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01.06.2017

Die Kuh im Pferd: Pferde kauen ähnlich wie Wiederkäuer

Pferde würgen ihre Nahrung nach dem Fressen zwar nicht mehr zum nochmaligen Kauen hoch, dennoch ähneln ihre Kaubewegungen dem Wiederkäuen von Rindern. Das zeigen Untersuchungen Schweizer Forscher.

Kuh Pferd Weide Rind grasen © Buffy1982 - fotolia.com
© Buffy1982 - fotolia.com
Pflanzenfresser können ihre schwer verdauliche Nahrung besser verwerten, wenn sie durch intensives Kauen stark zerkleinert wird. Bei Wiederkäuern wie Kühen, Schafen, Ziegen, Hirschen, Lamas oder Kamelen sind Fressen und Wiederkauen zwei verschiedene Vorgänge: Nach dem Äsen würgen sie größere Teile ihrer Nahrung wieder hoch und kauen sie noch einmal mit besonders gleichförmigen, rhythmischen Bewegungen durch. So erreichen sie den höchsten Zerkleinerungsgrad ihrer Nahrung.

Forschende der Universität und ETH Zürich gingen nun der Frage nach, ob die Kaubewegungen der Wiederkäuer untereinander sowie mit denjenigen anderer Pflanzenfresser vergleichbar sind. In ihrer Studie mit Pferden, Kühen und Kamelen benutzten sie spezielle Kauhalfter, welche die Bewegungen des Maules registrieren und automatisch zwischen Fress- und Wiederkauen unterscheiden können.

Ein unerwartetes Ergebnis zeigte sich beim Pferd. „Zu unserer Überraschung ergab die Auswertungssoftware, dass das Pferd nicht frisst, sondern sozusagen wiederkaut“, erzählt Marie Dittmann, Doktorandin der Universität Zürich und der ETH Zürich. „Obwohl Pferde keine Wiederkäuer sind, zerkleinern sie ihre Nahrung mit ebenso rhythmischen Kauschlägen wie die Kühe beim Wiederkauen.“

Für Marcus Clauss, Professor an der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere der Universität Zürich, ist die Ähnlichkeit im Kaurhythmus von so unterschiedlichen Tiergruppen verständlich: „Pferde haben keine zweite Chance, schwer Verdauliches noch einmal zu zerkleinern. Daher müssen sie gleich beim Fressen sehr gründlich kauen. Das geht offenbar am besten mit rhythmischen und gleichmäßigen Bewegungen.

Viel Kauen macht Pferde satt

Frühere Untersuchungen zum Kauverhalten von Pferden zeigten, dass die Sättigung der Tiere nicht durch die aufgenommene Energie sondern rein mechanisch durch die Anzahl der im Zwischenhirn registrierten Kauschläge bestimmt wird. Im Durchschnitt macht ein heufressendes Großpferd rund 3.500 Kauschläge in der Stunde. Satt ist es nach 35.000 Kauschlägen.

Für den Verzehr von einem Kilo auf dem Boden ausgelegten Heu benötigt ein Großpferd etwa 40 Minuten und 2.300 Kauschläge. Hochgerechnet ist damit sein Kaubedürfnis erst nach zehn Stunden Heufressen gedeckt. In dieser Zeit hat es gute 15 Kilo Heu zu sich genommen. Viel zu viel, wenn es nach der Meinung anerkannter Fütterungsexperten geht. Nach heutiger Auffassung sollten Pferde, die nur leichte bis mittlere Arbeit verrichten – und das ist die Mehrzahl der Tiere – maximal 1,5 Kilo Heu pro 100 Kilo Lebendgewicht erhalten. Das wären bei einem durchschnittlich 600 Kilo schweren Warmblut höchstens neun Kilo Heu am Tag, also etwa nur zwei Drittel. Weniger Heu hält Pferde zwar schlank, befriedigt jedoch nicht das natürliche Kaubedürfnis der Tiere. Die Folge einer reduzierten Heufütterung sind frustrierte Pferde mit permanentem Hungergefühl – und erhöhten Risiken für Erkrankungen des Verdauungstraktes und die Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten.

Eine gute Möglichkeit, das genetisch fixierte, stark ausgeprägte Fressbedürfnis der Pferde zu befriedigen, dabei gleichzeitig aber auch dafür zu sorgen, dass sie nicht völlig außer Form geraten, sind sogenannte Slow Feeder. Heunetz, Sparraufe und Fressregulatoren sorgen dafür, dass die zu kauende Menge Heu im Maul geringer wird, sich die Anzahl der Kauschläge im Verhältnis aber erhöht.

PM/ps
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