Tierschutz

Kontroverse um Filmpferde: Vorübergehendes Trainingsverbot nach Misshandlungsvorwürfen

Ein Artikel von Redaktion | 25.03.2024 - 12:20
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Islandpferd (Symbolfoto) © www.Slawik.com

Den Stein ins Rollen gebracht hatte ein Video, das die isländische Tierschutzaktivistin Steinunn Árnadóttir am Freitag auf ihrer Facebookseite geteilt hatte. Die Aufnahmen zeigen ein mit Ausbindern und scharfem Gebiss ausgestattetes Islandpferd, das in einer Reithalle von seinem Reiter traktiert und wiederholt auf den Kopf geschlagen wird, während er es im Kreis scheucht. Die Tierärztin Ingunn Reynisdóttir bestätigte die Misshandlung und kritisierte den Reitstil als unfair und hart.
 

Tierschutzwidrige Praktiken durch Top-Leute der Filmszene

Wie icelandreview.com berichtet, ist der Isländer auf dem Video eines von vielen Pferden, das in der Produktion der neuen BBC- und CBS-Drama-Serie „King and Conqueror“ zum Einsatz kommen soll. Für das Training der Tiere hatte die Mannschaft um Regisseur Baltasar Kormákur angebliche Top-Leute verpflichtet, die zuvor bereits an namhaften Produktionen wie „Gladiator“ oder „Game of Thrones“ mitgewirkt haben sollen.

Islands Veterinärbehörde MAST zeigte sich vom internationalen Renommee des Teams wenig beeindruckt. Sie ließ das Training durch einen Inspekteur vor Ort einstellen. Als Zugabe könnte auch noch eine Anzeige bei der Polizei folgen, wie Pferdeveterinärin Sigríður Björnsdóttir gegenüber Islands öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt RÚV mitteilte.

Unmittelbar nach Auftauchen des Videomaterials hatte auch die Produktionsfirma reagiert und die Zusammenarbeit mit den Tiertrainern eingestellt. „Wir haben sofort entschieden, sie zu entlassen, nicht nur den Reiter auf dem Video, sondern das ganze Team, sieben Reiter“, sagte Baltasar Kormákur, der sich gegenüber RÚV zerknirscht gibt: „Wir dachten, wir hätten da Topleute gefunden. Die Empfehlungen waren hervorragend.“
 

Keine langfristigen Schäden

Lt. Untersuchungen durch Tierärzte scheinen die Pferde durch die harsche Behandlung zumindest körperlich keine langfristigen Schäden davongetragen zu haben. Wie es mit dem Training der rd. 70 Tiere der Produktion, die 2024 auf Island starten soll, weitergehen wird, ist derzeit noch offen. Kormákur geht davon aus, dass man Lösungen mit inländischen Reitern finden wird.