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28.02.2014

Frühjahrskur für die Pferdeweide

Die letzten Schneereste bereits vergangen und erstes Grün zeigt sich zaghaft auf den Weiden - die beste Zeit für eine Analyse und Verbesserung von Pferdeweiden.

Ist Ihre Weide fit für den Frühling? Jetzt ist die richtige Zeit, die Pferdeweiden für die kommende Saison vorzubereiten und zu verbessern. © Kyslynskyy - Fotolia.com
Ist Ihre Weide fit für den Frühling? Jetzt ist die richtige Zeit, die Pferdeweiden für die kommende Saison vorzubereiten und zu verbessern.
© Kyslynskyy - Fotolia.com
Die Weidesaison naht in großen Schritten. Wer das Gräser- und Kräuterwachstum sowohl auf den ausgelaugten, kleinen Intensivweiden als auch auf Weiden und/oder Heuwiesen in extensiver Bewirtschaftung unterstützen möchte, für den ist jetzt die richtige Zeit zum Handeln.

Eine Bodenanalyse gibt einen guten Überblick über die aktuelle Bodenbeschaffenhaheit. Eine Anleitung dazu gibt es hier. Die Preise für Bodenuntersuchungen sind moderat. So kostet die Grunduntersuchung (pH-Wert, Phosphor, Kali) plus verfügbarem Magnesiumgehalt  13,90 Euro, die Analyse der Beschaffenheit des Humus 6,30 Euro oder die Spurenelement-Analyse (Kupfer, Zink, Eisen, Mangan) 6,50 Euro. Mit im Preis enthalten ist in der Regel auch die Düngeempfehlung. Wichtig ist, dass man beim Ausfüllen des Erhebungsbogens angibt, ob die Weide intensiv oder extensiv genutzt wird.

Individuelle Ergänzung mit dem richtigen Dünger

Als Dünger für die Pferdeweide eignen sich organische Dünger wie Kompost, abgelagerter Mist, Gülle oder Hornmehl und mineralische Dünger, auch als „Kunstdünger“ oder anorganische Dünger bezeichnet. Diese werden als sogenannte Einnährstoffdünger, Mehrnährstoffdünger und Spurenelementdünger angeboten. Darüber hinaus gibt es noch anorganische Bodenverbesserer, die nicht künstlich hergestellt werden, wie beispielsweise Urgesteinsmehle und -sande. Je nach Art der Defizit im Weideboden können organische und mineralische Dünger auch kombiniert werden. Dabei sollte sich die Wahl immer nach den fehlenden und für die Gräsergemeinschaft lebensnotwenigen Nährstoffen im Boden richten.
Energiereiche und rohfaserarme Grassorten, die für Hochleistungsrinder kultiviert wurden, sind für die Pferdeernährung schlecht geeignet und können Gesundheitsprobleme wie Druchfall, Verfettung oder Hufrehe hervorrufen. © Tom - fotolia.com
Energiereiche und rohfaserarme Grassorten, die für Hochleistungsrinder kultiviert wurden, sind für die Pferdeernährung schlecht geeignet und können Gesundheitsprobleme wie Druchfall, Verfettung oder Hufrehe hervorrufen.
© Tom - fotolia.com

Verbesserung der Grasnarbe

Im Frühjahr kann die Grasnarbe einer Pferdekoppel durch gezieltes Nachsäen und/oder Ausbringen von Spezialsaaten aufgewertet und umgestaltet werden. Eine Grünfläche, die viele Jahre von Pferden abgegrast wurde, bedarf einer Nachsaat mit bestimmten Grasarten, um den in der Regel bestehenden übermäßigen Bewuchs mit Klee und Hahnenfuß zurückzudrängen. Vor der Nachsaat muss die Fläche allerdings bearbeitet werden. Bei geringem Bestand von Klee, Hahnenfuß oder Brennnesseln kann intensives Bürsten mit der Wiesenschleppe bereits ausreichen. Bei starkem Besatz kommt man allerdings um eine Behandlung der entsprechenden Bereiche mit Herbiziden nicht umhin. Die beste Art, weil für die Umwelt am schonendsten, ist das punktuelle Aufbringen mit dem Handspritzgerät. Anschließend kann die Gräsermischung per Hand oder mithilfe maschineller Unterstützung ausgebracht werden. Die Nachsaat von Hand ist – wie auch der gezielte Herbizideinsatz mit dem Drucksprühgerät – effektiver und punktgenauer.

Die Suche nach dem richtigen Saatgut

Mit den spärlichen und für Pferde geeigneten Steppengräsern früherer Zeiten haben die heutigen Kulturgräser wenig gemeinsam. Vor rund hundert Jahren waren auf Opas Wiesen noch Grassorten wie Zittergras, Ruchgras, Schafschwingel und Trespen anzutreffen, die vor allem auf trockenen, mageren und ungedüngten Böden wuchsen. Sie hatten einen hohen Rohfaser-, aber sehr geringen Zuckergehalt und entsprachen durchaus den Nahrungsansprüchen der damals schwer arbeitenden Pferde.

Heute werden in erster Linie nur noch Gräser an- und nachgesät, die schnell wachsen, trittfest und widerstandsfähig gegen Verbiss, düngefreudig und standortunabhängig sind. Diese Gräsergemeinschaft, zu denen insbesondere das Weidelgras (Raygras), Wiesenlieschgras, Wiesenrispe (Almrispe) und Wiesenschwingel gehören, wurde und wird jedoch vorwiegend für die Futterherstellung von Hochleistungsrindern angepflanzt und kultiviert, die der Milch- oder Fleischproduktion dienen. Wiederkäuer haben jedoch ein gänzlich anderes Verdauungs- und Futterverwertungssystem als Pferde. Pferde machen diese rohfaserarmen Kulturgräser nicht satt, sie können außerdem zu Durchfällen führen. Der zudem hohe Zuckergehalt, der die Gräser vor Dürre und Frost bewahrt und als Energiereserve bei Schnitt oder Verbiss dient, kann von Pferden nur unzureichend verdaut werden und zur Verfettung oder gar Hufrehe führen (z. B. Fruktane). Diese inzwischen wissenschaftlich klar untermauerte Tatsache hat erfreulicherweise dazu geführt, dass viele Hersteller für die Pferdekoppel Saatgut ohne Anteile von Weidelgras und Klee im Sortiment haben.
Kräuterweiden sind arbeitsaufwendig - Kräuterinseln helfen, Kräuter nachhaltig auf der Weide anzusiedeln. © tinadefortunata - Fotolia.com
Kräuterweiden sind arbeitsaufwendig - Kräuterinseln helfen, Kräuter nachhaltig auf der Weide anzusiedeln.
© tinadefortunata - Fotolia.com

Kräuterhorste und -inseln

Seit jeher waren Kräuter ein fixer Bestandteil in der Pferdenahrung und diensten als natürliches Ergänzungsfutter, das dank seiner organischen Verfügbarkeit eine optimale Verwertung im Pferdekörper garantierte. Durch die intensive Bewirtschaftung der Böden ist die naturgemäße Aufnahme von Kräutern heute jedoch nur noch selten möglich. Eine Aufwertung von Grünflächen mittels pferdegerechter Kräuter ist deshalb absolut sinnvoll und begrüßenwert, leider aber nicht gerade einfach.

Sollen Kräuter auf einer Weide dauerhaft etabliert werden, bedarf es der Erstellung und langjährigen Pflege von sogenannten Kräuterinseln und/oder Mutterpflanzenhorsten an den Rändern der Pferdekoppel. Dazu wählt man mehrere Stellen inmitten oder am äußeren Rand der Fläche aus und bringt im Frühjahr den Kräutersamen mit Hilfe eines Trägerstoffes wie beispielsweise Maulwurferde von Hand aus. Diese ist feinkrümelig und ideal dafür geeignet, Kräuter heranzuziehen oder mit Grassamen für die Nachsaat der Pferdeweide zu mischen. Anschließend werden diese Kräuterhorste und -inseln abgezäunt und müssen bis zur Samenreife für Pferde unerreichbar bleiben. Nach der Samenreife im Juni kann der Samen dann mit einem Rasenfächer oder Laubrechen in Richtung der Koppel verteilt werden. Jetzt können diese Flächen einige Wochen zum Beweiden durch die Pferde freigegeben werden. Danach wird der Trennzaun wieder aufgestellt und die Kräuterpflanzen bis zur nächsten Samenreife vor Verbiss geschützt. Nach drei bis vier Jahren haben sich die Kräuter dann nachhaltig auf der Weidefläche etabliert.
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