Italien gehört zu den wichtigsten Märkten für Pferdefleisch weltweit. © Sergio Rojo - stock.adobe.com
talien gilt als größter Importeur von Pferdefleisch weltweit, auch beim Konsum liegt das Land zumindest innerhalb Europas an der Spitze. Dennoch ist die Zahl der Pferdeschlachtungen seit Jahren deutlich rückläufig. Wurden 2012 noch rund 70.000 Pferde in italienischen Schlachthöfen getötet, waren es 2024 laut dem Statistikinstitut ISTAT zufolge nur noch etwa 22.000 – nicht einmal ein Drittel davon. Dieser Trend spiegelt sich auch im Konsumverhalten wider: Umfragen zufolge kommt Pferdefleisch nur bei rund 17 Prozent der Fleischkonsument:innen mindestens einmal im Monat auf den Teller. Als wichtigste Absatzmärkte gelten Apulien (35 Prozent), Venetien (20 Prozent) und Emilia-Romagna (13 Prozent).
Zwar wird Pferdefleisch aufgrund seines hohen Nährstoffgehalts bei vergleichsweise geringem Fett- und Cholesteringehalt oft als „gesunde“ Alternative beworben, doch die gesellschaftliche Akzeptanz ist begrenzt. Viele Menschen lehnen den Verzehr aus Mitgefühl ab, da sie Pferde ähnlich wie Hunde und Katzen als Haustiere betrachten.
Geht es nach der Parlamentarierin und Tierschützerin Michela Vittoria Brambilla, könnte sich dieser rechtliche Status bald ändern. Sie brachte einen Gesetzesentwurf ein, der Equiden – also Pferde, Esel und Maultiere – als Haustiere definiert. Damit wären sowohl ihre Schlachtung als auch ihre Nutzung zu Nahrungszwecken untersagt. Der Entwurf wird derzeit im Parlament beraten.
"Freunde isst man nicht"
„Wir leben im 21. Jahrhundert, dennoch werden Equiden nach wie vor auf vielfältige Weise ausgebeutet“, erklärt Brambilla. Besonders Pferde seien betroffen. „Während der Verzehr von Pferdefleisch in der angelsächsischen Welt nahezu unvorstellbar ist, wird diese Tierart in unserem Land buchstäblich bis auf die Knochen ausgebeutet. Aber Freunde isst man nicht.“
Der Entwurf umfasst insgesamt 13 Artikel und sieht ein weitreichendes Schutzsystem für Equiden vor. Dieses beschränkt sich nicht auf Schlachtung, Export zu Schlachtzwecken sowie Verkauf und Konsum des Fleisches. Auch die Teilnahme an gefährlichen oder besonders stressigen Veranstaltungen, übermäßige Ausbeutung, die Nutzung zu wissenschaftlichen Experimenten einschließlich des Klonens sowie jede Tätigkeit, die der Würde oder der physischen Leistungsfähigkeit der Tiere widerspricht, könnten künftig verboten werden.
Kritik aus Landwirtschaft und Gastronomie
Während Tierschutzorganisationen die Initiative begrüßen, regt sich bei Gastronomen, Schlachtbetrieben und Züchtern deutlicher Widerstand.
„Ein Verbot des Pferdefleischkonsums würde ein Stück Geschichte der italienischen Küche – Teil des UNESCO-Weltkulturerbes – und damit auch die Identität bestimmter Regionen auslöschen. Deshalb kann ich die derzeit in der Abgeordnetenkammer diskutierten Gesetzesvorschläge nicht unterstützen“, sagte der frühere Landwirtschaftsminister Gian Marco Centinaio. Zugleich betonte er: „Ich respektiere die Entscheidung derjenigen, die aus emotionalen, moralischen oder ideologischen Gründen keine Produkte bestimmter oder aller Tiere konsumieren möchten. Aber ich halte es für richtig, denselben Respekt für die Kultur vieler lokaler Gemeinschaften einzufordern, die sich auch über ihre traditionellen Gerichte definiert.“
Auch aus Südtirol kommt Kritik. Klaus Kofler, Obmann der Metzger im LVH, der Interessenvertretung des Handwerks in Südtirol, warnt neben finanziellen Einbußen für die Branche vor praktischen Folgen: „Wenn Pferde in Italien künftig nicht mehr geschlachtet werden dürfen, werden sie einfach im Ausland geschlachtet und das Fleisch importiert“, wird er in der Neuen Südtiroler Tageszeitung zitiert.
Der Obmann des Südtiroler Haflinger-Pferdezuchtverbandes, Manfred Canins, verweist zudem auf mögliche Auswirkungen für die Züchter: „Wenn dieses Vorhaben durchgesetzt würde, würde die Pferdezucht sicherlich zurückgehen, weil das Schlachten wegfällt und der Markt für das Freizeitreiten irgendwann gesättigt ist. Es ist ja schließlich auch eine Kostenfrage.“