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Immer mehr Pferde werden heutzutage mittels Mikrochip gekennzeichnet, eine Methode, die als weniger schmerzhaft gilt. © Planet ID

Vom Regen in die Traufe? Chippen stresst Fohlen genauso sehr wie Brennen

Ein Artikel von Pamela Sladky | 28.09.2011 - 10:35
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Immer mehr Pferde werden heutzutage mittels Mikrochip gekennzeichnet, eine Methode, die als weniger schmerzhaft gilt. © Planet ID

Nutztiere, Pferde und Haustiere müssen schnell individuell unterscheidbar sein. Tiere auf Bauernhöfen werden mit Brandzeichen oder Ohrmarken gekennzeichnet, Hunde und Katzen bekommen heute vermehrt Mikrochips unter die Haut implantiert. Pferden werden traditionellerweise Brandzeichen verpasst, jedoch ist in vielen Ländern auch bei diesen Tieren die Markierung mittels Mikrochip auf dem Vormarsch. In Österreich und Deutschland ist das Fohlenbrennen nach wie vor erlaubt.

Deutschland ist aber bestrebt dem Vorbild Dänemarks zu folgen, wo Brandzeichen seit 2009 verboten sind. Ähnliche Verbotsinitiativen gibt es in den USA und Australien. Grundlage für die Ablehnung von Brandzeichen ist die Annahme, dass das Einsetzen von Mikrochips den Tieren weniger Stress verursacht.

Die Forschungsgruppe von Christine Aurich an der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) konnte nun jedoch zeigen, dass Chippen und Brennen sich in den kurzfristigen Folgen für Fohlen weit weniger unterscheiden, als besonders Tierschutzaktivisten oft behaupten. Die beim Markieren mit Brandzeichen entstehenden Verletzungen der Pferdehaut könnten jedoch nach den neuen Ergebnissen das Wohlbefinden der Tiere mittelfristig beeinträchtigen.

Gleich viel Kurzzeitstress

Frühere Studien ließen vermuten, dass das Verbrennen der Haut durch das Anbringen von Brandzeichen Pferden deutlich mehr Stress verursacht, als das Implantieren von Mikrochips. Diese Studien wurden jedoch an ausgewachsenen Tieren vorgenommen, obwohl Pferde meist schon im Fohlenalter markiert werden. Da die Auswirkungen des Fohlenbrennens aber noch nie direkt bei Fohlen untersucht wurden, nahm sich Regina Erber nun dieser Frage an.

In Zusammenarbeit mit anderen Forschenden an der Vetmeduni Vienna untersuchte sie, wie viel Kortisol (ein Stresshormon) der Speichel der Fohlen bei der jeweiligen Kennzeichnungsmethode enthielt. Zudem wurde das Verhalten der Tiere, ihre Körpertemperatur und Herzschlagfrequenz während des Eingriffs und auch danach untersucht.

Die Ergebnisse zeigen, dass beide Markierungsmethoden den Tieren nahezu gleich viel akuten Stress verursachten. Der Stresshormonspiegel stieg ähnlich stark an, zudem zeigten die Tiere sehr ähnliche Muster beim vorübergehenden Anstieg der Herzschlagrate und im Vermeidungsverhalten. Beide Markierungsmethoden scheinen also sehr ähnliche Änderungen in Verhalten und Physiologie der Fohlen hervorzurufen. Der Umgang mit den Tieren bei der Markierungsprozedur, wie beispielsweise das Festhalten, scheint eine viel größere Wirkung auf die Tiere zu haben, als der kurze Moment des Chippens oder Brennens selbst.

Risiko durch Hautverbrennungen - Schäden am Hautgewebe schwerer als bisher angenommen

Doch der Kurzzeitstress ist nur die halbe Miete bei der Pferdekennzeichnung. Gerade das Anbringen der Brandzeichen führte zu Hautverbrennungen, die erst nach einer Woche wieder abgeheilt waren. Zudem beobachtete Erber eine allgemeine Erhöhung der Hauttemperatur nach dem Anbringen der Brandzeichen, die einige Tage lang anhielt. Ein Phänomen, das auch bei Menschen mit schweren Verbrennungen auftritt, von dem die gechippte Fohlen allerdings verschont blieben. Die Schäden am Hautgewebe, die durch das Brennen entstehen, sind den neuen Ergebnissen nach deutlich schwerer, als bisher vermutet.

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Die Schäden am Hautgewebe, die durch das traditionelle Brennen entstehen, sind den neuen Ergebnissen nach deutlich schwerer, als bisher vermutet. © FotoLL - Fotolia.com

Im Unterschied zu ausgewachsenen Pferden erleiden Fohlen also sehr ähnlichen Stress, egal, ob durch den Schenkalbrand oder das Implantieren von Mikrochips. Die heißen Brandeisen verursachen aber längerfristige Veränderungen, als das Chippen. Aurich dazu: „Das Fohlenbrennen, jedoch nicht die Implantation des Chips, verursacht eine nekrotische Verbrennungswunde und einen allgemeinen Anstieg der Hauttemperatur an der Oberfläche, beides weist auf eine deutliche Schädigung des Gewebes hin. Studien, die nur die akute Stressantwort betrachten, führen zu einer Unterbewertung der Auswirkung des Fohlenbrennens auf das Wohlbefinden der Tiere.“

Der Artikel “Physiological and behavioural responses of young horses to hot iron branding and microchip implantation” von Regina Erber, Manuela Wulf, Mareike Becker-Birck, Susanne Kaps, Jörg Aurich, Erich Möstl und Christine Aurich wurde in der Zeitschrift „The Veterinary Journal“ veröffentlicht.

Quelle