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10.08.2016

Pech für Parzival

Ein bitteres Aus für Parzival und Adelinde Cornelissen gab es am ersten Tag der olympischen Dressurbewerbe in Rio de Janeiro. Eine Klasse für sich hingegen waren die beiden deutschen Vertreter Dorothee Schneider (Showtime) und Sönke Rothenberger (Cosmo), die nach der Hälfte des Feldes die ersten beiden Plätze belegen.

Parzival war nach Mosquitostich "leer", Cornelissen gab auf. © Tomas Holcbecher
Parzival war nach Mosquitostich "leer", Cornelissen gab auf.
© Tomas Holcbecher
Cornelissen kommentierte das Ausscheiden ihres 19jährigen Fuchswallach folgendermaßen: „Es begann schon am Vortag. Da hatte er eine geschwollene Wange und wir glauben, dass er von einem Mosquito oder einer Spinne gestochen wurde. Sein Körper hatte Vergiftungserscheinungen und er hing neun Stunden am Tropf. Am Morgen sah er besser aus und der Tierarzt sagte, wir können es versuchen. Aber im Stadion fühlte er sich total leer an, das hat er sich nicht verdient.“ Damit hat Medaillenanwärter Niederlande auch kein Streichresultat mehr.
Führt nach dem ersten Tag: Dorothee Schneider auf Showtime. © Tomas Holcbecher
Führt nach dem ersten Tag: Dorothee Schneider auf Showtime.
© Tomas Holcbecher

Die Spiele und die Medien

Olympische Spiele sind in der heutigen Zeit eines der größten Medienereignisse weltweit. Die Zahl der Journalisten, Fotografen und TV-Leuten übertrifft die Teilnehmerzahl der Sportler bei Olympia um ein Vielfaches. So gab es etwa in Rio insgesamt 5.800 offizielle IOC-Akkreditierungen für Printmedien und Fotografen. Diese wurden in einem festgelegten Schlüssel auf 204 Länder aufgeteilt. Dazu kommen noch die TV-Techniker der so genannten „Right-Holders“. Das sind jene Fernsehanstalten, die teures Geld dafür bezahlten mit Livebildern von Olympia berichten zu dürfen - wie etwa ORF, ARD oder ZDF. Aber auch „Non-Right-Holders“ berichten aus Rio, sie dürfen allerdings nicht auf den Wettkampfstätten drehen. Dafür hat die Stadtverwaltung Rio eigene Hotspots zur Verfügung gestellt, die gemietet werden können und von denen aus die jeweiligen Korrespondenten ihre Kommentare übertragen - mit dem Zuckerhut, Copacabana oder Palmen im Hintergrund.
Arbeitsbedingungen halbwegs ok: Nach der Pressekonferenz im Medienzelt. © Ernst Kopica
Arbeitsbedingungen halbwegs ok: Nach der Pressekonferenz im Medienzelt.
© Ernst Kopica
Aber in welche Richtung wird sich die Medienlandschaft im Sport in Zukunft entwickeln? Wie werden die Sozialen Medien in Hinkunft die klassischen Informationskanäle ablösen? Sogar das IOC hat in Rio die Sportler dazu ermuntert, auf Facebook, Instagram oder Twitter tätig zu werden. Bilder vom Training ganz aktuell, der Jubel nach dem Sieg als Selfie, das Foto vom verletzten Knöchel! Da stellt sich dann über kurz oder lang die Frage, wozu kostenpflichtige Medien noch notwendig sind.
Er schießt für uns die Bilder: Tomas Holcbecher, links daneben sein deutscher Kollege Stefan Lafrentz. © Ernst Kopica
Er schießt für uns die Bilder: Tomas Holcbecher, links daneben sein deutscher Kollege Stefan Lafrentz.
© Ernst Kopica
Ein weiterer Angelpunkt ist das Verschwinden des Journalismus der Qualitätszeitungen nach der „alten“ Schule. Check und Re-Check – so hat man das früher einfach gelernt! Das Einholen anderer Meinungen, die Grundsätze der berühmten sechs W (wer, was, wann, wo, wie, warum), die ein jeder Artikel zu enthalten hat – alles überholt. Blickt man heute in die weltweite Medienwelt, dann findet man immer mehr „copy-and-paste“-Journalismus – das reine Kopieren von Presseaussendungen oder Marketingmeldungen! Berufsethische Grundsätze sind in den Sozialen Medien weitgehend unbekannt. Im Gegensatz dazu umfasst etwa der Ehrenkodex des österreichischen Presserates, an denen sich Zeitungen freiwillig binden, 16 Grundsätze wie die Achtung der Menschenwürde, Sorgfaltspflicht, Berufsgeheimnis, Trennung von Werbung und Redaktion. Im Internet herrscht dagegen das Recht des Schnelleren!
Vier Stunden nach Ende des Bewerbes wird es im Medienbus eng. © Ernst Kopica
Vier Stunden nach Ende des Bewerbes wird es im Medienbus eng.
© Ernst Kopica
Ein spezifisches Problem im Sportjournalismus stellt das Verhältnis der Journalisten zu den Sportlern dar. Hier eine ausgewogene Linie zu finden, ohne sich zu „verhabern“ ist eine Kunst, die nur wenige können. Gerade im Fußball gibt es immer wieder „Haus- und Hofschreiber“ von nahestehenden Sportlern oder Vereinen. Kritik muss auch in solchen „Beziehungen“ möglich bleiben. Faires Verhalten beider Seiten ist in jedem Fall gefordert, aber eines muss in dem Zusammenhang auch ganz klar gesagt sein: Spitzensportler müssen Kritik aushalten! Wenn diese aber übers Ziel hinausschießt, wie es etwa dem ARD-Kommentator Carsten Sostmeier bei der Übertragung der Geländeprüfung von Rio passierte, dann ist Feuer am Dach. Sostmeier meinte zu Julia Krajewskis missglücktem Ritt: „Diese Dame hat glaube ich schon, einen braunen Strich in der Hose wenn sie losreitet. Ich bin mal ganz gespannt, was die Blondine jetzt zu ihrem Auftritt zu sagen hat.“
Was dann über Sostmeier hereinbrach, das kann man – nomen est omen - nur als „shitstorm“ bezeichnen. Aber deswegen vom Reporter einzufordern, er solle es selber besser machen – wie dann auf Facebook zu lesen war – ist auch keine Lösung. Explizite Fachkenntnisse sind im Journalismus zwar hilfreich, aber nicht unbedingt Voraussetzung. Ob es mir mit diesem Blog gelingt immer meinen Grundsätzen nachzukommen kann ich nicht beurteilen, eines aber verspreche ich: I do my best!
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