Vom Showprogramm zum Zugpferd: Dressur soll im Rahmen der LGCT-Etappe in Wien ein eigener großer Programmschwerpunkt werden - auf allerhöchstem Niveau. © Angelo Poletto - @motorsportpics.at
Im Pferderevue-Interview sprechen die beiden offen über ihre Visionen – und die klingen ambitioniert und selbstbewusst. „Das Hauptziel des Dressurturniers vor Schloss Schönbrunn ist, dass es schlechthin das Turnier weltweit wird“, sagt Morbitzer. Langfristig wolle man „jedes Jahr ein 5-Sterne-Turnier mit den 15 Besten der Weltrangliste“ veranstalten. Ein Alleinstellungsmerkmal sieht er im Schauplatz selbst: „Es gibt sonst nirgendwo so eine Kulisse, ein Schloss, ein UNESCO-Weltkulturerbe, vor dem man reiten kann.“
Trafen sich im Februar in Wien: Sonja Klima, Ann-Kathrin Linsenhoff, Schönbrunn-Chef Klaus Panholzer und Wiens Dressur-Shootingstar Felicita Simoncic © Andreas Tischler
Ein Turnier für die Besten der Welt
Den Wunsch, den hochklassigen Springsport der Global Champions Tour durch ein ebenbürtiges Dressurprogramm zu ergänzen, hatte Sonja Klima bereits im Vorjahr – dass er sich damals nicht umsetzen ließ, war der kurzen Vorlaufzeit geschuldet, die den Organisatoren vor der Premiere zur Verfügung stand. Heuer sieht die Sache anders aus. Gespräche mit der Familie Rath-Linsenhoff hätten neue Dynamik gebracht. Zuletzt traf man sich in Wien zum Austausch und Fototermin, unter anderem mit Ann-Kathrin Linsenhoff und Matthias Alexander Rath sowie Funktionären und österreichischen Aktiven. „Ich glaube, es war eine gute Atmosphäre. Wir alle sehen der Dressur-Premiere sehr positiv entgegen.“
Der Weg zur Fünf-Sterne-Klasse
Von jetzt auf gleich lässt sich das Prestige-Level allerdings nicht umsetzen. Grund sind Regeln des Weltverbands. „Wir beginnen heuer mit einem 4-Stern-Turnier, weil das FEI-Reglement vorsieht, dass man vor einem 5-Sterne-Turnier erst ein CDI4* ausgetragen haben muss“, erklärt Morbitzer, der bereits darüber hinaus denkt: Läuft alles nach Plan, soll Schönbrunn zum Dressur-Pendant eines Top-Finales werden, ähnlich jenem in Frankfurt – nur unter freiem Himmel.
Sonja Klima, Helmut Morbitzer und ihr Team möchten das Pferd in all seinen Facetten erlebbar machen. © Angelo Poletto - motorpics.at
Eine Herausforderung ist die terminliche Nähe zu den Championaten im Sommer. Zwischen der WM in Aachen und dem Wien-Termin liegen heuer nur rund sechs Wochen. Für Springpferde Routine, für Dressurpferde eher knapp bemessen. Morbitzer sieht darin kein Ausschlusskriterium: „Ich denke schon, dass das Schloss, dieses Ambiente, den einen oder anderen überlegen lässt, ob er nicht doch bei uns reiten möchte.“
Auch finanziell sieht es vielversprechend aus. „Wir stehen jetzt vor zwei, drei massiven Abschlüssen, was die Dressur betrifft“, sagt Morbitzer. Klima bestätigt, dass die Resonanz spürbar gestiegen sei, seit die Dressur öffentlich Teil des Konzepts ist: „Seit wir das publik machen, wird es mit den Sponsoren viel einfacher.“
Im Vorjahr hatte Isabell Werth einen Gastauftritt im Showprogramm vor Schloss Schönbrunn. "Ein unvergessliches Erlebnis", wie die Deutsche meinte. © Angelo Poletto - motopics.at
Weniger Starter, mehr Wirkung
Die GCT-Premiere in Wien haben im vergangenen Jahr viele Reitsport-Neulinge vor Schloss Schönbrunn verfolgt – kein Problem bei Springprüfungen, die auch für Laien leicht nachvollziehbar sind. Das sieht bei der Dressur schon etwas anders aus. Sportlich will man deshalb auf ein kompaktes Format setzen. Grand Prix und Kür sollen mit überschaubarem Starterfeld stattfinden – acht bis zehn Paare. „Und wenn wir eine zusätzliche Nachwuchsprüfung machen, dann haben wir auch dort höchstens acht Starter“, sagt Morbitzer. Die Idee dahinter: Qualität statt Länge. „Es soll ein richtiges Vorzeigeprojekt werden vor dem Schloss. Kurze Prüfungen, für die Zuschauer interessant.“ Diskutiert werden außerdem Showeinlagen zwischen drei bis vier Ritten, um den Ablauf aufzulockern.
Ein Highlight steht bereits fest: „Die Spanische Hofreitschule wird am Donnerstag auftreten. Der Vertrag ist unterschrieben“, sagt Klima. „Die Verbindung von internationalem Top-Springreiten mit der jahrhundertealten Reittradition der Hofreitschule macht diesen Abend vor dem Schloss Schönbrunn zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.“
Ein besonderer Event für alle
Neben Spitzensport setzt das Konzept stark auf Erlebnis. Ein eigener Kindertag am Donnerstag, ein deutlich erweitertes Village, das diesmal auch für alle Schönbrunn-Besucher geöffnet sein wird, und Mitmach-Stationen sollen neues Publikum anziehen. Zudem habe es bereits Gespräche mit der Stadt Wien und Schulen gegeben. „Die Kinder haben am Kindertag natürlich gratis Eintritt“, sagt Klima. Geplant seien Vorführungen aus den Bereichen Working Equitation und Hufschmiedearbeit geben und den Kindern das Pferd, die Natur und die Geschichte Wiens nähergebracht werden.
Auch eine Fohlenauktion steht auf der Agenda – bewusst klein gehalten. „Nur zehn Stück, 5 Springfohlen, fünf Dressurfohlen, nur das Beste vom Besten aus natürlicher Geburt“, betont Morbitzer. Das Gesamtziel formuliert er so: „Wir wollen ein kulturelles, gesellschaftliches und sportliches Highlight setzen, sodass wir dem Schloss, dem UNESCO-Weltkulturerbe, gerecht werden.“
Klima fasst die Vision in einem Satz zusammen: „Es soll eine Kombination werden – ein toller Event für alle. Für die Kinder. Für Familien. Für den Top-Reitsport und seine Fans. Es soll eine Gemeinsamkeit entstehen, bei der jeder etwas findet, das ihm gefällt.“
Nach dem erfolgreichen Debütjahr blickt das Team jedenfalls selbstbewusst voraus. „Wir haben nicht erwartet, dass die Premiere so toll abläuft. Trotzdem haben wir gelernt. Wir wissen, wo es Raum für Verbesserungen gibt“, sagt Klima und ergänzt: „Wir tun alles dafür, dass wir heuer noch einen draufsetzen können.“