Array ( [2000] => Home [2005] => Nachrichten [1011] => Marktkurzinfos [1026] => Marktanalysen [1016] => Reportagen [1044] => Über Uns [1046] => Das Team [1045] => Mediadaten [2021] => Impressum [2022] => AGB )
10.05.2017

Fütterung bei Cushing: Weniger ist mehr

Die Diagnose Equines Cushing löst bei vielen Pferdehaltern Verunsicherung aus. Ein wichtiges Thema ist die richtige Ernährung. Doch gerade hier gibt es häufig sehr unterschiedliche Meinungen. Was man erkrankten Tieren bedenkenlos füttern kann und worauf man besser verzichtet, erklärt Fütterungsexpertin Theresa Bockhorni.

Ein Pferd mit Equinem Cushing Syndrom ist in der Fütterung oft eine Herausforderung. © www.slawik.com
Ein Pferd mit Equinem Cushing Syndrom ist in der Fütterung oft eine Herausforderung.
© www.slawik.com
Theresa Bockhorni, Veterinärin und Fütterungsexpertin der Firma Agrobs , hat sich i Rahmen ihrer Doktorarbeit intensiv mit dem Thema Fütterund bei Equinem Cushing (ECS) beschäftigt. Wir haben nachgefragt, wie man erkrankte Pferde am besten ernährt.

Pferderevue: Ein sehr umstrittenes Thema bei ECS ist der Weidegang. Dürfen betroffene Pferde trotz ihrer Erkrankung noch grasen?
Dipl. Tierärztin Theresa Bockhorni: Eine Begrenzung der Weidezeit für ECS-Pferde ist unter bestimmten Voraussetzungen auf jeden Fall sinnvoll. Dennoch muss diese Frage von Pferd zu Pferd differenziert betrachtet werden. Dicke ECS-Pferde sollten auf jeden Fall nur sehr begrenzten Zugang zur Weide haben. Hatten die Pferde bereits Hufrehe und/oder besteht eine Insulinresistenz, so sollte von Weidegang prinzipiell abgeraten werden, da das Risiko, erneut an Hufrehe zu erkranken, sehr hoch ist. Handelt es sich jedoch um ein dünnes ECS-Pferd ohne Hufrehe und/oder Insulinresistenz, so kann nach vorsichtigem Angrasen der Weidegang in zeitlicher Begrenzung ermöglicht werden.

Auch bei der Frage, ob Getreide noch in den Futtertrog darf, scheiden sich die Geister. Mal heißt es „ja“, mal heißt es „nein“. Was stimmt denn nun?
Die Frage ist: braucht das ECS-Pferd Getreide in der Fütterung? Nein, wenn es sich über ein normal- oder übergewichtiges Pferd handelt. Eventuell, wenn es sich um ein gearbeitetes oder dünnes Pferd handelt. Wichtig ist dabei auch, die Vorgeschichte des Pferdes bezüglich Hufrehe zu kennen. Hatte das Pferd Hufrehe und/oder ist es insulinresistent, so sollte von einer Getreidefütterung abgesehen werden. Handelt es sich um ein dünnes, ansonsten gesundes Pferd (ohne Rehe und ohne Insulinresistenz), kann über kleine Mengen aufgeschlossenes Getreide nachgedacht werden. Hier bietet sich z. B. frischer Quetschhafer sehr gut an. Dieser ist gut zu kauen und leicht verdaulich. Jedoch sollte bei einem zu dünnen ECS-Pferd auch immer abgeklärt werden, ob ausreichend qualitativ hochwertiges Heu zur Verfügung steht.
Eine Begrenzung der Weidezeit ist für ECS-Pferde auf jeden Fall sinnvoll. Tiere mit zusätzlicher Insulinresistenz und/oder Hufreheneigung sollten besser nicht aufs Gras. © www.slawik.com
Eine Begrenzung der Weidezeit ist für ECS-Pferde auf jeden Fall sinnvoll. Tiere mit zusätzlicher Insulinresistenz und/oder Hufreheneigung sollten besser nicht aufs Gras.
© www.slawik.com
Gibt es Krippenfutter, das sich für Cushing-Pferde besonders gut eignet?
Unmelassierte Rübenschnitzel bieten sich als Teil der Gesamtration an. Luzernecobs eignen sich aufgrund der hochverdaulichen Proteine und der essentiellen Aminosäuren, die für den Muskelaufbau wichtig sind, sehr gut für zu dünne ECS-Pferde mit Muskelschwund. ECS-Pferde leiden häufig an chronischem Muskelabbau. Bei Nierenerkrankungen ist jedoch aufgrund des höheren Calcium-Gehaltes von Luzerne abzuraten. Reiskleie ist eine gute Ergänzung, auch Grünhafer erweitert sehr schmackhaft die Ration. Grundsätzlich ist das Wichtigste eine ausreichende Grundversorgung mit Raufutter. Da ECS-Pferde meist eher zu den älteren Semestern zählen und daher häufig mit Zahnproblemen und Kiefergelenksarthrosen zu kämpfen haben oder auch einfach in Herdenhaltungen einen niederen Rang einnehmen, ist die Versorgung mit Raufutter oftmals sehr knapp. Daher ist eine Rationsberechnung in jedem Fall sinnvoll. Eine Ergänzung mit Wiesencobs ist in den meisten Fällen notwendig. Vitamine und Spurenelemente wie Selen und Zink sollten unbedingt bedarfsdeckend in der Ration enthalten sein. Auch hier gibt es getreide- und melassefreie Mineralfuttermittel.

Leckerlis sind auch in Frage gestellt: Muss man bei einem Cushing-Pferd gänzlich auf Futterlob in Form von Karotten oder Äpfeln verzichten oder gibt es einen gesunden Ersatz?
Auch hier ist die Devise: weniger ist mehr. Wie auch bei anderen Futtermitteln muss die Fütterungsempfehlung an die jeweilige Tiergesundheit angepasst werden. Als gesunde Alternative kann man auch hier Wiesen- oder Luzernecobs als einzelne Leckerlis geben oder auf getreide- und melassefreie Leckerlis in kleinen Mengen umsteigen.

Auf der Suche nach einem Krippenfutter für sein ECS-Pferd trifft man heute auf ein sehr umfangreiches Angebot. Worauf sollte der Pferdebesitzer bei der Auswahl achten? Gibt es Inhaltsstoffe, die unbedingt zu vermeiden sind?
Das Wichtigste ist, auf einen niedrigen Zucker- und Stärkegehalt zu achten und dass die Produkte melassefrei sind. Eine rohfaserreiche Ration, hochwertige Proteine und Aminosäuren sowie eine ausreichende Versorgung mit Spurenelementen und Vitaminen ist das A und O in der Fütterung von ECS-Pferden.