Für viele Pferdemenschen ist es keine Frage, sondern eine Gewissheit: Der Verlust eines geliebten Tieres trifft mitten ins Herz. Nun bestätigt auch die Wissenschaft, was Tierliebhaber seit jeher... Mehr lesen ...
Der Geruch von menschlicher Angst macht Pferde skeptischer und schreckhafter. © Leszeg Glasner | stock.adobe.com
Dass Pferde ziemlich schlaue Tiere sind und in vielfältiger Art und Weise auf uns Menschen reagieren, wissen Reiter:innen schon lange. Neu hingegen ist, dass sich die Reaktionen auf unterschiedliche menschliche Körpergerüche messbar unterscheiden. Ein Forschungsteam rund um Plotine Jatard vom Institut Français du Cheval et de l’Equitation hat sich mit der Frage beschäftigt, ob Pferde auf Angstschweiß anders reagieren als auf Schweiß, der in freudigen Situationen abgesondert wird.
Studiendesign
Um Antworten auf diese spannende Frage zu bekommen, wurden Proben von menschlichem Schweiß in zwei Situationen gesammelt: Einmal während die Menschen siche Szenen eines Horrorfilmes ansahen und einmal während sie lustige Videos konsumierten. Dazu wurden ihnen Wattepads unter den Achseln platziert, die anschließen tiefgekühlt gelagert wurden, bis sie zum Einsatz kamen. Getestet wurden die Reaktionen von 43 Welsh-Stuten, denen die Wattepads direkt vor den Nüstern präsentiert wurden. Anschließend mussten die Pferde standardisierte Tests absolvieren: So wurden sie etwa von einer ihnen bekannten Person geputzt, sie konnten sich dem Menschen frei nähern, neue Objekte erkundigen oder es wurde plötzlich ein Regenschirm aufgespannt. Dabei wurden auch die Herzfrequenz und der Cortisolspiegel im Speichel gemessen, um belastbare Daten zu erhalten.
Ergebnisse
Die Ergebnisse der Studie sprechen für sich: Die Reaktionen der Pferde, die dem Angstschweiß ausgesetzt waren, wichen deutlich von den Ergebnissen der Pferde mit den Geruchsproben aus freudigen Situationen oder der neutralen Kontrollgruppe ab. Nachdem die Stuten mit den Proben aus den Angstsituationen konfrontiert waren, näherten sie sich deutlich zögerlicher dem Menschen und hielten mehr Abstand, beim plötzlichen Aufspannen des Regenschirms erschraken die Pferde stärker, sie beobachteten neue Gegenstände deutlich länger aus der Ferne anstatt sie neugierig zu untersuchen und auch die Herzfrequenz stieg messbar an.
Obwohl die Ergebnisse verdeutlichen, dass Pferde einen sehr ausgeprägten Geruchssinn haben und dieser wohl auch für die Kommunikation beziehungsweise Informationsbeschaffung über die Spezies hinweg gebraucht wird, sind sich die Forscher:innen einig, dass es weitere Untersuchungen brauche, um sich die Ergebnisse noch genauer anzusehen und etwaige limitierende Faktoren zu berücksichtigen. So wurden in der aktuellen Studie nur Welsh-Stuten getestet und das Altersspektrum lag zwischen fünf und 12 Jahren – beides Faktoren, die die Ergebnisse beeinflussen könnten. Unbestritten bleibt aber, dass Pferde über einen hochentwickelten Geruchssinn verfügen und ihre soziale Intelligenz sehr ausgeprägt ist.
Die gesamte Studie kann hier nachgelesen werden.