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16.11.2011

Pferdesterben in Kärtnen

Unter noch nicht restlos geklärten Umständen sind in Kärnten seit dem vergangenen Wochenende zehn Pferde binnen weniger Tage verstorben. Als Ursache wird atypische Myopathie vermutet.

Die atypische Myopathie droht Weidepferden meist im Witnerhalbjahr nach einem plötzlichen Kälteeinbruch. © olly k - Fotolia.com
Die atypische Myopathie droht Weidepferden meist im Winterhalbjahr nach einem plötzlichen Kälteeinbruch.
© olly k - Fotolia.com
Das berichtet die Kleine Zeitung in ihrer Online-Ausgabe vom 15. November. Die Weidemyopathie, die in ihrem Erscheinungsbild anderen Myopathien – landläufig als „Kreuzverschlag“ bekannt – ähnelt, ist eine Muskelerkrankung mit bisher unbekanntem Auslöser und einer hohen Sterblichkeitsrate.

„Die Erkrankung verläuft akut und lässt Pferde innerhalb von zwei bis drei Tagen verenden - seit dem Wochenende gab es in Kärnten schon zehn Fälle. Betroffen sind vor allem jüngere Tiere, von Fohlen bis zu fünf Jahre alten Pferden“, so Michael Mansfeld von der Landesanstalt für veterinärmedizinische Untersuchungen.

Seit den 1990er Jahren erkrankten in Abständen von vier bis acht Jahren europaweit viele Weidepferde an der mysteriösen atypischen Weidemyopathie, bekannt auch unter der Bezeichnung „atypische Myoglobinurie“ oder „Weiderhabdomyolyse. Die Erkrankung tritt zumeist im Herbst nach einem plötzlichen Kälteeinbruch auf und betrifft Pferde mit Weidezugang. Die Tiere zeigen plötzliche Steifheit und Muskelzittern, einen schwankenden Gang und Schweißausbrüche. Die Schleimhäute sind gering- bis hochgradig gerötet, Puls- und Atemfrequenz erhöht. Durch den über den Urin ausgeschiedenen Muskelfarbstoff ist der Harn dunkelrot bis braun verfärbt. Die Therapie ist symptomatisch, die Prognose selbst bei früher und schnell eingeleiteter Behandlung ungünstig.

Auslösende Faktoren nicht restlos geklärt

Beim ersten Massenauftreten vom Herbst 1995 bis zum Frühjahr 1996 vermutete man zunächst eine Seuche, Forscher der Tierärztlichen Hochschule Hannover wurden unter Leitung von Prof. Manfred Coenen zur Klärung hinzugezogen. Man fand aber weder Bakterien, Viren, Pflanzen- oder Pilzgifte noch sonstige Auslöser wie zum Beispiel Pflanzenschutzmittel, die man als Ursache für diesen Krankheitsausbruch hätte verantwortlich machen können. Nachgewiesen wurden bei den erkrankten Pferden lediglich erhöhte Muskelenzymwerte, insbesondere ein erhöhter Creatinkinase-Wert, ähnlich wie beim Kreuzverschlag.

Ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten der atypischen Weidemyopathie und bestimmten Witterungsbedingungen scheint sich jedoch zu bestätigen, da sowohl gehäufte Fälle im Herbst/Winter 1995/1996 mit ähnlichen Witterungseigenheiten einhergingen wie Fälle in 2004 und 2009 (Kälteeinbruch, Temperaturstürze). Ihre vollständige Ursache blieb bisher jedoch unklar. Erst seit kurzem gibt es zwei ähnliche Theorien für ihre Entstehung: Bei der ersten wird vermutet, dass ein Clostridium- Toxin (Clostridium bifermentans) von den Pferden aufgenommen oder im nachfolgenden Stoffwechsel der Verdauungsorgane produziert wird. Clostridien kommen vor allem im Boden vor.

Bei der zweiten Theorie vermuten Forscher der Universität Bern, dass bei bestimmten klimatischen Bedingungen auf verschiedenen Pflanzen und auf Laub das Toxin des Bakteriums Clostridium sordellii freigesetzt wird und über die Futteraufnahme in die Pferde gelangt. Beiden Bakterien gemein ist, dass sie mit dem Tetanus- und dem Botulismuserreger verwandt sind.

So können Sie Ihr Pferd schützen

Die Sächsische Tierseuchenkasse rät in ihrem Merkblatt zu den folgenden Vorsorgemaßnahmen:
  • Wenn möglich, sollten die Pferde ab Ende August nachts aufgestallt und gezielt zugefüttert werden (Heu, Kraftfutter, Mineralstoffe und Spurenelemente)
Wenn die Pferde weiterhin rund um die Uhr Koppelzugang haben:
  • ab Ende August reichlich Heu von gedüngten Flächen zufüttern
  • Mineralstoff- und Spurenelementmischungen regelmäßig bedarfsgerecht an jedes Pferd verfüttern (Minerallecksteine reichen nicht!)
  • Witterungsschutz (Weidehütte oder -unterstand) auf Koppel anbieten
  • Koppeln mit viel Laub im Herbst meiden
  • Koppeln im Herbst nachmähen und Mahd sowie Blätter entfernen (unterbricht Entwicklungszyklus von Pilzen auf Pflanzen und Blättern)
  • Koppeln wo möglich düngen (z.B. mit Kalkstickstoff, entsprechend Bodenproben): Kalkstickstoff spendet wertvolle Mineralien für die Pflanzen und hat eine desinfizierende Wirkung gegenüber Mikroorganismen (Pilze, Bakterien) sowie Parasitenstadien
Wichtig sind regelmäßige Kontrollen. Frühzeitig aufgefundene und sofort therapierte Pferde haben zumindest eine kleine Überlebenschance. Bei den geringsten Anzeichen muss unverzüglich den Tierarzt informiert werden. Ein längerer Transport kann die Symptome verschlimmern und sollte nur durchgeführt werden, wenn die Versorgung vor Ort nicht möglich ist. In Zweifelsfällen bringt eine Blutuntersuchung Gewissheit. Bei der atypischen Weidemyopathie sind die Muskelenzymwerte im Blut erhöht. Erkrankt ein Pferd daran, müssen alle anderen Pferde sofort von der betroffenen Koppel zu nehmen um weitere Fälle zu vermeiden.