Wer im Reitsport zur Weltspitze gehört, verdient sehr unterschiedlich. © FEI |Benjamin Clark, Leanjo de Koster, Libby Law Photography
Mit Preisgeldern lassen sich im Reitsport Millionen verdienen – allerdings nur für eine kleine Elite und vor allem dann, wenn man in der „richtigen“ Disziplin unterwegs ist. Das zeigt eine aktuelle Analyse des belgischen Datenerfassungsunternehmens Hippomundo, das die zehn Top-Verdiener in den Sparten Springen, Dressur und Vielseitigkeit für das Jahr 2025 ausgewertet hat.
Die Zahlen machen deutlich, wie extrem sich die ökonomischen Modelle der drei Disziplinen unterscheiden.
Springreiten: Die wirtschaftliche Königsklasse
Die ökonomische Königsklasse des Reitsports ist – wenig überraschend – das Springreiten. Hier verdienen die Top-Stars ein Vielfaches dessen, was ihre Kolleg:innen in Dressur und Vielseitigkeit erzielen.
An der Spitze steht Scott Brash (GBR) mit über 3,5 Millionen Euro an Preisgeldern. Es folgen der US-Amerikaner Kent Farrington (2.473.232 Euro) und der Franzose Simon Delestre (2.006.925 Euro). Auffällig ist: Wer in dieser Liga vorne mitmischt, betreibt meist einen hochprofessionellen Großbetrieb mit zahlreichen Pferden, die regelmäßig ins Geld springen.
Ein eindrucksvolles Beispiel ist Europameister Richard Vogel (GER). Im Jahr 2025 trugen nicht weniger als 28 Pferde zu seiner Gesamtgewinnsumme von 1.410.052 Euro bei.
Bestverdienerin unter den Amazonen ist Laura Kraut (USA): Sie kam auf 1.614.241 Euro und belegte damit Platz sieben im Gesamtranking.
Im Vorjahr zum wiederholten Mal Top-Verdienerin im Dressursattel: Isabell Werth © FEI/Leanjo de Koster
Dressur: Präzision statt Preisgeldregen
Ganz anders sieht die Realität im Dressurviereck aus. Von Millionensummen können Dressurreiter:innen nur träumen – selbst an der Weltspitze.
Die Nummer eins 2025 ist Isabell Werth mit rund 262.000 Euro an gewonnenen Preisgeldern. Mit sieben gewerteten Pferden gehört die Deutsche Rekordreiterin bereits zu den Vielstarterinnen der Szene. Direkt dahinter folgt Belgiens Shootingstar Justin Verboomen, der seine 221.574 Euro fast ausschließlich seinem Ausnahmehengst Zonik Plus verdankt.
Die britische Weltmeisterin Charlotte Fry kam mit acht Pferden auf 149.857 Euro, die viertplatzierte Norwegerin Isabel Freese präsentierte sich hingegen als Musterbeispiel an Effizienz: Ihre 127.303 Euro gingen ausschließlich auf das Konto ihres Rappen Total Hope OLD.
Die Analyse von Hippomundo macht deutlich: Dressur funktioniert nach einem völlig anderen Prinzip als Springreiten. Hier werden wenige Starts mit weniger Pferde absolviert, umso höher ist die Effizienz pro Auftritt. Das Modell ist wirtschaftlich ist das riskant. Fällt das Top-Pferd aus, fällt auch das Einkommen aus den Preisgeldern dramatisch.
Dank ihren Siegen bei den 5*-Klassikern in Badminton, Luhmühlen und Brughley unangefochten die Abräumerin im Lager der Vielseitigkeitsreiter:innen: Rosalind Canter © FEI | Libby Law Photography
Vielseitigkeit: Die härteste Disziplin – mit dem kleinsten Konto
Die Vielseitigkeit gilt als härteste Sparte des Reitsports – wirtschaftlich ist sie jedoch das Schlusslicht der drei olympischen Disziplinen. Trotz enormer sportlicher Leistungen bleiben die Einnahmen vergleichsweise begrenzt.
Die Britin Rosalind Canter führte das Ranking 2025 mit rund 325.000 Euro an, erritten mit fünf Pferden. Dahinter reihen sich der US-Amerikaner Boyd Martin (260.955 Euro auf zwölf Pferden) und der Brite, Harry Meade (250.424 Euro auf neun Pferden). Dahinter zeigt sich jedoch schnell die niedrige finanzielle Decke der Disziplin: Deutschlands Bestverdiener unter den Vielseitigkeitsreiter:innen, Multi-Olympiasieger Michael Jung, erritt 2025 mit sechs Pferden insgesamt 148.740 Euro an Preisgeldern - und liegt damit an fünfter Stelle des Rankings.
Hier zeigt sich: Obwohl Vielseitigkeitsreiter:innen häufig sehr konstant Leistungen abrufen und hohe Platzierungsquoten erzielen, bleibt die wirtschaftliche Obergrenze der Disziplin vergleichsweise niedrig. Die Einnahmen sind stärker von Championaten und einer begrenzten Anzahl großer Veranstaltungen abhängig.
Die Vielseitigkeit bleibt daher in erster Linie eine sportgetriebene Disziplin, in der Leidenschaft und Leistung den finanziellen Ertrag überwiegen.
Vergleich mit anderen Sportarten
So beeindruckend sechsstellige Preisgelder wirken – der Blick über den Tellerrand relativiert alles. In anderen Sportarten liegen selbst „durchschnittliche“ Jahresgehälter weit über dem, was Spitzenreiter:innen nach Hause bringen.
Besonders lukrativ erscheint eine Karriere im Fußball. So soll sich das Salär von Ausnahme-Kicker Cristiano Ronaldo bei Al Nassr laut Wirtschaftsmagazin Forbes in der Saison 2025/26 auf rund 230 Millionen US-Dollar belaufen.
Auch der Motorsport zahlt üppig: Formel-1-Weltmeister Max Verstappen erhielt 2025 geschätzte 76 Millionen US-Dollar bei Red Bull Racing.
Im American Football führte Dak Prescott, Quarterback der Dallas Cowboys, 2025 die Gehaltsliste mit 60 Millionen US-Dollar an. Knapp dahinter liegt Basketball-Superstar Stephen Curry von den Golden State Warriors mit einem Jahresgehalt von 55,7 Millionen US-Dollar.