Stefan Lehfellner und Roberto Carlos MT beim Pflichtturnier 2025 in Achleiten © Alice Benes Fotografie
Im Jahr der Weltmeisterschaften in Aachen verzichtet der Österreichische Pferdesportverband in der Allgemeinen Klasse auf eine verpflichtende Sichtung in Achleiten. Anders als in den vergangenen Jahren wird es kein fixes Qualifikationsturnier geben, bei dem sich alle Kandidat:innen im direkten Vergleich messen müssen.
„Ich denke, dass wir über die Saison hinweg genügend Informationen bekommen werden, wie sich ein Team gestaltet“, erklärt Dressur-Bundesreferentin Dr. Ursula Barth. „Ich glaube nicht, dass es uns in den vergangenen Jahren wahnsinnig weitergebracht hat die in Frage kommenden Paare knapp vorher noch einmal gegeneinander reiten zu lassen.“
Statt eines Pflichttermins soll die gesamte Turniersaison als Bewertungsgrundlage dienen. Die Reiterinnen und Reiter sollen ihre Planung eigenverantwortlich gestalten – abgestimmt auf ihre Pferde, deren Vorlieben und deren Belastbarkeit. „Die Reiter sollen sich einteilen, wie sie es für sich und ihre Pferde richtig halten“, so Barth.
Man werde beobachten, wer im Laufe der Saison mit welchen Pferden in Erscheinung tritt. Sollten neue WM-Kandidaten auftauchen, werde man das entsprechend berücksichtigen.
Ein großer direkter Vergleich aller potenziellen WM-Starter sei aus ihrer Sicht nicht zwingend notwendig. „Wir haben nicht 15 Starter, die wir gegeneinander antreten lassen müssen, um die Besten herauszufinden.“
Gezählt werden letztlich die zwei besten Wahlturniere, wobei der Verlauf der Formkurve ebenfalls in die Entscheidung miteinfließen soll.
Mehr Flexibilität
Ein entscheidender Punkt, den dieser neue Weg mit sich bringt, ist mehr Flexibilität. Die hatte man schon im Vorjahr bei der EM-Nominierung von Bettina Kendlbacher gezeigt. Trotz Abweichungen von den Qualifikationskriterien erhielt die Steierin die Möglichkeit, in Crozet an den Start zu gehen. Das in sie gesetzte Vertrauen bestätigte die Steierin mit eine starken Runde und einem guten Ergebnis. „Ich möchte mich nicht einschränken in der Wahlfreiheit“, betont Barth. „Deshalb gestalten wir den Qualifikationsprozess heuer etwas anders.“
Bettina Kendlbacher und Boradmoars Don Alfredo AWO überzeugten bei der EM in Crozet mit einer schönen Runde. © OEPS
Wer letztlich für Aachen in Frage kommt, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. Vorjahres-Überraschung Felicita Simoncic etwa, die zu ihrem Einstand in der Allgemeinen Klasse mit starken Ergebnissen aufgezeigt hatte, habe angekündigt, es „probieren“ zu wollen. Bei manchem arrivierten Paar sei die Situation hingegen noch nicht endgültig geklärt. Spätestens mit dem Stichtag 1. April werde sich zeigen, wer weiterhin im Kader geführt wird.
„Es ist noch ein bisschen früh im Jahr“, sagt Barth. „Das wird sich im Laufe der Saison ergeben.“
Turnierwahl liegt bei den Reiterinnen und Reitern
Konkrete Vorgaben für Wahlturniere gibt es nicht. Die Qualität der Veranstaltungen werde jedoch durchaus eine Rolle spielen. „Ich wünsche mir, dass sich alle gute Turniere aussuchen“, erklärt Barth. Gleichzeitig verweist sie auf die begrenzten Startmöglichkeiten auf namhaften CDIs: „Auf den großen Turnieren bekommen wir nicht endlos viele Startplätze. Das ist leider Realität.“
Die Aufgabe des Verbandes sei es daher vor allem, möglichst viele Startmöglichkeiten zu unterstützen – nicht jedoch, den Reitern bestimmte Turniere vorzuschreiben. „Es ist nicht meine Aufgabe zu sagen: Du musst dort reiten.“
Was man mit der Neuregelung jedenfalls verhindern will ist, die Pferde im eigenen Qualifikationsmodus unnötig zu belasten. Gerade im Hinblick auf eine WM in Aachen – mit ihrer besonderen Atmosphäre und hohen Anforderungen – müsse man sorgfältig planen.
Pflichtturnier bleibt als Joker
Ganz vom Tisch ist eine finale Standortbestimmung übrigens nicht. In den Kaderkriterien hat sich der Verband die Möglichkeit offengehalten, im Bedarfsfall noch eine letzte Vergleichsmöglichkeit vor der nominativen Nennung zu schaffen. „Das ist Absicht“, bestätigt Barth. Sollte es sportlich „hart auf hart kommen“, könne man diese Option ziehen.
In den Nachwuchsklassen wird es weiterhin ein Pflichtturnier für Championatsaspiranten geben. Im Bild: U25-Reiter Paul Jöbstl und Die Baroness © Alice Benes Fotografie
Unveränderte Linie im Nachwuchs
Während die Allgemeine Klasse auf gesteigerte Flexibilität setzt, bleibt man im Nachwuchsbereich beim bewährten Qualifikationsweg. Dort ist zusätzlich zu den zwei Wahlturnieren jeweils ein letztes Pflichtturnier vorgesehen. Children, Junioren, Junge Reiter und U25 mit Championatsambitionen müssen sich Mitte Juni in Achleiten zeigen, für Ponyreiter:innen ist eine Woche später das internationale Nachwuchsturnier in Pilisjaszfalu (HUN) Pflicht.
„Der Saisonauftakt in Stadl-Paura hat gezeigt, dass wir in den Nachwuchsklassen einige neue Gesichter dabeihaben, zudem habe ich ein riesiges Talente Team mit 20 Reitern“, sagt Barth. „Da brauche ich natürlich schon ein Turnier, wo ein direkter Vergleich möglich ist.“
„Jeder träumt von Aachen“
Die Weltmeisterschaften Mitte August in Aachen seien in jeder Hinsicht ein Höhepunkt. „Eine WM ist noch einmal eine Hausnummer größer“, so Barth. „Und dann auch noch in Aachen – da will jeder reiten. Das ist für viele ein Traum.“
Bis dahin bleibt Zeit. Zeit, die man sich im Verband bewusst geben will, um die richtigen Paare zu finden, die Österreich auf dieser besonderen Bühne vertreten sollen.