Gesundheitsversorgung

Nach Tod an Weihnachten: Wie steht es um die tierärztliche Versorgung?

Ein Artikel von Lisa Wallner | 14.01.2026 - 09:54
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Laut NÖN-Bericht vom 8. Jänner waren die Weihnachtsfeiertage für Rupert Scherzer und eines seiner Pferde alles andere als besinnlich: Der Gesundheitszustand des Pferdes machte dem Halter in der Nacht des 23. Dezembers Sorgen, am 24. Dezember wurde ein Eingreifen dringend notwendig, Scherzer bemühte sich also, schnellstmöglich tierärztliche Hilfe zu erhalten. Dabei habe der besorgte Besitzer mit über einem Dutzend Praxen aus den Bezirken Gmünd, Waidhofen und Zwettl Kontakt gehabt – doch Hilfe für sein Pferd bekam er nicht. Wie aus dem Bericht der NÖN hervorgeht, hätten viele Veterinäre an den Feiertagen entweder ihre Ordinationen geschlossen gehabt, seien nicht für Pferde zuständig oder gar selbst krank gewesen. Am 25. Dezember verendete das 19-jährige Tier schließlich, ohne tierärztliche Hilfe erhalten zu haben. 

Gravierende Versorgungslücken

Doch woran liegt es, dass in manchen Gebieten Österreichs die tierärztliche Versorgung, vor allem nachts, an Wochenenden oder Feiertagen dermaßen angespannt ist? Die Österreichische Tierärztekammer nennt als Hauptursache den seit Jahren anhaltenden Tierärztemangel, der sich vor allem im ländlichen Raum besonders gravierend bemerkbar mache. Als zweiten maßgeblichen Faktor nennt man auf Anfrage der Pferderevue, dass Notdienste wirtschaftlich nicht tragbar seien – anders als in der Humanmedizin werden diese Notdienste nämlich von den Tierärzt:innen weitgehend selbst organisiert und getragen. Es existieren keine staatlich subventionierten Strukturen, die die Bereitstellung von tierärztlichen Notdiensten verlässlich absichern würden. Konkret heißt das: eine flächendeckende 24/7-Versorgung ist ohne massive Förderung aus öffentlicher Hand nicht zu realisieren. Denn eine solche Versorgung "kann nicht allein auf Berufsethos und persönlichem Engagement beruhen", gibt Mag. Silvia Stefan-Gromen von der Österreichischen Tierärztekammer zu bedenken.

Rechtzeitiges Handeln

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verantwortung der Tierhalter:innen: Rechtzeitiges Handeln ist oft ein entscheidender Faktor – manche Notfälle würden gar nicht erst zu solchen werden, wenn rechtzeitig eingegriffen würde. Auch wenn Tierhalter nach bestem Wissen und Gewissen agieren, vor einem echten Notfall ist natürlich niemand gefeit. Kommt es also wirklich zum Worst-Case-Szenario, ist es unabdingbar, gewappnet zu sein: am besten man prüft regelmäßig, welche Praxen in der Umgebung überhaupt einen Notdienst anbieten und hat eine (aktuelle!) Liste mit allen relevanten Telefonnummern griffbereit. Eine tiermedizinische Hotline, vergleichbar etwa mit der Gesundheitshotline 1450 im humanmedizinischen Bereich, gibt es leider aktuell nicht, manche Veterinäre bieten aber eine telefonische Beratung an. Für eine Ersteinschätzung, ob weiteres, sofortiges Handeln notwendig ist, ist das oft schon eine große Hilfe. Reißen all diese Stricke, bleibt – sofern das Pferd transportfähig ist und man die nötigen Ressourcen zur Hand hat – oft nur mehr die Fahrt in die Tierklinik, viele haben in der Regel auch in der Nacht und an Feiertagen einen Notdienst.