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13.10.2017

Wie weit darf Pferdezucht gehen?

Der neun Monate alte Vollblutaraber El Rey Magnum sorgt mit seinem ungewöhnlichen Äußeren international für großes Aufsehen. Veterinären geht die extreme Kopfform des kleinen Hengstes eindeutig zu weit.

Es sieht aus, wie eine Karikatur und doch ist es real. El Rey Magnum, zu deutsch der große König, wird von seinen Züchtern und Fans als Sensation gefeiert. Sie attestieren dem neun  Monate alten Hengst unnachahmlichen Adel und ein Aussehen nahe an der Perfektion.

Tierärzte und Pferdefreunde auf der ganzen Welt denken da ganz anders. Was El Rey Magnum so besonders macht: der Hengst weist ein dramatisch konkaves Profil auf. Tatsächlich erinnert sein Anblick mehr an ein Seepferdchen, denn an ein gesundes  Vollblutaraberfohlen. Gerade die Gesundheit ist es auch, die Experten bei züchterischen Extremen wie diesem bedroht sehen.

„Ich finde das unfassbar. Arabische Pferde hatten schon immer ein mehr oder weniger geschwungenes Profil, aber hier erreicht das Ganze ein geradezu irrwitziges Ausmaß“, wird der britische Pferdetierarzt Tim Greet vom britischen Fachmagazin Veterinary Record zitiert.

Extreme sind in der Tierzucht längst nichts Neues. Bei Mops und Bulldogge hat man aufgrund fragwürdiger Schönheitsideale systematisch die Kopfpartie verkürzt und Schnauzen weggezüchtet. Das Ergebnis sind in vielen Fällen Tiere mit lebenslangen Atemproblemen. Die sind auch Pferden wie El Rey Magnum in die Wiege gelegt, befürchten Tierärzte wie Greet nun. Eine derartige „Deformierung“ des Kopfes sei für Pferde umso gravierender als sie – im Gegensatz zu Hunden – nicht durch ihr Maul atmen können. „Ich gehe davon aus, dass Bewegung für dieses Pferd definitiv mit Schwierigkeiten verbunden sein wird“, meint Greet.

Mit seiner Meinung steht der Veterinär nicht alleine da. Adele Waters, Redakteurin bei Veterinary Record, sagte, dass jeder Tierarzt, dem sie Bilder des Fohlens gezeigt habe, schockiert gewesen sei. “Meine erster Gedanke waren ‘Ist das die Arbeit eines Bildberabeitungs-Spezialisten?’ Viele Pferdetierärzte hatten ähnliche Gedanken. Doch die Wahrheit ist: das ist ein echtes Pferd, das gezüchtet wurde, um den Wünschen einer speziellen Zielgruppe nachzukommen. Die Frage, die man sich hier stellen muss ist: Wo soll das alles enden? Ist es wirklich so schlimm für ein Pferd, wie ein Pferd auszusehen und nicht wie eine Comicfigur?“
Vollblutaraberzüchterin Susanne Werth-Hofbauer aus dem niederösterreichischen Kaumberg sagt ganz klar: „Das ist nicht mehr meine Welt.“ Die passionierte Pferdeliebhaberin hat in ihrer züchterischen Laufbahn einige Top-Pferde hervorgebracht, darunter den Nationalchampion des Jahres 2002, Exquisite’s Fantasy, der national wie international Dressurerfolge bis Klasse S feiert. „Wenn das das neue Zuchtziel sein soll, finde ich das hochgradig besorgniserregend“, meint Werth. „Extreme können in der Zucht durchaus vorkommen. Schlimm wird es, wenn man sie zum Ideal erklärt.“ Der Vollblutaraber sei stets für seine Schnelligkeit, Ausdauer und Härte bekannt gewesen. Attribute, die für El Rey Magnus vermutlich unerreichbar bleiben werden. „Im Video kann man gut erkennen, wie stark das Fohlen permanent die Nüstern bläht. Aufgeregte Erregung ist eine Sache – Atemnot eine ganz andere.“

Die Züchter des Sensationsfohlens von der Orrion Farm in Ellensburg (Washington) können die negativen Kommentare, die seit der Veröffentlichung des Videos über sie hereinbrechen, nicht nachvollziehen. Doug Leadley, Zuchtleiter der Gestüts, Leadley meinte dazu lapidar: “Ich denke, die meisten Kritiker sind selbst keine Züchter, stellen ihre Pferde nicht auf Shows vor und kommen nicht aus der Szene – das sind Leute, die schlicht keine Ahnung haben.“

ps
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