Studie

Trauer nach dem Tod eines Tieres kann so schwer wie nach dem Verlust eines Menschen sein

Ein Artikel von Redaktion | 26.01.2026 - 11:19
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Trauer um ein Pferd, eine Katze, einen Hund ist keine Übertreibung. Sie ist real, tief und verdient Mitgefühl – und gegebenenfalls professionelle Unterstützung. © Image by Rebecca Scholz from Pixabay

Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im renommierten Fachjournal PLOS One, zeigt: Menschen, die ein Haustier verlieren, können an einer sogenannten anhaltenden Trauerstörung (Prolonged Grief Disorder, PGD) erkranken – einer ernstzunehmenden psychischen Erkrankung. Sie geht weit über „normale“ Trauer hinaus und kann Monate oder sogar Jahre andauern.
 

Wenn Trauer nicht endet

PGD äußert sich durch eine überwältigende Trauer und Sehnsucht, oft begleitet von Wut, Schuldgefühlen und Schwierigkeiten, den Verlust zu akzeptieren. Sozialer Rückzug und die Unfähigkeit, sich nach dem Trauerfall im Alltag zurechtzufinden, sind die Folge. Die Diagnose PGD kann bilsang nur nach dem Verlust eines Menschen gestellt werden. Die Folgen, die Trauer um ein geliebtes Tier eines Tieres, fallen nicht darunter.

Der Psychologe Professor Philip Hyland von der Maynooth University in Irland hält das für einen schwerwiegenden blinden Fleck. Seine Forschung basiert auf einer Befragung von 975 Erwachsenen in Großbritannien. Das Ergebnis ist eindrucksvoll: 7,5 Prozent der Menschen, die ein Haustier verloren hatten, erfüllten die Kriterien für PGD – nahezu genauso viele wie nach dem Tod eines engen Freundes.

Die Zahlen liegen nur knapp unter jenen nach dem Verlust eines Großelternteils, eines Brudes oder einer Schwester – oder sogar Partners. Lediglich der Tod von Eltern oder Kindern führte statistisch zu deutlich höheren Raten.

Besonders bemerkenswert: Rund ein Fünftel der Befragten, die sowohl einen Menschen als auch ein Tier verloren hatten, empfanden den Verlust des Tieres als schmerzhafter.


Tiere sind Familie

Gerade in der Pferdewelt ist diese emotionale Tiefe kaum überraschend. Pferde sind keine „Haustiere“ im klassischen Sinn. Sie sind Partner, Seelentröster, Sportkameraden – oft über Jahrzehnte hinweg. Sie begleiten durch Jugend, Erwachsenwerden, gute und schlechte Zeiten. Der tägliche Gang in den Stall, das vertraute Wiehern, der Geruch von Heu und Fell – all das fehlt schmerzlich, wenn ein geliebtes Pferd stirbt.

Was die Trauer zusätzlich erschwert: Frühere Studien haben gezeigt, dass Menschen sich häufig schämen, wenn sie offen um ein Tier trauern. Sie fühlen sich missverstanden oder nicht ernst genommen – ein zusätzlicher Schmerz, der die heilsame Verarbeitung bremst.
 

Ein Appell an Medizin und Gesellschaft

Angesichts seiner Forschungsergebnisse steht für Studienautor Philip Hyland fest: Die Trauer um ein Tier kann genauso schwer wiegen wie die um einen Menschen, die diagnostischen Leitlinien sollten deshalb erweitert und der Verlust eines Tieres offiziell als möglicher Auslöser für PGD anerkannt werden. 

„Menschen können alle klinischen Kriterien für eine anhaltende Trauerstörung erfüllen und dennoch keine Diagnose erhalten – allein, weil das verstorbene Wesen kein Mensch war“, so Hyland. Aus psychologischer wie auch evolutionärer Sicht sei das kaum zu rechtfertigen. Er bezeichnet den Ausschluss von Tierverlusten als wissenschaftlich verfehlt und menschlich kalt.

Für Tierfreunde ist die Studie zugleich ein ermutigendes Signal: Trauer um ein Pferd, eine Katze, einen Hund ist keine Übertreibung, kein Luxusproblem, kein sentimentales Missverständnis. Sie ist real, tief und verdient Mitgefühl – und gegebenenfalls professionelle Unterstützung.