Dressur

Pia Gabriels langjähriger Grand-Prix-Partner Junimond lebt nicht mehr

Ein Artikel von Pamela Sladky | 23.06.2020 - 17:39
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Pia Gabriel und Junimond beim CDI4* in Wr. Neustadt im April 2019 © PEtra Kerschbaum

Junimond, ursprünglich unter dem Namen Zegerwaard eingetragen, stammte aus der Zucht von Luuk van Rijn in den Niederlanden. Der Wallach von Starvererber Jazz aus einer Flemmingh-Mutter wurde auf nationalen Turnieren bis Klasse M vorgestellt, bis Pia Gabriel ihn 2013 nach Österreich holte. Im Besitz der Wienerin wurde Zegerwaard kurzerhand umgetauft: auf Junimond – eine Anspielung auf Pia Gabriels und ihres Vaters Geburtstag am 22. Juni.

Unter dem Sattel seiner neuen Reiterin fand Junimond rasch den Weg in die Klasse S. Sein internationales Debüt gab das Duo 2014 in der Kleinen Tour beim CDI Fritzens, das mit einer Wertung knapp über 60 % und einem bescheidenen 20. Platz endete. Doch schon beim nächsten Turnier in Nizza (FRA) ein Monat später zeigte das Duo sein wahres Potenzial mit drei zweiten Plätzen. Drei Monate später feierten Gabriel und Junimond beim Drei-Sterne-Turnier im polnischen Zakrzow bereits ihren ersten Sieg.

Nicht immer einfach

Gemeinsam arbeitete sich das Paar bis auf Grand Prix Niveau vor, die Ausbildung übernahm Pia Gabriel selbst. Dabei stellte Junimond seine Reiterin immer wieder vor Herausforderungen. Denn obwohl der Wallach körperlich alles mitbrachte, was es für eine erfolgreiche Karriere im großen Viereck braucht, und ihm sämtliche Lektionen leicht gelangen, wollte sein Kopf nicht immer mitspielen. In dieser Hinsicht kam der sensible und schreckhafte Junimond ganz nach seinem Vater Jazz.

2017 debutierten die beiden international in der Großen Tour beim CDI Caselle di Sommacampagna, im selben Jahr folgten weitere CDIs in Stadl-Paura, Wiener Neustadt, Mariakalnok, Lipica, Brünn und Nizza folgten noch im selben Jahr. Den Abschluss bildete ein fünfter Platz bei der ÖSTM. Lohn für das erfolgreiche Jahr war der Sprung in die TOP 200 der Weltrangliste – und eine Einberufung in den Österreichischen Dressurkader Große Tour.

Im Folgejahr legte das Duo eine Pause ein. Pia Gabriel war schwanger, im Herbst kam Töchterchen Madeleine zur Welt. Nur wenige Monate später gaben Junimond und seine Reiterin ihr Comeback im Turnierviereck, das mit einer Platzierung beim CDI4* in Wiener Neustadt endete. Im September war die Freude groß, als die beiden mit 70 % die Wiener Landesmeisterschaft gewannen. Ein fünfter Platz bei der ÖSTM rundete das gelungene Jahr ab.

„Junimond bleibt in seiner Art unersetzlich. Er wird uns fehlen.“

Pia Gabriel

Bis März 2020 waren das Paar dann noch national am Start, eine neue internationale Saison sollte folgen. Doch es kam anders. Nur wenig später verletzte sich Junimond. Bei einer routinemäßigen Trainingseinheit erschrak der Wallach und verletzte sich schwer am Knie. Es folgte ein langer Klinikaufenthalt. Die erhoffte Besserung blieb jedoch aus.  

„Wir haben alles versucht, um ihm zu helfen. Aber auch die stärkste Schmerztherapie brachte nicht den gewünschten Erfolg. Wir mussten uns entscheiden, was für ihn das Beste wäre. Und so haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, ihn nicht länger leiden zu lassen. Ich war in dieser schweren Stunde bei ihm und habe ihn auf seinem Weg in den Himmel begleitet“, erzählt Pia Gabriel, bei der der Schock über den Verlust immer noch tief sitzt.

„Der Schmerz ist übergroß und wird es bleiben. Er war so ein liebevolles, anhängliches Pferd, so wahnsinnig sensibel. Damit umzugehen war nicht immer einfach. Aber er war ein Teil von mir.“

Zumindest auf sportlicher Ebene hat Pia Gabriel mit der elfjährige Stute Sunrise Avenue und dem gleichaltrigen Wallach Eros Ramazzotti zwei hoffnungsvolle Nachwuchspferde in Ausbildung, die schon bald ihr Grand Prix Debut geben sollen. Als Ersatz für Junimond will die Wienerin sie jedoch nicht sehen. „Junimond bleibt in seiner Art unersetzlich. Er wird uns fehlen.“