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23.01.2015

Pferdeballett begeisterte in Felsenreitschule

Einen überwältigenden Erfolg feierte die Pferdechoreographie des Franzosen Bartabas bei der Eröffnungsvorstellung der Salzburger Mozartwoche. 75 Minuten Mozart wurden von zwölf edlen Vierbeinern perfekt in Reitszenen präsentiert - absolut sehenswert!

Bartabas tanzende Pferde sorgten in der Salzburger Felsenreitschule für Begeisterung. © ISM Matthias Baus
Bartabas tanzende Pferde sorgten in der Salzburger Felsenreitschule für Begeisterung.
© ISM Matthias Baus
Dort wo in den Sommermonaten zur Festspielzeit die Schickeria ihre Roben zur Schau stellt und darauf wartet, ins TV-Bild zu kommen, stand diesmal der Pferdetransporter aus Maisons-Laffitte, zwölf edle Rösser wurden an einem kalten Winterabend entladen. Kein Klirren von Sektgläsern, stattdessen zufriedenes Wiehern. Pferde also in der Felsenreitschule, dort wo sie ja – nomen est omen – hingehören, und das zu Klängen von Wolfgang Amadeus Mozart in seiner Geburtsstadt Salzburg.
 
Davide Penitente Bartabas © ISM Matthias Baus
© ISM Matthias Baus
Das ist ja eigentlich ganz logisch, so dachte es sich auch Marc Minkowski, der künstlerische Leiter der Mozartwoche (quasi die kleinen Salzburger Festspiele Ende Jänner), dessen Leidenschaft seit einigen Jahren neben der Musik und seinen Musiciens du Louvre Grenoble auch den Pferden gilt. Und als Franzose kennt er natürlich seinen Landsmann, den Performance-Künstler Bartabas, der seit 1985 erfolgreich Pferdechoreographien entwirft und vor rund 20 Jahren auch schon zu Gast bei den Wiener Festwochen war. Mittlerweile gründete Bartabas die Académie équestre de Versailles, wo seine Truppe in den unterschiedlichsten Sparten ausgebildet wird. Neben Reiten, Singen und Tanzen wird in seiner Schule auch Kyudo (das traditionelle japanische Bogenschießen) praktiziert. Bach und Strawinsky waren die Komponisten, zu deren Musik die Kompanie ihre letzten Programme entwarf.

Für Salzburg stellte Minkowski die sehr selten aufgeführte Mozart-Kantate Davide Penitente in den Mittelpunkt und platzierte rund um sie weitere Mozart-Stücke aus der gleichen Entstehungszeit und vorwiegend auch in der gleichen Tonart, nämlich c-Moll.
Davide Penitente Bartabas © ISM Matthias Baus
© ISM Matthias Baus

Wo Pferde tanzen und Damen in Stöckelschuhen straucheln

Bereits beim Betreten der Felsenreitschule durfte man beeindruckt sein: Das Orchester (mit Originalinstrumenten) hatte in den unteren Arkadenreihen Platz genommen, ganz oben stand der Salzburger Bachchor und auf der "Bühne" drehten die zwölf Pferde mit ihren Reitern zur Gewöhnung an das Spektakel ruhig ihre Runden. Um die Nebengeräusche der Pferde gering zu halten, hatte man Unmengen von Sand aufbringen müssen: Für die Vierbeiner ein ideales Geläuf, für die weiblichen Solistinnen und deren Stöckelschuhe beim Schlussapplaus ein eher schweres Terrain!

Als die ersten Töne des Adagios erklangen, fokussierte sich die exzellente Lichtregie auf den Equipechef Bartabas, der sein Pferd bei den ruhigen Anfangspassagen mit Spanischem Tritt, später mit Trab und Galopp kongenial zu den Klängen Mozarts bewegte. Das Publikum spürte sofort die Faszination, die von diesen Bildern und der Musik ausging. Der Hengst stand dann (übrigens während der ganzen nachfolgenden Zeit) wie ein Denkmal am rechten Bühnenrand und die vorwiegend weiblichen Reiterinnen zeigten in unterschiedlichen Quadrillen wunderbare Reitfiguren. Später kristallisierten sich auch noch zwei weitere Solisten heraus, die einen Art Pas de Deux ritten. Ohne jetzt darauf zu achten, wer gerade die Oberhand hatte, konnte man sich vom Erlebten beeindrucken lassen: einmal waren es die Bläsersolisten des Orchesters, dann wieder die anmutigen Bilder der ornatsmäßig gewandeten Reiterinnen, dann das Schnauben der Pferde, ihre Piaffen und Passagen!

Den Höhepunkt erreichte der Abend als bei "Davide Penitente" (von Mozart auf der Vorlage seiner c-Moll-Messe komponiert) dann auch noch die menschliche Stimme der Solisten Christiane Karg, Marianne Crebassa und Stanislas de Barbeyrac sowie der Salzburger Bachchor dazu kam. Und dass die Truppe von Bartabas ihre Ausbildung wirklich ernst nimmt, erfuhr man spätestens dann, als die acht Reiterinnen während ihrer Galopptour den großen Chor vokal unterstützte und sich in weiterer Folge als coro piccolo und solistisch stimmlich in Szene setzten, beeindruckend!

Der ORF wird „Davide Penitente“ zusammen mit einer aktuellen Doku über die Pferdeschule von Bartabas in Versailles am 8. Februar ausstrahlen. Ansehen lohnt sich!
Davide Penitente Bartabas © ISM Matthias Baus
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