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Der Trab ist jene Gangart, die am meisten verbessert werden kann. Das Ziel: locker leicht, schwingend, kadenziert soll er sein. © www.Slawik.com

Vom Traben zum Tanzen – mit 10 Übungen zum Traumtrab

Ein Artikel von Britta Schöffmann / Stephanie Schiller | 21.05.2020 - 09:30

 

1. TRAB – SCHRITT – TRAB

Beim fließenden Hineinreiten in den Mittel- oder starken Schritt schiebt das Pferd vermehrt unter den Schwerpunkt, das verbessert Schubkraft und Anlehnung. Bem Antraben muss das Pferd minimal mehr Last mit der Hinterhand aufnehmen, um seine Masse vorwärts-aufwärts in Bewegung zu setzen. Diese Übergänge lassen sich in zwei Varianten ausführen. Bei der Basisvariante werden die Trab- und Schrittsequenzen jeweils über mehrere Meter ausgeführt, bevor der nächste Übergang eingeleitet wird. Klappt der Wechsel zwischen Schritt und Trab nach diesem Vorbild bereits weich und fließend, kann man dazu übergehen, nur ganz kurz in den Schritt zu parieren, um danach umgehend wieder anzutraben. Letztere Variante fördert die Reaktionsschnelligkeit auf die Schenkelhilfe, die Aktivität der Hinterhand und die Hankenbeugung. Sämtliche Übergänge müssen fließend und ohne zu stocken ausgeführt werden, damit sie ihren positiven Effekt entfalten können. 

2. ZULEGEN – EINFANGEN

Der Trab lässt sich nicht nur mit Übergängen zwischen den Gangarten verbessern, auch Tempovariationen tragen dazu bei, die Qualität des Zweitaktes voranzutreiben. Wichtig ist auch hier, dass sowohl der Fluss der Bewegung als auch der Rhythmus erhalten bleiben. Besonders bei der Rückführung ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Bewegung nicht ins Stocken gerät oder langsamer wird. Je fleißiger und rhythmischer die Hinterbeine weiterhin abfußen, desto ehrlicher müssen sich die Hanken beugen. Das führt zu Kraftaufbau der Hinterhand und zu Schwungverbesserung. 

3. TRABVERSTÄRKUNGEN

Verstärkungen sollten immer wieder mal in die Trabarbeit eingebaut werden. Je weniger Arbeit man als Reiter*in dabei hat, desto besser war der Trab im Vorfeld. Wichtiger Hinweis: Zur Trabverstärkung nicht die Zügel durchhängen lassen, sondern in die Zügelverbindung hineintreiben. Bei Pferden, die von sich aus bereits sehr aktiv vorwärts ziehen, hat es sich bewährt, bei jedem Tritt an Versammlung zu denken, also winzige halbe Paraden zu geben. Das verhindert, dass das Pferd bei der Schuberhöhung auf die Vorhand drückt, und leitet die Verstärkung Tritt für Tritt ins Bergauf. 

4. TRAB-HALT-ÜBERGÄNGE, KOMBINIERT MIT TRAB – HALT – RÜCKWÄRTS – ANTRABEN

Ganze Paraden aus dem Trab schließen das Pferd vermehrt von hinten nach vorn – zumindest sofern sie korrekt ausgeführt werden. Die Qualität der Parade und des Haltens sagt viel über den aktuellen Zustand der Tragkraft aus. Eine gute Parade erfordert bereits ein gewisses Maß an Tragkraft, sie fördert diese aber auch. Kombiniert mit Rückwärtsrichten und daraus antraben (nicht jedes Mal, damit das Pferd nicht ohne Aufforderung zurücktritt), verstärkt sich die Beugearbeit der Hanken und damit der Kraftaufbau noch. 

5. ZIRKEL VERKLEINERN UND VERGRÖßERN IM TRAB (UND IM GALOPP)

Der Wechsel der Biegungsintensität – je kleiner der Bogen, desto höher der Grad der Biegung – gymnastiziert das Pferd nicht nur in Richtung Geraderichtung, es fördert auch die Hankenbeugung und die Lastaufnahme. Je kleiner der Zirkel geritten wird, desto höher muss der Versammlungsgrad sein, um einen Gleichgewichtsverlust zu vermeiden. Eine Übungsvariante: beim Verkleinern Versammlung erhöhen, beim Vergrößern Richtung Arbeitstempo zulegen. 

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Gemeinsam mit dem Pferd Tanzen – ein Weg dazu führt über die Piaffe. Sie macht auch den Trab ausdrucksvoller. © www.Slawik.com

Lässt sich jedes Pferd zum Tanzen bringen?
Jein! Zunächst muss man genauer definieren, welche Art von Tanz man denn erwartet: den eleganten einer Primaballerina, den feurigen eines Paso-Doble-Tänzers, den kraftvollen einer Athletin oder den etwas schwerfälligen eines Holzfällers. Die Art des Tanzes und seine Entwicklung sind nämlich ebenso abhängig von Körperbau, Trainingsintensität und Talent wie die Art des Trabes eines Pferdes. Hier ist zum einen das Exterieur maßgeblich mitbestimmend, zum anderen der Trainingszustand und außerdem, ganz wichtig: die Qualität seiner natürlichen Gänge, also sein Talent. Das Training eines Pferdes lässt sich optimieren, seine natürlichen Anlangen dagegen nicht verändern. Wer also zum Beispiel ein kurzbeiniges, etwas dickliches Pony, einen kräftigen Kaltblüter oder ein Pferd mit sehr steiler Schulter sein Eigen nennt, darf zwar hoffen, auch den Trab dieser Pferde verbessern zu können – aber eben nur innerhalb der natürlichen Grenzen. Und die sind bei manchen Pferde nun einmal enger gezogen als bei anderen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Doch zu einem wirklichen tänzerischen und ausdrucksvollen Trab gehören neben dem so wichtigen Takt auch Dinge wie Fleiß, Schulterfreiheit, Schwung, Kadenz und Federkraft, landläufig auch als „Gummi“ bezeichnet. Je mehr Gummi ein Pferd von Haus aus mitbringt, desto eher lässt sich daraus mit der Zeit ein hochkarätiger Tänzer formen. 

6. SEITENGÄNGE BRINGEN MEHR BEWEGLICHKEIT

Schultervor, Schulterherein, Travers, Renvers, Traversale: Sämtliche Seitengänge sprechen andere Muskelgruppen an als simples Vorwärtsreiten auf Geraden oder das Reiten auf gebogenen Linien. Richtig geritten verbessern sie die Beweglichkeit der Lendenpartie, aber auch der Schulter. Verstärken lässt sich der Effekt durch den wiederholten Wechsel zwischen den Seitengängen. Je fließender die Wechsel gelingen, desto beweglicher wird das Pferd. Je nach Seitengang trägt es mal mit dem einen Hinterbein mehr, mal mit dem anderen. Wichtig ist, die Seitengänge nicht mit zu großer Abstellung zu reiten, sonst gehen neben Stellung und Biegung auch ganz schnell Schwung und Takt verloren. Daran erstickt man ausdrucksvollere Bewegungsabläufe schon im Keim – und die positiven Auswirkungen der Lektionen sind dahin. 

7. ZICK-ZACK ZWISCHEN TRAVERSALE UND SCHENKELWEICHEN

Eine Übung, bei der das innere Hinterbein im Wechsel mal trägt, mal schiebt (das äußere umgekehrt), mehr Schulterfreiheit und obendrein viel Kraft für die Hinterhand bringt, ist der wiederholte Wechsel zwischen Traversale und Schenkelweichen. Dabei werden an der lagen Seite erst zwei, drei Tritte Traversale in Richtung Bahnmitte geritten, um dann im Schenkelweichen (Viereck vergrößern) wieder zum Hufschlag zurück zu reiten. Diese Übung lässt sich, wenn das Pferd gut auf die Reiterhilfen abgestimmt ist, auf 40 Meter zweimal hintereinander reiten, günstiger sind jedoch 60 Meter, wenn Pferd und Reiter*in noch nicht so sicher in der schnellen Hilfenabfolge sind bzw. ohnedies zum Schludern neigen. 

8. PIAFFETRITTE

Auch wenn nicht jedes Pferd piaffieren lernen muss und die wenigsten tatsächlich mal einen Grand Prix gehen werden: Das Erarbeiten von Piaffetritten kann enorm helfen, den Trab ausdrucksvoller zu machen. Schon wenige Tritte in dieser sehr fordernden Lektion lassen das Pferd durch deutliches Beugen seiner Hanken zusätzlich Kraft in der Hinterhand aufbauen. Diese Lektionen sollten aber nur unter Anleitung eines erfahrenen Ausbilders erarbeitet werden, denn hier kann eine ganze Menge falsch gemacht werden und viel schiefgehen. 

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Cavaletti-Arbeit kann unterstützend zur Erarbeitung von mehr Kadenz eingesetzt werden. ©www.Slawik.com

9. CAVALETTI-ARBEIT

Höhe und Abstand der Cavaletti lassen sich passend zum jeweiligen Pferd variieren. Beim Lösen würde man die Cavaletti weiter und niedriger aufbauen, wird Richtung Versammlung gearbeitet, ist es sinnvoll, sie um eine Drehung anzuheben. Das Pferd wird dadurch aufgefordert, höher abzufußen. Günstig ist der Aufbau auf einer Zirkellinie, bei der die Cavaletti innen ein wenig enger liegen als außen. Auf diese Weise lässt sich – abhängig davon, auf welcher Linie man reitet – zwischen etwas kürzeren und damit höheren und etwas längeren Tritten wechseln. 

10. GELÄNDEREITEN

Reiten auf unebenem Gelände bergauf und bergab fördert die Kraft der Hinterhand und auch die Trittsicherheit ungemein. Den Stalldrang auf dem Heimweg und damit die natürlich aufkommende Frische kann man außerdem nutzen, das Pferd über viele halbe Paraden zum etwas exaltierteren Traben zu bringen. Dabei gilt es aber aufzupassen, dass aus positiver Körperspannung nicht negative Verspannung wird.