Gesundheit

Hat Ihr Pferd Rückenschmerzen? So finden Sie es heraus

Ein Artikel von Stephanie Valentin | 10.06.2020 - 14:19

Beobachten Sie, ob sich im Rückenbereich Regionen mit vermehrter oder verminderter Muskulatur entwickeln. Vergleichen Sie dazu genau die linke mit der rechten Seite. Im Falle von Muskelimbalancen kommt es häufig zu verminderter Muskulatur seitlich etwas hinter dem Widerrist oder auch seitlich der Wirbelsäule, während sich vermehrte Muskulatur oft vor dem Widerrist und über dem Schulterblatt zeigt.

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Im Bereiche hinter dem Widerrist oder auch seitlich der Wirbelsäule kommt es häufig zu Muskelatrophien. © Theresia Licka | VUW

Tasten Sie den Rücken sanft mit der flachen Hand ab. Das Pferd sollte keinerlei Muskelverhärtung oder Schmerzhaftigkeit als Reaktion auf das Tasten zeigen. Die Muskeln sollten sich relativ fest, aber nachgiebig anfühlen – und nicht hart oder angespannt.

Mit etwas mehr Druck kann die Muskulatur dann mit den Fingerbeeren abgetastet werden. Auch hier kann es zu Reaktionen wie lokalisierten Muskelkrämpfen (ein großer Bereich der Muskulatur wird fest) oder Muskelzittern (sieht aus wie eine kleine Vibration entlang des Muskels) kommen. Mit diesem etwas höheren Druck können auch Triggerpunkte identifiziert werden, kleine Knoten in der Muskulatur, von denen übertragene Schmerzen ausgehen können. Jedes der oben genannten Zeichen kann ein Hinweis darauf sein, dass die Muskulatur Probleme hat, die eventuell genauerer Abklärung bedürfen.

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Reagiert das Pferd auf etwas gesteigertem Druck mit Muskelkrämpfen oder Muskelzittern, kann dies ein Hinweis auf ein bestehendes Problem sein.
© Theresia Licka | VUW

Mit sehr festem, langsam gesteigertem, aufrechtem Druck der Fingerspitzen in die Tiefe der Muskulatur sollte der Muskel sichtbar reagieren, dies ist völlig normal. Bei Pferden mit Rückenmuskelverspannungen kann diese Untersuchung allerdings schmerzhaft sein, und oft verbleibt der Muskel nach dem Entfernen des Drucks noch eine Zeit in Verkrampfung.

Es ist wichtig, sich über die Bedeutung des unterschiedlichen Zeitpunkts der Muskeluntersuchung im Klaren zu sein. Es macht einen relativ großen Unterschied, ob ein unaufgewärmtes Pferd untersucht wird oder ein aufgewärmtes oder auch ein Pferd, das schwer gearbeitet hat. Bei einem völlig gesunden, nicht überforderten Pferd findet man zwar unterschiedliche Festigkeiten der Muskulatur, jedoch zu keinem dieser Zeitpunkte die oben genannten Reaktionen.

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Der Muskel reagiert mit Verkrampfung.   © Theresia Licka | VUW

Geben Sie dem Pferd eine Karotte oder sonstige Belohnung, wobei das Pferd ruhig stehen und sich nach der Karotte strecken sollte. Wenn man das Pferd mit dem Kopf nach unten und jeweils zur Seite lockt, werden die Rückenmuskeln ideal mitverwendet. Falls das Pferd die Karotte nicht erreicht und am Ende seiner Bewegungsmöglichkeit danach schnappt oder wenn es augenfällige Unterschiede zwischen der Bewegung nach links oder rechts gibt, kann dies auch ein Hinweis auf Rückenmuskelprobleme sein.

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Bei der Karottendehnung nach seitlich unten werden die Rückenmuskeln ideal mitverwendet.
© Theresia Licka | VUW

Wenn sich entlang der Wirbelsäule oben eine Rinne bildet, so geschieht dies meist aufgrund eines zu hohen Muskeltonus (Muskelverhärtung). Dieser entsteht häufig als Folge von nicht ausreichend trainierten Bauch- und Rumpfmuskeln. Wenn man das Pferd zum Aufwölben des Rückens bringt (z. B. durch Füttern einer Karotte zwischen den Vorderbeinen oder durch festes Streichen über die Bauchunterseite), sollte die Rinne vollständig verschwinden. In diesem Fall ist ein vermehrtes Training der Bauch- und Rumpfmuskeln nötig, damit die Belastung des Rückens vermindert werden kann.

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Ein zu hoher Muskeltonus zeigt sich in einer Rinne entlang der  Wirbelsäule. ©    

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Ein festes Streichen an der Bauchunterseite veranlasst das Pferd dazu, seinen Rücken aufzuwölben. © Theresia Licka | VUW

Zur Person

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© Michael Bernkopf | VUW

MSc. Stephanie Valentin hat an der Robert Gordon University in Aberdeen, Schottland, Humanpysiotherapie studiert und nach ihrem Abschluss ein Masterstudium in Veterinärphysiotherpaie im Royal Veterinary College in London absolviert. Danach abreitete sie im Human- und im Veterinärbereich als Physiotherapeutin. 2011 kam Stephanie Valentin nach Wien, um an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien zu arbeiten. Ihr besonderes Interesse gilt den muskulären Stabilisationsprinzipien, biomechanischen Vergleichen und physiotherapeutischen Effekten auf den Bewegungsapparat.