Diallo BB unter Jessica von Bredow-Werndl bei seinem Weltcupsieg in Stuttgart im vergangenen November © FEI/Stefan Lafrentz (bearb.)
Die Nachricht sorgte am Montag für eine Schockwelle in der Reiterwelt: Diallo BB, die große Zukunftshoffnung der Dressur-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl, ist im Alter von nur elf Jahren überraschend gestorben. Der Wallach war am 5. Januar in die Klinik für Pferde in München eingeliefert worden. Doch trotz intensiver Bemühungen der behandelnden Tierärzte war das Leben des Hannoveraners von Dancier nicht zu retten. Diallo starb am Montag an den Folgen einer schweren Erkrankung, die sich, wie von Bredow-Werndl später erklärte, „innerhalb von Stunden durch seinen Körper gefressen hat“.
Als Ursache für den plötzlichen Tod Diallos, der als aussichtsreicher Kandidat der deutschen Equipe für die Weltmeisterschaften 2026 in Aachen galt, wird unbestätigten Angaben zufolge die Bornasche Krankheit vermutet – eine Viruserkrankung, die bei Pferden selten auftritt, deren Folgen jedoch meist gravierend sind. Um die Hintergründe dieser Erkrankung besser einzuordnen, haben wir den international renommierten Virologen Prof. Dr. Norbert Nowotny von der Veterinärmedizinischen Universität Wien befragt.
Pferderevue: Wie stark ist Borna verbreitet?
Nowotny: Die Bornasche Krankheit ist eine sehr seltene, jedoch in den allermeisten Fällen tödlich verlaufende Krankheit, die durch das Borna Disease Virus 1; BoDV-1 ausgelöst wird und in bestimmten Endemiegebieten Deutschlands, der Schweiz, des Fürstentums Liechtenstein und Österreichs auftritt. Betroffene Tierarten sind Equiden, Schafe, Neuweltkameliden (Lamas, Alpakas Anm.) und in seltenen Fällen leider auch der Mensch.
Pferderevue: Wie kommt es zur Übertragung?
Nowotny: Das bisher einzige bekannte Virusreservoir und damit der einzige Überträger des Virus ist die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon), die es über Sekrete und Exkrete ausscheidet. Empfängliche Tiere stecken sich damit auf der Weide an bzw. erfolgt eine Infektion vermutlich auch über Spitzmäuse, die während der Mahd „zerstückelt“ wurden und somit im Heu landen.
Die Feldspitzmaus ist der bisher einzige bekannte Reservoirwirt des Bonra-Virus. Die Spitzmäuse zeigen selbst keinerlei Symptome und bleiben ein Leben lang Virusausscheider. © Lothar Lenz | stock.adobe.com
Pferderevue: Wie äußert sich die Bornasche Krankheit beim Pferd?
Nowotny: Es handelt sich um eine Krankheit des Zentralnervensystems. Pferde zeigen Verhaltensänderungen, Bewegungsstörungen, Zwangsbewegungen, Leerkauen, gesenkte Kopfhaltung, Zähneknirschen, Schreckhaftigkeit, im Endstadium Festliegen und Tod.
Pferderevue: Wie fällt die Prognose bei einer Infektion aus?
Nowotny: Schlecht, 90-100% infizierter Tiere sterben.
Pferderevue: Muss man Sorge haben, dass noch mehr Pferde im betroffenen Betrieb erkranken?
Nowotny: Wie bereits erwähnt, erfolgt die Infektion ausschließlich über infizierte Spitzmäuse und deren Sekrete und Exkrete, jedoch nicht von Pferd zu Pferd.
Pferderevue: Gibt es Faktoren, die eine Erkrankung begünstigen? Dass es mit Diallo ausgerechnet ein junges, gut trainiertes Pferd aus einem absoluten Spitzenbetrieb getroffen hat, in dem auf Hygiene und eine einwandfreie Lagerung der Futtermittel sicherlich sehr stark geachtet wird, scheint wie ein Lottosechser in negativer Hinsicht zu sein ...
Nowotny: Sie sagen es. Dass sich ein Pferd mit diesem Virus ansteckt, ist besonderes Pech wenn man die seltenen Fälle dieser Krankheit betrachtet. Es sind keine Faktoren bekannt, die die Bornasche Krankheit begünstigen, vermutlich muss ein Pferd eine gewisse Menge an Bornaviren inhalieren, dass es zum Ausbruch kommt.
Dass sich ein Pferd mit diesem Virus ansteckt, ist besonderes Pech wenn man die seltenen Fälle dieser Krankheit betrachtet.
Endemiegebiete für das Vorkommen von BoDV-1 basierend auf Nachweisen in Spitzmäusen, erkrankten Haussäugetieren und Menschen. Die Intensität der grauen Schattierung spiegelt die Anzahl der untersuchten Fälle aus der jeweiligen Region wieder. © (Abbildung modifiziert von Ebinger et al., Nature Communications, 2024; veröffentlicht für Creative Commons, lizensiert durch CC BY 4.0)
Pferderevue: Wie kann man Pferde vor einer Borna-Infektion schützen? Ein Impfstoff gegen die Krankheit gibt es ja nicht.
Nowotny: Eigentlich ist das nur durch Vermeidung des Kontaktes (direkt oder indirekt) zu Feldspitzmäusen möglich – was in Endemiegebieten eher schwierig sein wird. Außerhalb der bekannten Endemiegebiete ist eine Infektion jedenfalls höchst unwahrscheinlich.
Pferderevue: Wie ist die Situation in Österreich?
Nowotny: In Österreich ist die Bornasche Krankheit extrem selten. Das Bundesland Vorarlberg – und vermutlich Teile Tirols – gehören zu einem Endemiegebiet, das sich über die Ostschweiz und das Fürstentum Liechtenstein erstreckt. Zudem wurde vor etwa zehn Jahren ein weiteres, eng begrenztes Endemiegebiet im nördlichen Oberösterreich identifiziert.