Fütterung

Versteckter Zucker im Pferdefutter

Ein Artikel von Sven & Peggy Morell | 22.05.2026 - 12:03
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Heu liefert mehr Zucker als Getreide. © Image by rihaij from Pixabay

Zucker findet sich in fast allen Futtermitteln für Pferde und liefert wertvolle Energie – er ist also nicht grundsätzlich schädlich. Wie so oft entscheidet die Menge: Ein Zuviel kann die Gesundheit tatsächlich gefährden, wenn durch Überlastung des Blutzuckerspiegel-Regulationssystem zum Beispiel Erkrankungen wie EMS oder Hufrehe entstehen. Auch die Verdauung leidet unter einem Zuviel an Zucker im Futter: Eine gestörte Darmflora, Reizungen der Magenschleimhaut durch erhöhte Milchsäureproduktion, Fehlgärungen im Dickdarm, Übersäuerung und Koliken können die Folge sein.

Wie viel Zucker ein Pferd täglich aufnehmen darf und ab wann es kritisch wird, lässt sich allerdings nicht pauschal beantworten. Eine Rolle spielen sowohl die Zuckerarzt als auch das einzelne Pferd und sein Stoffwechsel.

Die wichtigsten Zuckerquellen

Wenn es um den Zuckergehalt in der Pferdefütterung geht, richten wir den Fokus meist vor allem aufs Kraftfutter – vielleicht noch auf Leckerlis. Dabei steckt Zucker in weit mehr Futtermitteln:

Heu
wird in Bezug auf den Zuckergehalt oft unterschätzt. Eine Analyse des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) ergab 2023 durchschnittlich knapp zehn Prozent Zucker im Pferdeheu, mit teils erheblichen Schwankungen zwischen zwei und 18 Prozent. Grund dafür sind verschiedene Faktoren, darunter die Pflanzenzusammensetzung, Düngungsintensität sowie der Zeitpunkt der Ernte.

  • 10 Kilo Heu (Tagesration) ≈ 1 Kilo Zucker

 

Zuckergehalt in 1 kg Trockenmasse

Zuckergehalt in 1 kg Frischmasse

Heu, 1. Schnitt

(Wiesenheu, Zeitpunkt: Mitte Blüte)

105g

90g

Gras, 1. Schnitt

(Wiesengras, Zeitpunkt: Rispenschieben)

100g

18g

Hafer

16g

14g

Gerste

25g

22g

Mais

19g

17g

Karotten

256g

38g

Gras
enthält beachtliche Mengen Zucker: Etwa 20 Gramm stecken in einem Kilogramm Frischmasse. Fruktane dienen der Pflanze als Energiespeicher, sie können im Dünndarm von Pferden nur eingeschränkt verdaut werden – überschüssige führen im schlimmsten Fall zu einem Hufreheschub. Der Fruktangehalt ist unter anderem abhängig von den Gräserarten, der Wuchshöhe sowie der Witterung. In kurzem Gras sowie bei kaltem, sonnigem Wetter oder bei Trockenheit ist der Fruktangehalt erhöht. Für eine bessere Einschätzung können Pferdehalter:innen auf spezielle Apps zurückgreifen, die das Fruktanrisiko individuell für ihren Standort anzeigen und so beim Weidemanagement helfen.

  • 40 Kilo Gras (ganztägiger Weidegang) ≈ 800 Gramm Zucker
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Der Zuckergehalt im Gras ist unter anderem abhängig von den Gräserarten, der Wuchshöhe sowie der Witterung. © Image by 👀 Mabel Amber, who will one day from Pixabay

Kraftfutter
enthält Zucker im Getreide, Mischfuttermitteln werden oft weitere zuckerhaltige Komponenten zugesetzt, etwa um den Energiegehalt zu erhöhen oder den Geschmack zu verbessern. Zucker steht dabei in der Regel nicht auf der Zutatenliste – dafür beispielsweise Melasse. Zuckerarme Varianten („light“, „zuckerreduziert“, „ohne Melasse“) weisen meist zwischen drei und sieben Prozent Zuckergehalt auf. Der Unterschied zu „normalem“ Kraftfutter ist allerdings mitunter gering, so gibt es zum Beispiel auch Sportmüslis mit einem Zuckergehalt von fünf Prozent oder darunter. Reines Getreide ist eher zuckerarm, Hafer beispielsweise enthält unter zwei Prozent. Aber Achtung: Im Kraftfutter steckt immer reichlich Stärke, diese wird im Dünndarm in Zucker aufgespalten – und ist somit eine indirekte Zuckerquelle.

  • 2 Kilo Kraftfutter (Tagesration) ≈ 100 bis 150 Gramm Zucker
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Reines Getreide ist eher zuckerarm, Mischfuttermitteln werden häufig zuckerhaltige Komponenten zugesetzt. © AZ Woodring | stock.adobe.com

Karotten
sind mit etwa vier Prozent Zucker in der Frischmasse bei einer Fütterungsmenge von wenigen Kilogramm pro Tag meist unproblematisch. Rote Beete und Futterrüben enthalten rund acht Prozent Zucker

Äpfel, Birnen oder Bananen
haben einen deutlich höheren Zuckergehalt von circa zehn bis zwölf Prozent. Achtung deshalb zum Beispiel bei Fallobst auf der Weide!

Brot
enthält frisch circa 50 Gramm Zucker pro Kilogramm – getrocknet kann sich dieser Wert noch deutlich erhöhen. Auch daher gilt: Brot nur in kleinen Mengen verfüttern.

Leckerli
sind oft sehr zuckerhaltig. Bei vermeintlich gesunden Snacks wie getrocknete Apfel-, Bananen- oder Karottenchips gilt: Durch das Trocknen steigt der Zuckergehalt deutlich im Vergleich zum frischen Obst oder Gemüse.
 

Kraftfutter weniger relevant als gedacht

Obwohl Kraftfutter oft als Zuckerquelle kritisiert wird, trägt es in der Regel nur wenig zur täglichen Gesamtzuckeraufnahme bei. Zuckerreduzierte Mischungen können dennoch sinnvoll sein – für die Auswahl macht die genaue Prüfung des Futtersack-Etiketts Sinn.

Leider ist die Angabe des Zuckergehalts auf Futtersäcken allerdings freiwillig. Zu bedenken bleibt: Viele Pferde benötigen überhaupt kein Kraftfutter! Der Fokus sollte in jedem Fall auf dem Grundfutter liegen, möglichst zuckerarmes Heu und im Sommer begrenzte Weidezeit machen einen Unterschied. Und auch wenn es schwerfällt: Karotten, Äpfel oder Leckerlis sollten nur in Maßen gegeben werden.