Maßsattel

Ein Sattel nach Maß für Pferd und Reiter: Lohnt sich die Investition?

Ein Artikel von Claudia Götz | 12.02.2026 - 12:13

Unter Maßsättel versteht man einen Sattel, der auf ein bestimmtes Pferd zugeschnitten gebaut wird – eine der Kernkompetenzen des Sattlerhandwerks. Was viele dabei nicht sofort auf dem Schirm haben ist die Passgenauigkeit für den Menschen, der dieses Pferd reitet. Besonders ums Letztere ging es mir beim ersten Maßsattel meines Lebens.

Klar muss der Sattel dem Pferd passen, aber mir und meinen Bedürfnissen sollten Größe, Form und  Schnitt ebenfalls Rechnung tragen. Und da ich nicht mehr ganz jung und auch nicht mehr ganz gesund bin, stand hierbei vor allem meine Hüfte im Fokus. Ich zeige, welche Kriterien mir wichtig waren und wie der Sattler sie umgesetzt hat und zudem, wie so ein Sattel Schritt für Schritt gearbeitet wird.
 

Die Ausgangssituation

Doch vorweg erst einmal zum Pferd und mir: Das Gangpferd mit 1,40 m Stockmaß war ausgewachsen und ein Jahr unter dem Sattel, als ich den Maßsattel in Auftrag gegeben habe. Ihre Rückenlänge und meine Hosengröße passen wunderbar zusammen, darauf musste nicht grundsätzlich Rücksicht genommen werden.

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Der erste Schritt am Pferd ist das Vermessen des Rückens. © pferdekosmos.de

Für meine vorgeschädigte Hüfte benötige ich einen Flachsitzer mit null Pausche im Dressursitz, damit diese nicht blockiert. Noch wichtiger war mir, dass der Sattel so wenig wie möglich aufträgt, um meine Oberschenkel nicht weiter abzuspreizen als unbedingt notwendig.

Da ich viel im Gelände unterwegs bin und auch einmal die Bügel kürzer schnallen möchte, entschied ich mich für ein etwas vorgezogenes Sattelblatt (ähnlich einem Vielseitigkeitssattel) anstelle eines langen dressurmäßigen Blattes.

All diese Dinge habe ich mit dem Sattlermeister besprochen und auch Erfahrungen mitgeteilt, die ich in Sätteln mit Minimaldesign bereits gemacht hatte. Auf Basis dieser Gespräche hat er dann seine Vorschläge mit mir diskutiert, mir erklärt, was das Pferd braucht und wie er dies aus seiner Erfahrung umsetzen würde.
 

Erste Schritte

Dann ging es los: Als erstes wurde das Pferd an verschiedenen Stellen vermessen und davon eine Übersicht seines Rückenverlaufs im Bereich der Sattellage angefertigt, danach ich auf dem Sattelbock in der Werkstatt, und in verschiedenen Sätteln sitzend. 

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Die Papierschablone für den späteren Sattelbaum © pferdekosmos.de

Wenn ich das Geld in die Hand nehme und einen Sattel nach Maß für mein Pferd und mich bauen lasse, dann nehme ich keine Rücksicht darauf, ob er sich vielleicht in ein paar Jahren wieder gut verkaufen lässt – das war meine Devise. Denn erstens ändern sich Sattelmoden wie jede Mode im Lauf der Jahre und zweitens soll der Sattel ja nicht nur passen, sondern mir auch gefallen. Und deswegen entschied ich mich für Braun, nicht für das derzeit angesagte Schwarz, genauer für zwei verschiedene Brauntöne, sowie einen leicht eckigen Efter, ähnlich wie man ihn eine Weile bei Springsätteln hatte.

Bei der Auswahl des Leders konnten wir auf die Bestände des Sattlermeisters zurückgreifen. Für mich hatte das den Vorteil, dass ich das Leder sehen und anfassen konnte. Ich mag es, wenn Leder altert, sichtbare Spuren bekommt, gegen die zum Beispiel ein genarbtes Leder grundsätzlich unempfindlicher wäre. Also glattes Leder, aber die Info ist natürlich wichtig, wenn man sich für einen Sattel entscheidet, der jungfräulich zu einem kommt.

Nach dem Ausmessen des Pferdes und der grundsätzlichen Absprache des Satteldesigns wurde der Sattelbaum angefertigt. Dieser wurde vom Sattlermeister selber aus thermoplastischem Kunststoff hergestellt.

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Der gefertigte Baum wird am Pferd kontrolliert - zu diesem Zeitpunkt können Änderungen noch leicht durchgeführt werden.  © pferdekosmos.de

Das nächste Mal sah ich den Sattelbaum als er am Pferd kontrolliert wurde. Er hätte zu diesem Zeitpunkt noch sehr leicht verändert werden können. Die Position der Steigbügelfeder war bereits wie besprochen und für mich anatomisch sinnvoll angebracht, die Polsterung der Sitzfläche aufgeklebt. Langsam nahm mein Sattel Form an.

Einreiten einmal anders

Einen neuen Sattel muss man „einreiten“. Da ich früher einige Male auf recht neuen Sätteln gesessen hatte, wusste ich, dass diese sich erst setzen müssen und darauf hatte ich nicht so richtig Lust. Auf der anderen Seite waren diese Sättel ja nicht für mich gemacht.

Spoiler: Das Einreiten des Sattels war dann nicht so nervtötend wie befürchtet.

Das lag daran, dass der Sattel von Anfang an meine Bedürfnisse und die des Pferdes super getroffen hat und auch sofort richtig gut passte. Auch jetzt nach einem Jahr in Betrieb und den ersten Trainingsschritten für den Tölt bin ich unheimlich froh um die geschaffene Freiheit für mein Becken, speziell meine Hüfte, und auch den Beitrag, den das in der Höhe reduzierte Schweißblatt dazu leistet.

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Das Schweißblatt ist etwa ein Viertel kürzer als üblich. © pferdekosmos.de

Lohnt es sich?

Von Anfang an war klar, dass mit einer Filzsatteldecke geritten wird, die gab es auch schon unter dem Gebrauchten zum Anreiten, und deshalb war die gewünschte Verkürzung auch gut möglich. Die Kissen hätte ich aus optischen Gesichtspunkten gerne anders gehabt, aber ich habe hier dem Sattler vertraut, dass er für dieses Pferd mit diesem Rücken und diesen Bewegungen die beste Version baut.

Das war tatsächlich so. Ende Januar 2025 schrieb ich einer Freundin bereits nach einigen Ritten, „ich bin noch nie in einem Sattel geritten, der meiner Hüfte so viel Freiheit verschafft hat“.

Fazit: Ich würde es wieder machen und im nächsten Leben gibt es für jedes Pferd, sobald es in Sachen Wachstum und Training so weit ist, einen Maßsattel.