Aussagen über die Schmerzhaftigkeit und Belastung einer Kennzeichnungsmethode im Vergleich mit der anderen nicht möglich sind und wohl auch nie möglich sein werden.“ Demnach scheint auch die Frage, welche Kennzeichnung die bessere, weil pferdegerechtere ist, wie so oft, eine Glaubensfrage zu sein. 
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