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28.01.2011

Editorial

Alma Holländer - Die Grande Dame des österreichischen Pferdesports – feiert im Februar ihren 80. Geburtstag

Editorial 0211 © Aleksandra Pawloff
„Das Pferd muss das, was es tun muss, gerne tun.“.
© Aleksandra Pawloff
Liebe Leserin, lieber Leser,

„… da fällt mir noch eine lustige Geschichte ein!“ Unser Treffen mit Alma Holländer (Porträt ab S. 6) war äußerst kurzweilig – und dauerte ungeplant lang. Die fast 80-jährige Grande Dame des österreichischen Springreitsports sprüht vor Energie und Esprit, manch Junge/r schaut daneben alt aus. Heute Abend, merkt sie beim Abschied noch an, gibt sie übrigens Reitunterricht – wir sind herzlich eingeladen, zuzuschauen. Sie ist also durchaus noch involviert, dem Pferdesport immer noch verbunden, nur eines interessiert sie überhaupt nicht mehr: Turniere zu besuchen.
Zu ihrer Zeit war sie Österreichs erfolgreichste Turnierreiterin, häufig auf Pferden, die andere als schwierig oder untalentiert abgeschrieben hatten. Nach ihrem Erfolgsgeheimnis gefragt, sagt sie nur: „Ich habe immer aufs Pferd gehört, darauf geachtet, was es mir anbietet.“ Mit Kraft, das wusste sie, brauchte sie es gar nicht erst versuchen, einen Zweikampf mit dem Pferd hätte sie mit Sicherheit verloren. „Das Pferd muss das, was es tun muss, gerne tun.“ Ihre eigentliche große Leistung ist eben genau die: Pferde dazu gebracht zu haben, etwas gerne zu tun. Anisette, ihr Lebenspferd, ging unter ihrem vorigen Reiter mehr durch die Hindernisse als darüber. Mit ihr übersprang sie zwei Meter hohe Mauern. Nicht immer, aber immer öfter. Und wenn es nicht klappte, war es auch kein Malheur, dann wurde sie genauso abgeklopft wie nach einem gelungenen Parcours. „Ich habe Pferde gekannt, die hatten Angst vor ihrer eigenen Angst. Weil sie immer gestraft wurden, wenn sie vor etwas erschrocken sind.“ Wenn Fehler passieren, wenn Pferde sich wie Pferde verhalten, dann muss man sie nicht strafen, dann muss man sie verstehen. Und es eben wieder versuchen, und wieder, und wieder, bis das Pferd verstanden hat, dass ihm nichts Böses droht. „Ein Pferd ist ein Kamerad, kein Untertan.“ Und deswegen mag sie auch keine Turniere mehr besuchen: „Von 80 Startern gibt es vielleicht fünf, die reiten. Die anderen kämpfen. Und zwar mit dem Pferd. Das interessiert mich nicht.“

Mit ihrer Haltung würde Alma Holländer heute vielleicht nicht mehr siegen, aber zu gewinnen war ihr ohnehin nie wichtig. Die wahren Verlierer der Entwicklung aber sind die Pferde – und der Pferdesport, in dem heute viele gewinnen wollen, bevor sie zu reiten gelernt haben.

Herzlichst,

Eva Morawetz