Insektenschutzmaßnahmen, wie zum Beispiel das Auftragen von Repellentien, sind gute Prophylaxemethoden im Kampf gegen das West-Nil-Virus. © Sven Cramer | stock.adobe.com
Das West-Nil-Virus, das sich seit seinem erstmaligen Nachweis in Österreich im Jahr 2009 immer mehr ausbreitet, wird von heimischen Mücken der Gattung Culex übertragen und befällt neben dem Menschen auch andere Säugetiere wie Pferde sowie Vögel, die als natürliches Reservoir dienen.
Seit dem Erstnachweis sind die Zahlen laufend gestiegen, wobei 2024 das bisherige Rekord-Jahr darstellt: 37 Infektionen beim Menschen und 59 infizierte Pferde wurden offiziell bei der AGES registriert, die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher liegen, da viele Fälle asymptomatisch verlaufen und demnach auch nicht gemeldet werden.
Mit der steigenden Zahl der gemeldeten Fälle steigt aber auch die Datenlage – die Medizinische Universität Wien führt seit 2009 gemeinsam mit der AGES eine Langzeitstudie durch, die auch Pferde einschließt. Dabei lässt sich ein Trend ausmachen: Sehr stark vom West-Nil-Virus betroffen waren 2024 das Burgenland und Niederösterreich – die neuen regionalen Schwerpunkte in Österreich. Die Studie zeigt aber auch, dass sich das West-Nil-Virus allgemein in ganz Österreich etabliert hat, denn es werden auch Stichprobenartig Mücken auf das Virus getestet – immer wieder kann das Virus dabei nachgewiesen werden. Die Daten zeigen, dass in Zukunft mit einer noch stärkeren Ausbreitung zu rechnen ist und das wiederum bedeutet auch, dass immer mehr Pferde betroffen sein könnten, da diese ein höheres Infektionsrisiko haben als Menschen.
Ein Virus, viele Symptome
Die Krankheit verläuft in 90 % der Fälle asymptomatisch, das heißt in vielen Fällen wird die Ansteckung gar nicht bemerkt, weil keine Symptome auftreten. Allerdings ist das West-Nil-Virus besonders in der Anfangsphase nur sehr schwer zu diagnostizieren, weil die Symptomatik oft ähnlich wie bei anderen Erkrankungen ist: Zu Beginn stehen meist ein leichter Temperaturanstieg sowie Appetit- und Antriebslosigkeit. Aber auch wer einseitiges Lahmen, Trittunsicherheiten und einen schwankenden Gang bei seinem Pferd bemerkt, sollte an das West-Nil-Virus denken. In der Folge können das Rückenmark sowie das Gehirn in Form einer sogenannten West-Nil-Enzephalomyelitis (WNE) betroffen sein, was neurologische Ausfallerscheinungen unterschiedlichen Ausmaßes zur Folge hat. Angaben der AGES zufolge versterben 40 % der klinisch erkrankten Pferde an der Infektion. Zu beachten ist außerdem, dass bis zu 20 % der Tiere, die eine Infektion überleben, neurologische Schäden beibehalten. Hat ein Pferd eine Infektion durchgemacht, ist es in der Regel immun.
Vorsicht ist besser als Nachsicht
Weil es für das West-Nil-Virus keine Behandlung gibt, außer die Symptome zu lindern, ist eine Impfung der beste Weg sein Pferd zu schützen – für Menschen steht derzeit noch kein Impfstoff zur Verfügung. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen, die im Abstand von drei bis fünf Wochen verabreicht werden, danach ist jährlich eine Auffrischung angezeigt. Zu beachten ist, dass ein Schutz frühestens zwei bis drei Wochen nach der zweiten Impfdosis zu erwarten ist, das sollte man beim richtigen Impfzeitpunkt bedenken und diesen möglichst so wählen, dass die Mückensaison noch nicht in vollem Gange ist. Konkret heißt das, dass die Impfung idealerweise im Frühjahr abgeschlossen sein sollte, damit im Hochsommer ein hoher Antikörperspiegel gegeben ist. In Österreich sind derzeit drei Impfstoffe zugelassen, die alle gut vertragen werden und zuverlässig schützen.
Unterstützend kann man auch im Stallmanagement einige Maßnahmen ergreifen, um die Mückenbelastung in und um den Stall möglichst gering zu halten. Dazu zählt etwa das Aufstallen der Pferde in Zeiten, zu denen Mücken besonders aktiv sind, der Einsatz von Repellentien an den Pferden und auch an Oberflächen im Stall, das Anbringen von Insektenschutzlampen und das Vermeiden von stehenden Gewässern, die als Brutstätte für Mücken dienen können. Außerdem empfiehlt die AGES auch, Vögel möglichst fern von Pferdeställen zu halten, denn diese können als Reservoir eine Infektionsquelle darstellen.