Haltung

Präbiotika können Magenentzündungen bei Pferden hervorrufen

Ein Artikel von Pressemitteilung | PS | 07.10.2019 - 16:12
15108256259592.jpg

Präbiotika schaden mehr als sie nützen - zu diesem Ergebnis kommt eine Studie deutscher Forscher.
© www.slawik.com

Präbiotika werden häufig dem Futter von Pferden zugesetzt, um deren Gesundheit zu fördern. Dabei handelt es sich um unverdauliche Ballaststoffe, die das Wachstum und die Aktivität bestimmter, gesundheitsförderlicher Bakterien im Dickdarm anregen können. "Pferde haben ein relativ kleines, artenarmes Kernmikrobiom und sind deshalb sehr anfällig für Störungen der Verdauung", sagt Prof. Dr. Annette Zeyner, Professorin für Tierernährung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Ob der Einsatz von Präbiotika aber in der Realität immer zu den gewünschten Effekten führt, sei bislang nicht ausreichend erforscht, so die Wissenschaftlerin weiter. In Kooperation mit Prof. Dr. Gerhard Breves von der der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) ging ihre Arbeitsgruppe dieser Frage deshalb in einer eigenen Arbeit nach.

Studie: Lebendhefe hilft Pferden Futter besser zu verwerten

Probiotika in der Pferdefütterung sind mehr als ein bloßer Verkaufsgag. Spezifische Lebendhefen verbessern die Verdaulichkeit von Fasern im Futter signifikant und tragen so zu einer Verbesserung der Körperkondition bei. Das bestätigt eine Studie französischer Forscher. Gleich weilterlesen ...

Wirken bereits im Magen

Für die Studie untersuchte das Forschungsteam die Wirkung von Topinambur-Mehl auf Pferde. Dabei handelt es sich um ein typisches Präbiotikum für Pferde. Eine Gruppe von sechs Tieren erhielt zusätzlich zum normalen Futter das Mehl, das hohe Mengen bestimmter Kohlenhydrate, so genannte Frukto-Oligosaccharide (FOS) und Inulin, enthält. Eine weitere Gruppe von sechs Pferden erhielt stattdessen ein Placebo zum normalen Futter. Anschließend analysierten die Forscher den Bakterienhaushalt im Verdauungstrakt der Tiere aus beiden Gruppen. Dabei stellte sich heraus, dass die Präbiotika bereits im Magen durch die dort natürlich lebenden Mikroorganismen fermentiert wurden - also bereits deutlich zu früh wirken. "Bei der Fermentation bilden sich organische Säuren, die - anders als im Dickdarm - im Magen die Schleimhaut der Pferde schädigen können", sagt Maren Glatter, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe von Zeyner und Erst-Autorin der Studie.

Zwar nahm auch die bakterielle Vielfalt im gesamten Verdauungstrakt zu, was vermutlich auch die gewünschte Schutzwirkung hat. "Wenn man die Präbiotika aber in ihrer bisherigen Form verwendet, schaden sie eher, als dass sie nützen", fasst Zeyner zusammen. Das Team schlägt deshalb vor, präbiotische Nahrungsergänzungsmittel stattdessen so aufzubereiten, dass sie erst im Dickdarm wirken können.

Die Studie mit dem Titel "Glatter M et al. Modification of the equine gastrointestinal microbiota by Jerusalem artichoke meal supplementation" erschien kürzlich in der Fachzeitschrift "PLOS ONE".