Forschung

Rechtshändige Pferde sind optimistischer

Ein Artikel von Pamela Sladky | 16.01.2019 - 14:53
wielkopolska_ezop514121_1.jpg

Pferde, bei denen die linke Gehirnhälfte vorherrschend ist, begegnen Neuem eher optimistisch.
©www.Slawik.com

Wie beim Menschen teilt sich auch das Gehirn von Pferden in eine linke und eine rechte Gehirnhälfte, die jeweils für unterschiedliche Aufgaben zuständig sind. Forschungen haben gezeigt, dass die rechte Hirnhemispähre hauptsächlich das Entzugsverhalten und die Reaktionen auf Stress, Neues, soziale Interaktionen und Raubtiere kontrolliert und mit der linken Körperseite verbunden ist. Die linke Gehirnhälfte hingegen ist in der Regel für die Kategorisierung von Reizen, Routinesituationen und das Annäherungsverhalten verantwortlich. Sie korreliert mit der rechten Seite des Körpers. Davon abgesehen werden auch Charaktereigenschaften entweder der einen oder der anderen Gehirnhälfte zugeordnet. Und je nachdem, welche der beiden Hemisphären dominiert, zeichnen sich bestimmte Wesenszüge stärker ab als andere. So zumindest die Theorie.

Welche Gehirnhälfte vorherrschend ist, lässt sich unter anderem an der Händigkeit erkennen. Bei Pferden, die bevorzugt mit dem rechten Vorderbein losgehen, werden Informationen vermehrt in der linken Hemisphäre verarbeitet. Bei Linksfüßern verhält es sich genau andersherum.

Dass die sogenannte Lateralität damit letztlich auch Auswirkungen darauf haben kann, wie Pferde neutralen Reizen begegnen, lässt eine aktuelle Studie von Isabell Marr, Kate Farmer und Konstanze Krüger vermuten.  

Das Forscher-Trio beobachtete das Verhalten von 17 Pferden, die zuvor gelernt hatten zwischen einem positiv und einem negativ besetzten Ort zu unterscheiden. In ersterem wurde den Probanden eine, durch einen Deckel verschlossene, Holzbox präsentiert, in der die Pferde eine Karotte vorfanden, sobald sie sie öffneten. Der negative Ort unterschied sich darin, dass sich die Holzbox nicht öffnen ließ - ergo gab es auch keine Karotte.

Wurde dieselbe Holzbox nun an einem neutralen Ort in der Mitte platziert, gingen Pferde, die ihre Erkundungstour mit dem rechten Vorderbein begannen, mit deutlich mehr Optimismus an die Sache heran. „Pferde, die häufiger mit dem rechten Vorderbein aus dem Stand starteten, waren eher dazu bereit, die doppeldeutige Box als positiv zu behandeln und auf sie zuzugehen“, berichtet das Trio seine Beobachtungen im Wissenschaftsmagazin Animals.

Diese Pferde, so die Forscher, tendierten eher dazu eine unverschlossene Box und damit eine Karotte zu erwarten. „Sie haben die Box deutlich länger untersucht und probiert sie zu öffnen als am negativ besetzten Ort und so ihren Optimismus erkennen lassen.“ Der war bei bei ihren linksbeinigen Kollegen signifikant geringer ausgeprägt.

Auf den täglichen Umgang und das Training umgelegt, heißt das, dass rechtshändige Pferde vermutlich eher dazu tendieren, einem neutralen Reiz positiv und aufgeschlossen zu begegnen als Pferde, bei denen die linke Körperseite und damit die rechte Gehirnhälfte vorherrschend ist. Wer einen linksbeinigen Pessimisten im Stall stehen hat, hat damit endlich eine Erklärung parat, warum bei seinem Pferd gelegentlich ein Tick mehr Überzeugungsarbeit vonnöten ist.