Fanny Jöbstl und Elastico sind aktuell Österreichs vielversprechendstes Paar bei den Jungen Reitern. (Archivbild) © Alice Benes Fotografie
Wer in der Großen Tour auf einem internationalen Turnier starten möchte, benötigt zumindest 66 %, wer sich auf CDIs außerhalb Österreichs zeigen möchte, muss mindestens 67 % vorweisen können.
Das Limit locker erreicht haben Lisa Wernitznig und Superb. Madeleine Winter-Schulze hatte die Hannoveraner Stute von Surprice ursprünglich als Zukunftshoffnung für Isabell Werth bei der Elite-Auktion in Verden erworben. Und zunächst erfüllte Superb die in sie gesetzten Erwartungen auch vollends: Ihr internationales Grand-Prix-Debüt 2022 in Hagen münzte die Stute prompt in zwei Siege um – mit Wertungen von über 75 %.
Das Debüt sollte bereits einer der Höhepunkte der gemeinsamen Karriere von Werth und Superb gewesen sein. Nach regelmäßigen Einsätzen in den Jahren 2022 und 2023 war die Stute immer seltener zu sehen. Basel im Jänner 2025 war schließlich das letzte Turnier, das sie unter Isabell Werth absolvierte. Danach verschwand Superb von der Bildfläche – bis sie im Dezember desselben Jahres wieder im Turnierviereck auf Schloss Wickrath (GER) auftauchte, diesmal allerdings unter einer neuen Reiterin: Isabell Werths Stallreiterin Lisa Wernitznig.
Zur gemeinsamen Premiere erhielt das Paar 69,211 % und Platz 3. Drei Monate später waren es bereits über 72 %, weitere vier Wochen darauf fast 74 %. Was also lag näher, als sich um eine internationale Starterlaubnis zu bemühen – zumal in diesem Jahr Dressur-Weltmeisterschaften in Aachen anstehen und sich die österreichische Equipe obendrein in einem massiven Umbruch befindet?
Einen ersten wichtigen Schritt in Richtung einer möglichen Nominierung haben Lisa Wernitznig und Superb am Montag auf dem Gutenhof getan. Die Wertungen der dreiköpfigen Jury pendelten zwischen 69,5 und 72,8 %, im Durchschnitt ergab das glatte 71 %. Damit hat Österreich ein neues, spannendes Paar zur Verfügung, das – gesetzt den Fall, dass die weiteren Ergebnisse passen – gute Chancen auf eine WM-Nominierung hat.
Über 70 % wären auch für Katharina Haas und Davidoff RSM drin gewesen – sieht man von einem Verreiten ab, das 2 Prozentpunkte Abzug kostete. Ansonsten zeigte das Paar, das erst seit wenigen Wochen gemeinsam auf Turnieren unterwegs ist, viel Potenzial für die Zukunft. Mit 68,467 % lösten auch Haas und der zehnjährige Mecklenburger Schimmel von Daily Deal ihr Ticket für internationale Starts im Ausland.
In seiner ersten Saison in der Allgemeinen Klasse wird außerdem Jonas Frick auf CDIs zu sehen sein. Im Sattel seiner bewährten, mittlerweile 19 Jahre alten Hannoveraner Stute Juno erzielte er 66,233 % und darf nun internationale Turniere innerhalb Österreichs reiten.
Vier Paare für den Nachwuchs
Damon’s Dejaron kennt man vor allem unter dem Sattel von Katharina Haas, die den Fuchs seit 2022 im internationalen Grand-Prix-Sport vorstellte. Künftig wird der 17 Jahre alte Westfale mit Haas’ Schülerin Anna Schwarzlmüller-Kröpfel in der U25-Tour zu sehen sein. Nach dem erfolgreichen Debüt vor einem Monat in Stadl-Paura holte sich das Paar auf dem Gutenhof nun seine internationale Starterlaubnis ab: 67,500 % gab es für die beiden von den drei Richter:innen für ihre Darbietung. Schwarzlmüller-Kröpfel hat damit neben ihrer Nummer 1 Fürst Charmeur PS OLD ein weiteres Eisen im Feuer.
Keinen Zweifel an ihrer aktuellen Hochform ließen Fanny Jöbstl und Elastico. Drei Siege auf internationalem Parkett hat das Paar in der aktuellen Saison schon gefeiert. In Stadl-Paura blieb der Hengst jedoch an einer Türe hängen und verletzte sich dabei. Ein Start in der nachfolgenden Einzelprüfung war danach nicht mehr möglich. Das fehlende Ergebnis wurde nun auf dem Gutenhof nachgeholt – in höchst souveräner Manier: 72,368 % lautete die Wertung des Duos in der U21-Einzelprüfung.
Ein neues Paar für die Altersklasse Junioren (U18) sind Valentina Altenhuber und Good Hope, die sich mit 66,892 % die Erlaubnis für internationale Auslandsstarts abholten.
65,614 % lautete das Ergebnis für Helena Windisch und Helios P. Das niederösterreichische Duo ist damit für nationale CDIs positiv gesichtet.
„Ich habe es gerne gemacht”
„Schade, dass nicht mehr Paare diese Gelegenheit zur Nachsichtung genützt haben. Es war eine sehr ordentliche Veranstaltung mit viel Potenzial. Wir hatten drei gute Richter und Top-Bedingungen am Gutenhof mit Ansager und Paperless Judging – also alles, was es für eine gelungene sportliche Veranstaltung braucht“, bedauert Dr. Ursula Barth, die ihre kurze Karriere als Dressur-Bundesreferentin (sie war im Jänner 2025 bestellt worden) Ende April beendete – aus privaten Gründen, wie sie betont.
„Manches Mal entwickelt sich das Leben anders, als man es sich gewünscht hat. Ich habe dieses Amt wirklich gerne gemacht. Was ich am meisten hoffe, ist, dass die Jugendarbeit mit Belinda Weinbauer unverändert weitergehen kann. Ich glaube, da sind wir auf einem sehr guten Weg gewesen.“
Wer künftig die Leitung im Dressurreferat übernehmen wird, ist aktuell noch nicht bekannt.