Bettina Kendlbacher und Don Alfredo werden am Samstagabend beim Dressur-Weltcupfinale in Fort Worth (USA) zum ersten Mal ihre neue Kür präsentieren. (Archivbild) © www.sportfotos-lafrentz.de
Nach der erfolgreichen Qualifikation und einer langen Anreise – für Don Alfredo der allererste Flug überhaupt – haben Bettina Kendlbacher und ihr 13-jähriger AWÖ-Wallach die nächste wichtige Hürde in ihrem Weltcupfinal-Abenteuer genommen: den Grand Prix.
Als sechstes Paar ritten die Steirerin und ihr Destano-Sohn am Donnerstagabend in die 14.000 Personen fassende Dickies Arena in Fort Worth, Texas, ein. Obwohl die mächtige Halle längst nicht voll besetzt war, herrschte eine elektrisierende Atmosphäre – keine einfache Situation für die Pferde.
Eine gewisse Aufgeregtheit konnte auch der stets so gelassene Don Alfredo nicht verbergen, vor allem im Schritt. Dort fand der fleißige Fuchswallach nicht richtig zum Loslassen, was dem Paar wertvolle Punkte kostete. Bis dahin hatten die beiden bereits viele schöne Momente gezeigt: gute Trabverstärkungen mit echter Rahmenerweiterung, fließende Traversalen mit schönem Kreuzen sowie eine gut geregelte Passage. Vor dem Schritt bewegte sich das Paar konstant im Bereich um 70 Prozent, danach knapp unter 66 Prozent.
Im Galopp fand Don Alfredo wieder in den Wohlfühlmodus zurück – und mit ihm kletterte auch die Wertung sukzessive nach oben. Das Paar zeigte tolle Wechsel, eine mutige Galoppverstärkung und auch die Rechtspirouette gelang in hoher Qualität, sodass unterm Strich 68,196 % zusammenkamen – Rang 11, nur eineinhalb Zehntelprozent außerhalb der Platzierungen. Das österreichische Duo wurde mit viel Applaus aus der Halle begleitet, sehr zur Freude von Bettinas Ehemann Heimo Kendlbacher und Don Alfredos stolzem Züchter Alfred Leser, die in der "Kiss & Cry"-Zone mitjubelten.
„Es ist sehr schade, dass ich so knapp an den Top Ten vorbeigeschrammt bin. Es wäre schön gewesen, wenn sich das ausgegangen wäre – es hat ja wirklich nur ganz wenig gefehlt. Aber heute hat uns der Schritt die Top Ten, vielleicht sogar einen Platz in den Top Acht gekostet“, bedauert Bettina Kendlbacher, die sich insgesamt aber sehr zufrieden mit dem gemeinsamen Auftritt zeigte. Nun richtet sich der Fokus auf die Kür am Samstagabend – eine besondere Premiere für die 37-Jährige: „Ich freue mich riesig auf Samstag. Ich habe eine neue Kür, die ich zum ersten Mal in diesem großartigen Rahmen präsentieren darf. Ich bin sehr motiviert und habe das Gefühl, dass Fredi wirklich sehr gut in Schuss ist.“
Mit einer harmonische Runde zum Sieg im Grand Prix: Becky Moody (GBR) und Jagerbomb © FEI/Shannon Brinkman
Gut in Schuss präsentierte sich auch Jagerbomb mit seiner Reiterin Becky Moody (GBR), die nach den Absagen mehrerer Topstars als Favoriten zum Finale angereist sind. Das Paar bestätigte diese Rolle mit einer tollen Runde, die sich sowohl durch Qualität als auch durch Harmonie auszeichnete.
„Er hat sich heute wirklich gut angefühlt. Unsere Prüfung hatte die richtige Mischung aus Energie und Entspannung“, analysierte Moody, die von ihrem Pferd sagt, dass es nirgendwo außergewöhnlich sei, dafür aber sehr gut in allem. Genau diese Mischung sorgte dafür, dass sich das Paar in Fort Worth klar an die Spitze der Wertung setzte. 76,761 % lautete die Wertung der Jury.
Hielten dem großen Druck stand: Der erst 23-jährige Christian Simonson (USA) und Indian Rock © FEI/Shannon Brinkman
Hinter Moody und Jagerbomb reihte sich der erst 23-jährige US-Amerikaner Christian Simonson ein. So unbekannt der Reiter in Europa sein dürfte, so gut kennt man sein Pferd: Mit Indian Rock hat Simonson einen mehrfach championatserprobten Lehrmeister unter dem Sattel, der mit Emmelie Scholtens bereits Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympische Spiele für die Niederlande bestritten hat. Die Kombination junger Reiter, erfahrenes Pferd macht sich bislang bezahlt. Simonson und Indian Rock gewannen bei jeder Weltcupetappe der North-America-League sowohl Grand Prix als auch Kür und erritten zweimal über 81 %. Trotz des großen Drucks, der auf den Schultern des jungen US-Reiters beim Finale im eigenen Land lastet, behielt Simonson die Nerven. 75,413 % bedeuteten Rang zwei, der schwedische Richter bei M hätte das US-Duo mit knapp 77 % sogar noch vor Moody und Jagerbomb gesehen.
Mit bereits deutlichem Rückstand reihten sich die Weltcupfinalsieger 2024, Patrik Kittel (SWE) und Touchdown, auf dem dritten Rang ein. Das Paar kam mit 72,869 % aus dem Viereck, dicht gefolgt von Julio Mendoza Loor und Jewel’s Goldstrike. Der Ecuadorianer hat sein Ticket für Fort Worth außerhalb des Weltcups über seine Weltranglistenposition ergattert. Mit glatten 72 % im Grand Prix bestätigte er seine Nominierung souverän. Sandra Sysojeva (POL) und Maxima Bella (71,696 %) komplettierten die Top fünf.
Am Freitag haben die Dressurreiter:innen in Fort Worth Pause, bevor am Samstagabend alle 16 Paare im großen Kürfinale antreten.
Alle Ergebnisse im Detail gibt es hier.