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Wenn der Longiergurt drückt, können die Bewegungen nicht ordentlich durch den Pferdekörper fließen.

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Ausbildung

Wie Longiergurte den Trainingserfolg negativ beeinflussen können

Ein Artikel von Pamela Sladky | 16.07.2018 - 13:20

Hilfszügel sollen dem Pferd an der Longe den Weg in die Tiefe zeigen, ihm helfen, eine konstante Anlehnung zu finden und an den richtigen Stellen Muskulatur aufzubauen. Dass sich diese Ziele mit Hilfe verschiedener Trainingssysteme durchaus leichter verwirklichen lassen, haben vorangegangene Studien bereits gezeigt. Allerdings nützt der beste Hilfszügel nicht, wenn das Pferd daran gehindert wird, sich im Training loszulassen.

„Trainingshilfen sind aus verschiedenen Gründen sehr sinnvoll, aber ihre Vorteile können verwässert werden, wenn unangenehmer Druck dazwischenfunkt“, erklärt Russel Guire vom Royal Veterinary College in London in einer kürzlich vorgestellten Studie.

Knackpunkt Longiergurt

Im Versuch untersuchte das Forscherteam die Auswirkungen unterschiedlicher Hilfszügelsysteme auf zehn gesunde Reitpferde. Die Pferde wurden in beide Richtungen mit jeweils vier Wiederholungen auf einem 16 m-Zirkel longiert. Dabei waren sie entweder nur mit einem Longiergurt, einem Longiergurt inkl. Pessoa Trainingshilfe, einer Seil-Longierhilfe oder einem Longiergurt samt Ausbindern ausgerüstet. Fünf fixe Sensoren, angebracht im Bereich des Genicks, am Widerrist, am Kreuzbein und den Hüfthöckern, zeichneten die Bewegungen des Pferdebeckens sowie die Bewegungssymmetrie während des Tests auf.  

Die Auswertung der Ergebnisse brachte ein überraschendes Ergebnis: Ob mit eingeschnallten Hilfzügeln oder nur mit Loniergurt alleine – statistisch signifikate Unterschiede im Bewegungsablauf ließen sich weder im Galopp noch im Trab feststellen. Die Ursache für dieses Phänomen orten Guire und sein Team vor allem im Druck, der vom Longiergurt ausgeht.

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Ein Longiergurt mit Formkissen kann den Druck im sensiblen Bereich zwischen dem 12. und 13. Brustwirbel reduzieren.

„Wir haben unter dem Longiergurt einen ähnlich starken Druck gemessen, wie er beim Reiten im ausgesessenen Trab auftritt“, so Guire. „Die meisten Longiergurte haben keinen Baum. Sobald sie für einen sicheren Halt festgezogen werden, üben sie direkten Druck auf die Wirbelsäule des Pferdes im Bereich des 12. und 13. Brustwirbels aus. Wir denken, dass dadurch sämtliche Vorteile, die ein Hilfszügel mitbringt, deutlich einschränkt oder sogar neutralisiert werden.“

Der Bereich unmittelbar hinter dem Widerrist gilt als besonders sensibel, wie eine frühere Studie des Forscherteams gezeigt hat. Wirkt hier punktueller Druck, kann der Bewegungsablauf des Pferdes empfindlich gestört werden.

Entgegenwirken kann man diesem Problem, indem man den Longiergurt über den Sattel schnallt. Auch spezielle Polster im Bereich des Widerrists können helfen, den Druck zu minimieren und die Losgelassenheit des Pferdes zu fördern.