In Memoriam

Ferdinand Croy lebt nicht mehr

Ein Artikel von Redaktion | 01.03.2026 - 21:45
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Ferdinand Croy als freundlicher Richter, wie man ihn aus Zucht- und Sportbewerben kannte. © privat

Wenn irgendwo in Österreich über Vielseitigkeit gesprochen wurde, dann fiel sein Name fast zwangsläufig. Ferdinand „Ferdl“ Croy war einer von denen, die man nicht lange vorstellen musste. Ein Mann, der fast immer ein Lächeln im Gesicht und ein nettes Wort für Pferd und Mensch auf den Lippen hatte – eine seltene Mischung aus Erfahrung, Können und Pferdeverstand.

Mit 85 Jahren hat sich Ferdinand Croy vor wenigen Tagen für immer verabschiedet. Mit ihm verliert der österreichische Pferdesport einen seiner großen Praktiker – einen, der über Jahrzehnte hinweg stets da war: im Sattel, am Richtertisch, am Rande des Reitplatzes. Und immer mit einem wachen Auge für Pferd und Reiter.
 

Holpriger Start

Dabei begann seine Geschichte mit Pferden alles andere als romantisch. Der erste Ritt des Waldviertler Bauernsohns endete – wie er später gern erzählte – ziemlich unsanft im Gebüsch. Das Pferd hatte beschlossen, dass zwei brave Runden auf der Wiese genug seien, und legte los. Der junge Reiter zog verzweifelt an den Zügeln, doch das Pferd wurde schneller und schließlich entledigte sich der Vier- des Zweibeines. Für den jungen Ferdinand war damals klar, dass ihm ein Moped mit Gashebel und Bremse deutlich lieber war als ein Pferd. Und doch kam es anders.

Die entscheidende Weiche stellte sich während seiner Ausbildung an der Militärakademie in Wiener Neustadt. Reiten war dort nur eine von mehreren Wahlsportarten. Croy entschied sich für das Pferd – und saß bald immer häufiger im Sattel, manchmal sogar stellvertretend für Kameraden, die den frühen Reitunterricht verschliefen. So begann eine Laufbahn, die ihn schließlich bis zu den Olympischen Spielen führen sollte.

Mit der sardischen Stute Etruska aus dem Stall der MILAK wurde Ferdinand Croy zu einem der prägenden österreichischen Vielseitigkeitsreiter der 1960er- und 1970er-Jahre. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und eines Abstechers in den Springparcours – wo das Paar bis zur schweren Klasse erfolgreich war – führte ihr Weg schließlich wieder zurück in den „Busch“, der diese ganz besondere Verbindung zwischen Pferd und Reiter erfordert.

Im Verlauf einer Geländeprüfung bekommst du eine ganz besondere Verbindung zu deinem Pferd: ‚Wir zwei – da kann kommen was will.‘


Ferdinand Croy
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Als 21. war Ferdinand Croy bei den Olympischen Spielen 1972 in München bester Österreicher in der Vielseitigkeit. © privat

Auf dem Olymp

Diese besondere Verbindung zwischen Croy und Etruska brachte einige bemerkenswerte Erfolge hervor - etwa bei der Militärweltmeisterschaft 1971 in Fontainebleau. Trotz schwerer Krankheit ritt Croy die Prüfung zu Ende und gewann gemeinsam mit seinen Teamkollegen Wolf-Dieter Rihs, Friedrich Resch und Peter Lichtner-Hoyer die Bronzemedaille. Bezahlt hat er diesen Einsatz mit einem zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt.

Ein Jahr später stand er plötzlich bei den Olympischen Spielen in München am Start. Vielseitigkeitsprüfungen hatten damals noch epische Dimensionen: Im Gelände war man mehr als eine Stunde unterwegs, insgesamt rund 30 Kilometer. Croy, der mit Etruska erst kurz zuvor vom B- in den A-Kader aufgerückt war, ritt mit dem, was man im Busch am meisten braucht: Herz und Verstand. Am Ende wurde er bester Österreicher. Das deutsche Reitsportmagazin St. Georg berichtete danach über die „Präzision, mit der jedes Hindernis angeritten wurde und die genaue Einteilung der Kräfte seines Pferdes“ und lobte das „Reiten mit Kopf“, das Croy so vorbildlich praktizierte.

Ich bin zwar noch viele gute Pferde geritten, aber eine Etruska war nicht mehr dabei. Einige hatten vielleicht noch mehr Qualität und Vermögen, aber keines konnte charakterlich derartig überzeugen. Gerade wenn es um Vertrauen und Kampfgeist ging, konnte ihr keines das Wasser reichen.


Ferdinand Croy

Ausbilder mit Leib und Seele

Doch Croys sportliche Karriere war jedoch nur ein Teil seines Wirkens.

Als Ausbilder im Lipizzanergestüt Piber und später im Hengstdepot Stadl-Paura prägte er Generationen von Pferdeleuten. Viele österreichische Reitlehrer und Trainer haben irgendwann einmal bei ihm im Sattel gesessen oder am Rand des Platzes seine Kommentare gehört.

Auch nach seiner aktiven Zeit im Militär blieb Croy dem Pferdesport eng verbunden. An der Pferdewirtschaftsschule Lambach unterrichtete er bis 2002 zahlreiche Schülerinnen und Schüler in Reiten, Pferdehaltung und Reittheorie. Viele von ihnen erinnern sich an einen Lehrer, der nicht nur Technik vermittelte, sondern vor allem Verständnis für das Pferd.

37 Jahre lang verantwortete Ferdinand Croy die staatliche Ausbildung in der Vielseitigkeit. Dazu kamen seine Tätigkeiten als Richter, Zuchtrichter und Funktionär. Wer in Österreich mit Pferden zu tun hatte – im Sport, in der Zucht oder in der Ausbildung – lief ihm früher oder später über den Weg und wird sich an einen freundlichen, humorvollen und stets zugewandten Menschen erinnern. 

Auch im Alter blieb Croy aktiv. Er gab Kurse, richtete Turniere und saß noch regelmäßig im Sattel. Dass sein Sohn Clemens ebenfalls im Vielseitigkeitssport erfolgreich wurde und schließlich Aufgaben in der Ausbildung übernahm, erfüllte ihn sichtbar mit Freude.

Die österreichische Pferdewelt verliert mit Ferdinand Croy eine ihrer prägenden Persönlichkeiten – einen Reiter und Ausbilder, der den Sport nicht nur betrieben, sondern über Jahrzehnte entscheidend mitgestaltet hat.

Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und allen, die ihm verbunden waren.