Gesundheit

Im Winter zum Normalgewicht: Kalte Jahreszeit hilft Pferden beim Abspecken

Ein Artikel von Pamela Sladky | 19.09.2019 - 12:17
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In der kalten Jahreszeit specken Pferde leichter ab. © www.slawik.com

In freier Wildbahn folgt das Pferdegewicht einem strengen Zyklus. Im Frühjahr und Sommer, wenn die Wiesen grün sind und das Nahrungsangebot reich ist, legen Pferde automatisch an Gewicht zu. Die überzähligen Pfunde benötigen die Tiere auch, denn in den Wintermonaten ist das Futterangebot karg, zusätzlich fordern die tiefen Temperaturen einen höheren Energieverbrauch, um die Körpertemperatur konstant aufrechtzuerhalten. Bis im Frühjahr neues Gras wächst, sind die Fettreserven aufgebraucht und die Pferde deutlich erschlankt. Dann kommt das hochkalorische junge Grün genau recht um die Energiespeicher wieder aufzufüllen, der Zyklus beginnt von Neuem.

Diese natürliche Schwankung des Futterangebotes ist in der modernen Pferdehaltung kaum noch gegeben. Zwar fällt im Winter der Weidegang in der Regel weg, der Energiebedarf wird über Rau- und Kraftfutter jedoch weiterhin ausreichend gedeckt. Zusätzlich sorgen Stallhaltung und Pferdedecken dafür, dass die Thermoregulation des Pferdes weit weniger arbeiten muss, als das bei wildlebenden Tieren der Fall ist.

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Viel Zeit an der frischen (kalten) Luft hilft überschüssige Kilos abzubauen.
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Ohne den Diäteffekt des Winters wird der Beginn der Weidesaison vor allem für übergewichtige Pferde zum Risiko. „Jüngste Studien legen nahe, dass eine Gewichtszunahme das Risiko, an Hufrehe zu erkranken, mehr als verdoppelt“, weiß Clare Barfoot, Forschungs- und Entwicklungsleiterin des britischen Futtermittelherstellers Spillers.

Für einen Großteil der Pferde ist nämlich eher ein Gewichtsverlust als eine Gewichtszunahme erforderlich, um sie gesund zu halten. Verschiedenen Studien zufolge leiden rund 50 Prozent der Pferde an Übergewicht, knapp 20 Prozent müssen sogar als fettleibig eingestuft werden.


Übergewichtig oder normal?

Einer der größten Stolpersteine​​ besteht darin, dass Pferdebesitzer häufig nicht einschätzen können, ob ihr Pferd normalgewichtig oder bereits zu dick ist. „Wer sich nicht sicher ist, sollte ein objektives Gespräch mit seinem Tierarzt oder Ernährungsberater suchen“, rät Barfoot. Bescheinigt der Experte dem Pferd Übergewicht, ist verletzter Stolz unangebracht. „Anstatt beleidigt zu sein, sollten Sie die Kontrolle über die Situation übernehmen. Wenn Sie lernen, wie Sie das Gewicht beurteilen und ihn dann regelmäßig überprüfen, können Sie Änderungen sofort feststellen und umgehend Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass es außer Kontrolle gerät.“

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Im Winter wird die Heuration üblicherweise aufgestockt, um den erhöhten Energiebedarf abzudecken. Bei übergewichtigen Pferden sollte man genau prüfen, ob eine Futtererhöhung wirklich sinnvoll ist.
© Rita Kochmarjova - fotolia.com

Schlank in den Frühling

Eine dieser Maßnahmen ist, „den Winter sinnvoll zu nutzen“ und den Pferden ein natürliches Abnehmen zu ermöglichen. Dazu sollten die Tiere auch an kalten Tagen möglichst viel Zeit draußen verbringen und der Stall im Idealfall dieselben klimatischen Bedingungen aufweisen wie der Außenbereich. Und auch, wenn man sich selbst spätestens bei Temperaturen ab 10 Grad in eine dick gefütterte Winterjacke hüllt: den Griff zur Thermodecke fürs geliebte Moppeltier sollte man sich besser verkneifen. Denn die Wohlfühltemperatur eines Pferdes liegt zwischen 5 und 15 Grad Celsius. Erst wenn die Temperatur darunter fällt, muss es zusätzlich Energie aufwenden, um sich warm zu halten. Bei Pferden mit einer ordentlichen Speckschicht auf den Rippen darf es sogar noch kälter werden, bevor die körpereigene Heizung angeworfen wird. Immerhin ist Fett die beste Isolierschicht. Wer dann auch noch auf die im Winter übliche Aufstockung des Raufutters verzichtet, hilft seinem Pferd, ungesunde Fettdepots loszuwerden.

„Es ist gesund, wenn Sie die Rippen Ihres Pferdes zu Beginn des Frühlings sehen können. Dadurch hat Ihr Pferd ausreichend Spielraum für eine natürliche Gewichtszunahme, wenn die Weidesaison beginnt“, so Barfoot.