Interview

Neustart im Sattel: Diana Porsche über Mutterglück, Imhotep und den Traum von Aachen

Ein Artikel von Pamela Sladky | 30.01.2026 - 10:21
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Der zwölfjährige Hannoveraner Dahoud ist Diana Porsches Herzenspferd und ihre sichere Bank für gute Ergebnisse in ihrer Comeback-Saison.  © Alice Benes Fotografie

Pferderevue: Als allererstes möchte ich gerne wissen: Wie geht es dir?

Diana Porsche: Mir geht es sehr gut, auch wenn ein Kind natürlich eine enorme Umstellung bedeutet. Leonardo steht jetzt ganz klar an erster Stelle. Früher musste ich mich nur um mich selbst und meine Pferde kümmern, jetzt gilt es, alles zu koordinieren. Gerade am Anfang war das eine Herausforderung, ich habe eine große Verantwortung gegenüber meinen Pferden und gleichzeitig den Anspruch, diszipliniert zu trainieren. Aber ich habe das Glück, dass ich großartig unterstützt werde – von meiner Mutter und meinem Mann, die sich vormittags um Leonardo kümmern. In dieser Zeit kann ich mich voll auf das Reiten konzentrieren. Meist schläft er in dieser Zeit. Ab Mittag gehört meine Aufmerksamkeit wieder ganz ihm.

Pferderevue: Du reitest alle deine Pferde selbst?

Diana Porsche: Ja. Nach der Geburt habe ich mir zunächst Unterstützung geholt, aber schnell gemerkt, wie wichtig es mir ist, dass meine Handschrift und mein System erhalten bleiben. Deshalb habe ich meinen Alltag neu organisiert: Statt alle sieben Pferde an einem Tag zu reiten, konzentriere ich mich täglich auf vier bis fünf. Das funktioniert für mich am besten – und ich habe ein ruhiges Gewissen.

Pferderevue: Anfang Februar endet dein Mutterschutz, dein Comeback wirst du Anfang Februar beim Dressur-Opening in Stadl-Paura geben. Wen wirst du dort starten?

Diana Porsche: Dahoud und Imhotep. Mit Dahoud möchte ich gerne eine lockere Runde im Test of Choice reiten, er war das letzte Mal im April am Turnier und soll wieder Routine bekommen. Mit Imhotep geht es darum, eine gemeinsam Turnierroutine zu erarbeiten. Stadl-Paura ist unser erstes Turnier, wir hatten Gott sei Dank sehr lange Zeit uns aufeinander einspielen und sind zuhause ein sehr gutes Team geworden. Er versteht mich und ich denke, ich habe ihn sehr gut in mein System integriert, ich reite mit sehr wenig Druck. Für mich waren die Wechsel die größte Herausforderung, er ist da immer ein bisschen heiß geworden und ich habe selbst viel lernen müssen, wie ich meine Hilfen immer mehr verfeinere. Zuhause läuft es inzwischen sehr gut, meine Trainer sind begeistert. Jetzt wollen wir sehen, wie’s am Turnier klappt. Er hat alle Qualitäten, die es für den Sport braucht. Es ist einfach eine Frage der Zeit, bis wir sein gesamtes Potenzial auch in einer Prüfung zeigen können.

Pferderevue: Man weiß ja von Imhotep, dass er ein recht heißes Eisen sein kann. Wie gehst du damit um?

Diana Porsche: Zu Beginn der Schwangerschaft hatte ich ehrlich schon etwas Bedenken, wie das wohl mit ihm wird. Aber er hat sich großartig darauf eingestellt. Er ist komplett runtergefahren und hat sich merklich verändert. Wir haben ihn natürlich auch sehr viel draußen, aber bei uns sind die Gegebenheiten im Winter, mit Schnee, Eis und teilweise bis zu Minus 20 Grad in der Nacht doch anders als in England. Da ist es nicht möglich, ihn 24 Stunden draußen zu halten. Wir haben es trotzdem so hinbekommen, dass er sich wohlfühlt und entspannt ist.

Auf Turnieren werde ich es genauso handhaben wie zuhause: ruhig, locker reiten ohne großes Aufsehen. Klar wird er in fremder Umgebung etwas hochfahren, aber ich denke, mit zunehmender Routine wird sich das legen.

Pferderevue: Was unterscheidet ein selbst ausgebildetes Pferd von einem „fertig“ übernommenen?

Diana Porsche: Ich habe schon einige Pferde bis Grand Prix ausgebildet und muss sagen, dass ich mir da deutlich leichter tue als jetzt mit Imhotep. Er ist ein Pferd, das Charlotte von Jungpferde-Alter komplett nach ihrer Fasson ausgebildet hat. Sich darauf einzustellen, ist eine Herausforderung. Und auch für ein Pferd ist ein Reiterwechsel eine große Umstellung – es muss Vertrauen fassen und sich auf eine neue Art zu reiten einlassen. Dass mir Imhotep sein Vertrauen schenkt und sich ganz auf mich einlässt, dafür bin ich sehr dankbar. Nur weil man reiten kann und ein Top-Pferd hat heißt das noch lange nicht, dass es funktioniert.  

Pferderevue: Neben Dahoud und Imhotep steht mit Kentucky ein drittes Grand-Prix-Pferd bereit. Was hast du mit ihm geplant?

Diana Porsche: Mit Kentucky bin ich letztes Jahr bereits Kurz-Grand-Prix und Grand Prix gegangen. Und dann habe ich mit Lord Franklin noch ein weiteres Pfed, das bereit ist, in den Grand-Prix-Sport einzusteigen. Beim ersten Turnier will ich mich aber auf Dahoud und Imhotep konzentrieren. Danach kommen die anderen dran. Mit Baby möchte ich maximal zwei Pferde gleichzeitig auf ein Turnier mitnehmen – so bleibt genug Zeit für jeden.

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Den talentierten zehnjährige Lord Franklin hat Diana Porsche während ihrer Schwangerschaft zur Grand-Prix-Reife gefördert. Der KWPN-Wallach  soll in dieser Saison auf Turnieren in die Königsklasse hineinschnuppern.  © Alice Benes Fotografie

Pferderevue: Vier Grand-Prix-Pferde und ein Neugeborenes – kann man sich da überhaupt sportliche Ziele setzen?

Diana Porsche: Konkrete Ziele habe ich mir bewusst nicht gesteckt. Mein Fokus liegt darauf, wieder in die Turnierroutine zu finden und schöne Prüfungen zu reiten. Alles Weitere wird sich ergeben.

Pferderevue: Du bist kürzlich zum ungarischen Verband gewechselt. Was erwartet man dort von dir?

Diana Porsche: Natürlich möchte ich für Ungarn gute Ergebnisse erzielen. Gleichzeitig weiß man dort, dass ich ein Baby zuhause habe und es etwas dauern kann, bis alles wieder richtig rund läuft. Ich bin aber zuversichtlich – besonders mit Dahoud, der sich in den vergangenen Monaten noch einmal ordentlich weiterentwickelt hat. Ich war ja praktisch durchgehend im Training und saß schon eine Woche nach der Geburt wieder im Sattel.

Mit Imhotep möchte ich mir einfach Zeit nehmen, auch wenn sich natürlich die meisten auf ihn fokussieren werden. Aber ich muss in erster Linie auf mich selbst schauen, ich will mir keinen Druck machen. Im Endeffekt ist er ein Pferd wie jedes andere, es braucht einfach Zeit, bis sich alles einspielt. Deswegen lasse ich alles auf mich zukommen und reite von Turnier zu Turnier.

Pferderevue: Du hast es vorhin gerade angesprochen: Du bist bis am Tag vor der Geburt noch geritten und eine Woche danach schon wieder im Sattel gesessen. Das ist körperlich eine beachtliche Leistung. Wie hast du das geschafft?

Diana Porsche: Das war nur möglich, weil mir meine Pferde so viel Vertrauen geben. Auf ein schwieriges Pferd wäre ich nicht mehr aufgestiegen – die Gesundheit meines Kindes hatte immer oberste Priorität. Dass ich bis zum letzten Tag reite war so eigentlich gar nicht so geplant, der Geburtstermin wäre eigentlich fünf Tage später gewesen. Ich hatte einen Kontrolltermin, zu dem ich sogar in Reitsachen gegangen bin. Meiner Mitarbeiterin habe ich noch gesagt, ich bin in einer Stunde wieder da. Stattdessen hat man mich im Anschluss an die Untersuchung gleich zur Entbindung ins Krankenhaus geschickt. Aber genau so hatte ich es mir eigentlich gewünscht, dass alles recht spontan passiert. Es hat mich gefreut, dass es dann genau so gekommen ist.

Dass ich eine Woche nach der Geburt wieder geritten bin war auch eher spontan. Die ersten fünf Tage nach der Entbindung konnte ich mir gar nicht vorstellen überhaupt jemals wieder zu reiten. Ich wollte nur noch bei Leonardo sein und ihn keine Sekunde aus den Augen lassen. Aber nach einer Woche habe ich in der Früh die Augen aufgemacht und mir gedacht: Heute will ich wieder aufs Pferd – und bin dann einfach reiten gegangen. Körperlich war es anspruchsvoller, als ich erwartet hatte, aber ich habe mir die nötige Zeit genommen und bin es sehr behutsam angegangen.

Pferderevue: Um nochmal kurz auf den Verbandswechsel zu sprechen zu kommen. Viele unsere Leser:innen haben sich gefragt: Warum Ungarn? Wie kam es dazu?

Diana Porsche: Ich habe dort schon lange einen Wohnsitz und viele Verbindungen. Auch mit Aniko Losonczy-Komjáthy (ehem. Grand Prix Reiterin und Vorsitzende des ungarischen Dressurkomitees, Anm.) stehe ich seit langem in einem sehr guten Austausch. Und nachdem mich der ungarische Verband großartig unterstützt hat, ist die Wahl auf Ungarn gefallen. Ich bin sehr froh, dass der Wechsel so harmonisch über die Bühne gegangen ist, ohne Streit, das war mir sehr wichtig.

Pferderevue: Wie sieht es im ungarischen Verband mit Sichtungen, Pflichtturnieren, etc. aus?

Diana Porsche: Wir müssen zwei internationale Turniere unserer Wahl sowie die ungarische Meisterschaft reiten. Die vier besten Paare qualifizieren sich für die Weltmeisterschaft in Aachen.

Pferderevue: Du hast gesagt, dass du dir sportliche keine Ziele für dieses Jahr gesteckt hast – aber Aachen: Ist das ein Thema für dich?

Diana Porsche: Wenn ich dort starten dürfte, wäre das die Erfüllung eines riesigen Traums. Ich war noch nie bei Seniorenmeisterschaften, meine letzte Championatsteilnahme war die U25-EM in Hagen vor fünf Jahren. Aber es sind viele Faktoren, die da hineinspielen. Deshalb gehen wir Schritt für Schritt. Wir fangen ganz langsam an und sehen, wohin der Weg führt.