Elisabeth Max-Theurer, seit 23 Jahren Präsidentin des Österreichischen Pferdesportverbandes, stellt sich am 28. April ein letztes Mal zur Wahl. © ÖOC
Pferderevue: Frau Max-Theurer, Sie sind seit 23 Jahren Präsidentin des OEPS – was hat Sie damals motiviert, dieses Amt zu übernehmen?
Elisabeth Max-Theurer: Als ich 2002 die Präsidentschaft übernommen habe, stand der Verband vor großen Herausforderungen – er hatte 12 Millionen Euro Schulden. Meine Motivation war es, Verantwortung zu übernehmen und die Rahmenbedingungen für unseren Sport nachhaltig zu verbessern. Der Pferdesport hat meinen Lebensweg geprägt – als Athletin wie auch als Funktionärin. Ich wollte dazu beitragen, Strukturen zu schaffen, die Leistung ermöglichen, und gleichzeitig Werte wie Respekt, Fairness und Verantwortung fest verankern.
Pferdereuve: Langjährige Erfahrung bringt Stabilität – wie stellen Sie sicher, dass neue Impulse und junge Ideen Platz finden?
Max-Theurer: Stabilität und Innovation schließen einander nicht aus – im Gegenteil. Wir setzen ganz bewusst auf ein Team, das Erfahrung mit neuen Perspektiven verbindet. Ein zentraler Punkt meines Programms ist der Aufbau eines jungen, fachlich starken Teams, das Verantwortung übernimmt und den Verband auch über 2030 hinaus weiterentwickelt. Gleichzeitig fördern wir gezielt Nachwuchs – nicht nur im Sport, sondern auch in Funktionen.
Pferderevue: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen – und wie werden Sie diesen begegnen?
Max-Theurer: Die größten Herausforderungen liegen derzeit im Spannungsfeld zwischen sportlicher Entwicklung, gesellschaftlicher Akzeptanz und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Besonders der Tierschutz und die öffentliche Wahrnehmung stehen im Fokus. Wir begegnen diesen Themen mit klaren Regelwerken, konsequenter Umsetzung und einer aktiven Kommunikation nach außen. Gleichzeitig müssen wir den Leistungssport stärken und die Basis sichern.
Pferderevue: Sie sprechen in Ihrem Wahlprogramm von einer „nachhaltigen Weiterentwicklung auf sportlicher, struktureller und gesellschaftlicher Ebene“. Was bedeutet das konkret für die nächsten zwei bis drei Jahre?
Max-Theurer: Konkret bedeutet das:
- sportlich eine gezielte Vorbereitung auf Aachen 2026 und Los Angeles 2028,
- strukturell eine weitere Professionalisierung durch Digitalisierung und klare Qualitätsstandards,
- gesellschaftlich eine stärkere Positionierung des Pferdesports als verantwortungsvolle und wertebasierte Sportart.
Es geht darum, den Verband in allen Bereichen zukunftsfit aufzustellen.
Pferderevue: Ihr Zielbild ist ein moderner, wertebasierter Pferdesport – woran lässt sich messen, ob dieses Ziel erreicht wird?
Max-Theurer: Das lässt sich an mehreren Faktoren messen: an fairen und transparenten Strukturen, an der konsequenten Einhaltung von Tierschutzstandards, an sportlichen Erfolgen und an der gesellschaftlichen Akzeptanz unseres Sports. Auch dass der Pferdesport Teil des olympischen Programms bleibt, ist nicht in Stein gemeißelt. Wenn wir es schaffen, Leistung und Verantwortung glaubwürdig zu verbinden, dann haben wir dieses Ziel erreicht.
Pferderevue: Sie betonen eine klare, proaktive Position im Tierschutz – wie sieht diese konkret im Alltag des Sports aus?
Max-Theurer:Im Alltag bedeutet das klare Regeln, gut ausgebildete Offizielle wie Stewards und Richter sowie konsequentes Einschreiten bei Fehlverhalten. Initiativen wie „RESPEKT“ stehen für diesen Zugang. Tierschutz ist keine Zusatzaufgabe, sondern Grundlage unseres Sports.
Pferderevue: Der Pferdesport steht in Bezug auf den Tierschutz unter besonderer Beobachtung der Öffentlichkeit. Sind die aktuellen Regelwerke und Maßnahmen aus Ihrer Sicht ausreichend, um Fehlverhalten zu verhindern und das Tierwohl sicherzustellen – oder sehen Sie konkreten Verbesserungsbedarf?
Max-Theurer: Wir haben in Österreich sehr hohe Standards. Dennoch ist es wichtig, diese laufend weiterzuentwickeln und konsequent umzusetzen. Entscheidend ist nicht nur das Regelwerk, sondern auch die Kontrolle und das Bewusstsein aller Beteiligten.
Pferderevue: Sie haben nach den Olympischen Spielen in Paris 2024 in einem Interview mit uns konstatiert, dass der Pferdesport ein Imageproblem hat. Was tut der Verband, um hier gegenzusteuern?
Max-Theurer: Wir setzen auf Transparenz, Aufklärung und aktive Kommunikation. Es geht darum, sichtbar zu machen, wie verantwortungsvoll und partnerschaftlich unser Sport tatsächlich ist. Gleichzeitig müssen wir Missstände klar benennen und konsequent handeln.
Pferderevue: Das Pferd verschwindet zunehmend aus dem öffentlichen Raum. Wie wollen Sie die gesellschaftliche Bedeutung des Pferdesports und des Pferdes an sich stärker sichtbar machen?
Max-Theurer: Indem wir den Pferdesport stärker öffnen, Veranstaltungen zugänglicher machen und Kooperationen ausbauen. Das Pferd ist Kulturgut, Sportpartner und Wirtschaftsfaktor – diese Vielfalt müssen wir wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein bringen.
Pferderevue: Die Vorbereitung auf Aachen 2026 und Los Angeles 2028 ist ein Schwerpunkt. Wie stellen Sie sicher, dass Österreich in allen olympischen Sparten konkurrenzfähig bleibt?
Max-Theurer: Durch frühzeitige Planung, gezielte Förderung und professionelle Betreuung unserer Athletinnen und Athleten. Unser Ziel ist klar: Teams in allen olympischen Sparten und eine starke Präsenz auch darüber hinaus.
Pferderevue: Was passiert, wenn sportliche Ziele verfehlt werden – gibt es eine Evaluationsstrategie?
Max-Theurer:Dann wird analysiert. Wir setzen auf klare Evaluationsprozesse, um Maßnahmen anzupassen und daraus zu lernen. Leistungssport braucht auch die Fähigkeit zur kritischen Reflexion.
Pferderevue: Die Österreichischen Staatsmeisterschaften haben in den vergangenen Jahren sukzessive an Bedeutung verloren. 2025 traten bei der Dressur-Staatsmeisterschaft vier Starter:innen an, in der ÖSTM Springen waren es im zweiten Teilbewerb sieben. Wie bewerten Sie diese Entwicklung – und planen Sie Gegenmaßnahmen? Wenn ja, welche?
Max-Theurer: Das ist eine Entwicklung, die wir sehr ernst nehmen. Wir müssen Formate attraktiver gestalten, Anreize für Spitzenreiter schaffen und die Veranstaltungen stärker positionieren – auch medial. Doch diese Entwicklung betrifft nicht nur uns im Pferdesport. Wissen Sie, wer österreichischer Staatsmeister im Riesentorlauf ist? Ich auch nicht, denn offensichtlich ist das auch im alpinen Skisport ein großes Problem. Doch das soll keine Ausrede sein, es zeigt uns vielmehr, wie breit die Herausforderungen sind.
Pferderevue: Die Neuausrichtung des Talente-Teams wird als zentral bezeichnet – was genau soll hier verändert werden?
Max-Theurer: Das OEPS Talente Team soll noch gezielter fördern, individueller begleiten und stärker international vernetzt sein. Es wird als zentrales Instrument der Nachwuchsförderung mit Hilfe der Landesfachverbände, die ihre eigenen Landeskader aufbauen, stufenweise weiterentwickelt. Auch sollen Mentoren, also erfolgreiche Persönlichkeiten der jeweiligen Sparten, verstärkt als Vorbilder eingesetzt werden.
Pferderevue: Wie gelingt es Ihnen, den Weg „von der Basis bis zur Spitze“ tatsächlich durchgängig zu gestalten?
Max-Theurer: Durch ein durchgängiges System: von der Reitschule über Nachwuchsprogramme bis hin zum Spitzensport. Wichtig sind klare Strukturen, gute Trainerinnen und Trainer sowie langfristige Perspektiven.
Pferderevue: Sie möchten stärker in internationalen Gremien mitgestalten: Welche Themen wollen Sie auf europäischer Ebene aktiv beeinflussen?
Max-Theurer: Vor allem Tierschutzstandards, faire Qualifikationssysteme und die Weiterentwicklung des Sports im internationalen Kontext. Österreich soll hier aktiv mitgestalten.
Pferderevue: Sie sprechen von einheitlichen Qualitätsstandards – wo sehen Sie aktuell Unterschiede oder Defizite?
Max-Theurer: Vor allem in der Uneinheitlichkeit zwischen Ländern. Unser Ziel ist es, hohe und vergleichbare Standards in Ausbildung, Bewertung und Organisation sicherzustellen.
Pferderevue: Ein Pfad, den Österreich ganz allein beschreitet, ist die Qualifikationspflicht für Auslandsstarts im Springen. Auf internationaler Ebene ließ sich der österreichische Weg nicht durchsetzen. Warum hält man (abgesehen von der Lockerung für den B-Kader) weiter an dieser Regelung fest, obwohl sie bei vielen Sportlerinnen und Sportlern auf Kritik stößt?
Max-Theurer: Weil sie der Qualitätssicherung dient. Uns ist wichtig, dass Reiterinnen und Reiter gut vorbereitet in internationale Bewerbe gehen – im Sinne von Sport und auch im Sinne des Wohles und der Gesundheit der Pferde. Gleichzeitig haben wir auf die – teils durchaus berechtigte – Kritik reagiert und Anpassungen vorgenommen.
Pferderevue: Welche konkreten Verbesserungen bringt die Digitalisierung für Mitglieder?
Max-Theurer: Mehr Service, mehr Transparenz und effizientere Abläufe für unsere Mitglieder – von der Turnieranmeldung bis zur Verwaltung.
Pferderevue: Was kann die Mitgliederplattform künftig leisten, was heute noch nicht möglich ist?
Max-Theurer: Sie wird zur zentralen Schnittstelle für Information, Service und Kommunikation – deutlich umfassender als heute.
Pferderevue: Sie stehen für eine „ausgewogene Budgetpolitik“ – wie steht der Verband aktuell finanziell da, wo liegen die größten Herausforderungen?
Max-Theurer: Wir verfolgen eine ausgewogene und nachhaltige Budgetpolitik. Herausforderungen liegen vor allem in steigenden Kosten und der Sicherstellung langfristiger Finanzierung. Dennoch haben wir es in den letzten Jahren geschafft sogar noch mehr Geld in den Sport zu investieren.
Pferderevue: Welche Bereiche haben für Sie Priorität bei der Mittelverwendung?
Max-Theurer: Nachwuchsförderung, Spitzensport, Tierschutz sowie Ausbildung und Qualitätssicherung.
Pferderevue: Abschließend Ihr Fazit: Wofür stehen Sie als Kandidatin?
Max-Theurer: Für Erfahrung und Weiterentwicklung, für Verantwortung gegenüber Pferd und Mensch sowie für einen modernen, leistungsorientierten Pferdesport mit klaren Werten. Mein Ziel ist es, den erfolgreichen Weg der letzten Jahre konsequent weiterzugehen und den Verband zukunftsfit aufzustellen.
Für mich ist es sicherlich die letzte Amtszeit, für die ich mich zur Verfügung stelle. Dabei ist es mir wichtig, neben all den genannten Herausforderungen in den kommenden vier Jahren jüngere Menschen zu finden, die bereit sind, künftig Verantwortung zu übernehmen. Doch dazu braucht es viel Erfahrung, Know-how und Begeisterung. Andreas Stückler, das jüngste Mitglied des Teams, mit dem ich zur Wahl antrete, ist erst 35 Jahre alt. Diesen Menschen gehört die Zukunft, und wir wollen ihnen einen funktionierenden Verband übergeben.
Das Interview wurde schriftlich geführt.